Montag, 23. Dezember 2019

Das Werk Nr. 234 des Festungsgürtels Ingolstadt (Zwischenwerk Nr. 6 "Station Manching")

Das letzte Ziel meines Ingolstadt-Besuchs im Dezember 2019 war das Werk 234 des äußeren Fortgürtels, auch Zwischenwerk Nr. 6 „Station Manching“ genannt. Auch dieses Werk wurde nach Ende des zweiten Weltkriegs von den Amerikanern gesprengt.

Die Bodenrelief-Darstellung des Bayerischen Geoportals zeigt das Ausmaß der Zerstörungen und lässt gleichzeitig auf ein Gewirr von sichtbaren Resten schließen:


Viele Informationen über das Werk konnte ich bei meinen Vorbereitungen nicht finden, lediglich den Erbauungszeitraum 1895 – 1897 und einen Hinweis darauf, dass nur die Kehlkaserne gebaut und der Rest nie fertiggestellt wurde.

Der Werksplan sieht daher ein wenig wie ein besonders groß geratener Untertretraum aus:


Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie es fertig ausgebaut hätte aussehen können, bietet sich ein Vergleich mit dem ungefähr genauso großen Werk Nr. 192 (Zwischenwerk Nr. 9 „Rosenschwaig“) an:


Gegenüber Rosenschwaig ist die Kehlkaserne kleiner; was komplett fehlt, ist die Wall-Infrastruktur (Geschützbettungen, Schutzräume etc.).

Und so sieht die Kehlkaserne heute aus – ein Trümmerhaufen. Wüsste man nicht, dass das Werk erst vor 74 Jahren gesprengt wurde, könnte man meinen, sich an der ehemaligen Westfront des ersten Weltkriegs zu befinden:




An manchen Stellen gibt es Anzeichen für Hohlräume:


Am eindrucksvollsten ist sicher die Nordwestecke, wo ein Teil der Ziegelfassade die Sprengung überstanden hat; dahinter ist das Kopfende eines Gangs mit Ziegelgewölbe zu sehen:







Ein kleines Detail der Reliefkarte wird Gegenstand eines weiteren Besuchs sein: An der Südwestecke des nassen Grabens ist eine von einem Graben umgebene „Ausstülpung“ zu sehen, die auch im Werksplan erkennbar ist. Da ich keinen Ausschnitt der Reliefkarte mit entsprechender Markierung einstellen darf, habe ich die markantesten Strukturen in eine Skizze übertragen:


Das Zwischenwerk Rosenschwaig hat an dieser Stelle eine Anschlussbatterie, aber dafür ist die Ausstülpung zu klein. Im französischen Fort de Jouy-sous-les-Côtes nordwestlich von Toul gibt es eine ähnliche Struktur, ebenfalls jenseits des Grabens gelegen, bei der es sich um ein vorgelagertes Infanteriewerk handelt. Um dort hin zu gelangen, musste man das Fort durch eine Ausfallpforte neben der Nordcaponnière verlassen, den trockenen Graben durchqueren und eine Treppe an der Gegenböschung hochsteigen. Übertragen auf das Zwischenwerk Nr. 6 würde man vermutlich eine Brücke über den nassen Graben erwarten. In der Skizze habe ich eine weitere auffällige Stelle markiert; es wird zu prüfen sein, ob dort ebenfalls eine Ausfallpforte vorgesehen war.

Keine Kommentare:

Kommentar posten