Auch dieses Jahr habe ich die Zeit über den Jahreswechsel wieder auf Eiderstedt verbracht, und natürlich habe ich mich auch dieses Mal wieder mit der Batterie St. Peter befasst.
Seit meinem letzten Besuch vor einem Jahr bin ich nicht untätig gewesen und habe mich natürlich mit der Lokalisierung der Batterie beschäftigt. Im April 2025 habe ich über neue Luftbilder berichtet, die ich mir von der Schottischen NCAP (National Collection of Aerial Photography) besorgt hatte (Link zum Beitrag). Auf allen mir zur Verfügung stehenden Luftbildern ist lediglich eine der 8 Geschützplattformen eindeutig identifizierbar; sie ist auf zwei Luftbildern sehr deutlich zu erkennen. Bisher ging ich davon aus, es müsse sich um Plattform Nr. 5 (von Ost nach Nordwest gezählt) handeln, diese Hypothese galt es zu verifizieren.
Das Luftbild vom März 2024, aufgenommen am 29.11.1940, lieferte die meisten Anhaltspunkte für eine Lokalisierung. Ich habe es über eine OpenStreetMaps-Kartendarstellung gelegt:
Bedingt durch die perspektivische Verzerrung des Luftbilds ist das die beste erreichbare Näherung. Speziell die Badallee, der Doktor-Felten-Weg, der heutige Fasanenweg und die heutige Eiderstädter Straße lassen sich auf dem Luftbild gut erkennen. Gemäß dieser Projektion lag die mutmaßliche Geschützplattform Nr. 5 rechts neben dem Gorch-Fock-Weg. Auf dem Luftbild ist auch ein zweites Konstrukt erkennbar, das eine Geschützplattform sein könnte (hier südlich des Parkplatzes der Utholm-Sporthalle zu sehen), aber mir fehlt immer noch die Verifizierung durch ein zweites Luftbild.
Wo befanden sich aber nun die anderen Geschützplattformen? Der einzige existierende Batterieplan stammt von der Interalliierten Militärkontrollkommission aus dem Jahr 1924 (Link zum Beitrag). Er ist leider alles andere als genau und für eine Lokalisierung durch Projektion auf eine moderne Karte nur äußerst begrenzt verwendbar. Zumindest die wesentlichen Straßen konnte ich identifizieren:
Hauptaufgabe für meinen Besuch in St. Peter-Ording vor einer Woche war natürlich die Spurensuche vor Ort, wobei das Bodenrelief nicht sehr erfolgversprechend war:
Im rot umrandeten Bereich müsste die mutmaßliche Geschützplattform Nr. 6 gelegen haben. Wie Sie sehen ... sehen Sie nichts!Zwischen Gorch-Fock-Weg und Fasanenweg verläuft beinahe mittig und parallel zu den beiden Straßen ein Fußweg. Ich hoffte, von dort aus etwas erkennen zu können, wurde aber vor Ort enttäuscht. Auf dem folgenden Foto müsste die Plattform 6 irgendwo hinter der Holzwand auf der linken Seite gewesen sein. Die Holzwand ist leider ziemlich lang und ziemlich hoch - man sieht hier wirklich überhaupt nichts.
Plattform 5 müsste auf der anderen Seite gelegen haben, doch auch dort ließ sich nichts erkennen. Fotografieren konnte ich das Gelände auch nicht, da dort Wohnhäuser stehen. Ich begnügte mich daher damit, den Weg in entgegengesetzter Richtung zu fotografieren. Plattform Nr. 5 hätte irgendwo links davon liegen müssen:
Vollständigkeitshalber noch ein paar Fotos zu den Standorten der Plattformen 1-3; das erste zeigt den Weg von Süden in das Wäldchen bei der Utholm-Schule hinein. Die Plattformen 1 und 2 müssten sich rechts vom Weg befunden haben, Plattform 3 links davon:
Auch das Areal links des Weges konnte ich wegen der Wohnhäuser nicht fotografieren, wohl aber den Waldboden, der dort auffallend sandig ist (ehemalige Dünenlanschaft):
Eine sandüberdeckte Geschützplattform müsste sich mit der Bodensonde gut aufspüren lassen, aber eine derart große Fläche wollte ich ohne ordentliche Genehmigung nicht sondieren.
Das letzte Foto zeigt das Areal, auf dem die Plattformen 1 und 2 gelegen haben müssen:
Die roten Nummern unten rechts auf den Fotos beziehen sich auf folgende Darstellung, die die jeweilige Blickrichtung der Aufnahmen zeigt:
Zusammenfassend scheint es so zu sein, dass von den 8 Geschützplattformen mindestens 6 den Baumaßnahmen in diesem Gebiet zum Opfer gefallen sind. 1 oder 2 Plattformen könnten im Utholm-Wäldchen gelegen haben; das wäre zu verifizieren. Es gilt das gleiche Motto wie üblich: Ich habe nun ein Jahr Zeit, den nächsten Besuch vorzubereiten ...
Durch einen glücklichen Zufall bin ich übrigens auf ein Foto gestoßen, dass eine 15cm Uboots- und Torpedoboots-Kanone L/45 auf Lafette C/16 in einer Deichbatterie zeigt:
Es handelt sich um die Batterie auf der Insel Neuwerk, bestückt mit 4 dieser Geschütze. An dieser Stelle vielen Dank an Herrn Brütt von der Seite Festungswerke Cuxhaven, der mir freundlicherweise die Verwendung des Fotos gestattet hat.
Die Geschützsockel auf Neuwerk waren fast baugleich zu denen der Batterie St. Peter:
Die Batterie St. Peter muss also sehr ähnlich ausgesehen haben!
Das letzte Foto für heute zeigt den Unterseekreuzer U155, der 1917 durch Umbau des ehemaligen Handels-U-Boots "Deutschland" entstand. 1918 bekam das U-Boot zwei 15cm Geschütze L/45 auf Lafette C/16.
Übersicht der Blogbeiträge zur Batterie St. Peter:












