Montag, 4. Januar 2021

Neue Erkenntnisse zum Zwischenwerk 6

Dank tatkräftiger Hilfe aus Ingolstadt bin ich endlich an ein paar Dokumente gekommen, die mir interessante Einblicke in Geschichte und Konstruktion des Zwischenwerks 6 vermittelt haben:

Die Anordnung für die nötigsten Erdarbeiten des Zwischenwerks wurde bereits im Oktober 1892 erlassen. Gemäß weiteren Erlassen im Zeitraum zwischen Mai 1893 und November 1894 war die Errichtung eines provisorischen Zwischenwerks vorgesehen, zunächst als Infanteriestützpunkt für eine Kompanie mit der Option eines späteren permanenten Ausbaus einschließlich Ausstattung mit 4 leichten Geschützen. Ursprünglich war ein Untertretraum mit 4 Mannschaftskasematten geplant; zwei Pläne (einer Juni 94, einer August 94) zeigen allerdings als damaligen Planungsstand den Bau der nördlichen Kehlkasernenhälfte mit 6 Kasematten (einschließlich einer Latrinen- und einer Küchenkasematte) und den südlichen Teil mit gleicher Kasemattenzahl als Erweiterungsoption.
Im April 95 erging die Anordnung des Baus der nördlichen Hälfte der Kehlkaserne.
Baubeginn war der 31.05.1895. Noch im gleichen Jahr wurde das Mauerwerk der Kasematten fertiggestellt und mit Moniergewölbe versehen. Die Unterlagen machen leider keine Aussage darüber, um wie viele Kasematten es sich handelte.
1896 wurden Kehlkaserne und Wall fertiggestellt. Die Kehlkaserne hatte eine Decke aus Granitstampfbeton mit Sandpolster, war mit 0,5 m Erde bedeckt und durch eine 5,16 m hohe Erdvorlage geschützt.

Daraus ergibt sich folgender Querschnitt durch eine Kasematte:

1897 wurde der innere Ausbau abgeschlossen; am 4. Juni fand die Bauabnahme ohne Beanstandungen statt.

Ein Grundrissplan vom Januar 1897 zeigt im Gegensatz zum Planungsstand von 1894  12 Kasematten, d.h. man hat offenbar die Kaserne doch gleich komplett gebaut.
Als Provisorium hatte das Zwischenwerk weder Flankierungsanlagen noch Munitions- oder Untertreträume.

Nach Auswertung der neuen Unterlagen muss ich meinen Blogbeitrag vom 24.12. in zwei Aspekten revidieren:

1) Es gab nicht 14 Kasematten, sondern 12 Kasematten, die in 14 Räume aufgeteilt waren:
            a.       Kasematte 1 = Latrine mit Latrinengrube (Raum 1)
            b.       Kasematten 2 – 5 = Mannschaftsunterkünfte (Raum 2 – 5)
            c.       Kasematte 6 = aufgeteilt in zwei Räume, Nutzung unklar; Raum 6 = möglicherweise Verbandraum, Raum 7 = möglicherweise
                    Kommandantenunterkunft
            d.       Kasematte 7 = aufgeteilt in zwei Räume (Nr. 8 = Wache mit 3 Schießscharten, Nr. 9 = Mannschaftsunterkunft)
            e.       Kasematte 8 – 10 = Mannschaftsunterkünfte (Raum 10 – 12)
            f.        Kasematte 11 = Offiziersunterkunft (Raum 13)
            g.       Kasematte 12 = Küche (Raum 14)

2) Die Eingänge zur Kehlkaserne waren nicht nach außen, sondern nach innen traversiert. Es gab entsprechend keine Eingangs-Vorbauten vor der      Kasernenfront.

Der Grundriss stellt sich also folgendermaßen dar (eingetragen sind die Raumnummern):

Bei dem heute noch sichtbaren angeschnittenen Gang am Nordende der Kahlkaserne handelt es sich also um den Hohlraum für das Sandpolster in der zweischaligen Außenmauer der Kaserne. Rechts davon ( = südlich) befand sich die Latrinenkasematte, im folgenden Bild durch zwei rote Pfeile gekennzeichnet:

Anhand der mir vorliegenden Pläne habe ich versucht, die Kasernenfront zum Zeitpunkt der Fertigstellung zu skizzieren:

Sowohl dem Grundrissplan als auch der Skizze der Kasernenfront liegt die Annahme zugrunde, die Kaserne sei entgegen der ursprünglichen Planung doch gleich komplett mit 12 Kasematten fertig gebaut worden. Ob die Kaserne in zwei Stufen gebaut wurde, d.h. zuerst der nördliche Teil als Untertretraum, dann der Ausbau zur vollständigen Kehlkaserne, ist unklar. Nach den Plänen vom August 1894 hätte sich dann zwischen Kasematte 6 und 7 eine doppelschalige Mauer mit Sandpolster und nachträglich eingebautem Durchgang befunden. Bei meinen nächsten Besuchen werde ich mir ansehen, ob es entsprechende Anhaltspunkte gibt.

Abschließend möchte ich noch auf eine Internetpräsenz hinweisen, die mir eine unersetzliche Hilfe für meine Begehungen der Festung Ingolstadt geworden ist. Es handelt sich um die Karten-App Landesfestung Ingolstadt, in der sämtliche Festungselemente kartografiert sind. Die App bietet eine Vielzahl von Filtern und Darstellungsmöglichkeiten und ist wirklich hervorragend gemacht!

Sonntag, 3. Januar 2021

Der Munitionsraum VII bei Friedrichshofen

Östlich des ehemaligen Forts II Hartmann erkennt man im Luftbild ein rechteckiges Wäldchen inmitten der Felder. Im Volksmund wird es Geisterwald genannt; tatsächlich befinden sich in diesem Wäldchen die Reste des nach dem 2. Weltkrieg gesprengten Munitionsraums 7.

Einen Plan habe ich auch für diese Anlage nicht und kann nur auf den generischen Plan des letzten Beitrags verweisen. Das Reliefbild des bayerischen Geodatenservers lässt auch hier auf ein Gewirr von Sprengtrümmern schließen:

Die nachfolgenden Bilder stammen von einer Begehung 2013:






Bei meinen Recherchen bin ich darauf gestoßen, dass das Wäldchen als Biotop mit der Nummer IN-1098-00 klassifiziert ist. 

2018 stand im Donaukurier zu lesen, die Gemeinde Friedrichshofen trage sich mit dem Gedanken, den Geisterwald seinem Eigentümer abzukaufen, unter anderem, um dem „archäologisch gut erhaltenen Munitionsdepot VII das gleiche Schicksal … wie der Lagerschanze Nr. 7“ zu ersparen (siehe Blogbeitrag dazu). Ob das letztlich gelungen ist, konnte ich noch nicht herausfinden.