Freitag, 26. Juni 2020

Neues vom Treuberg

Dank eines kürzlichen Besuchs im Stadt- und Festungsmuseum Germersheim bin ich endlich zu einem zeitgenössischen Plan des Vorwerks Treuberg gekommen; den Detailplan des Blockhauses habe ich nachgearbeitet:


Gegenüber dem Schwarzweißfoto meines letzten Beitrags über Treuberg fällt sofort auf, dass sämtliche Infanterie-Schießscharten nicht im Plan enthalten sind. Auch erweckt das Foto den Eindruck, das Blockhaus könnte mehrere Geschosse gehabt haben. Der hier gezeigte Plan zeigt offenbar nur das Erdgeschoss; wesentliche Funktionseinheiten eines Verteidigungswerks wie z.B. ein Pulvermagazin fehlen. Auf dem Foto ist im rechten Turm anhand des Verlaufs der  Infanterieschießscharten ein Abgang erkennbar, der in ein Untergeschoss geführt haben könnte, wo ich ein solches Magazin vermuten würde (vgl. Lagerwerk VI / Forte Ardietti bei Peschiera).

Besonders groß kann das Blockhaus nicht gewesen sein, auch wenn der Plan einen anderen Eindruck erweckt. Die Messfunktion des Baden-Württembergischen Geodatenservers ergab eine Grundfläche von ca. 25 x 30 m.

Dienstag, 2. Juni 2020

Neues von Fort IIIa

Mit zweimonatiger, coronabedingter Verspätung konnte ich Ende Mai endlich meinen geplanten Besuch in Ingolstadt nachholen. Wichtigstes Ziel war die Klärung der offenen Fragen zu Fort IIIa, die sich mir seit 2004 gestellt hatten. Da ich mittlerweile über deutlich mehr Informationen über das Werk verfüge als damals, gelang es mir, die meisten Antworten vor Ort zu bekommen. Ein paar kleinere Aufgaben sind übrig geblieben; die werden Gegenstand des nächsten Besuchs sein.
Alle Fotos aufzuarbeiten wird eine Zeit dauern, im heutigen Beitrag möchte ich hauptsächlich die Befunde zusammenfassen.

1) Die Traversen
Die erste - leicht frustrierende - Erkenntnis beim Betreten des Forts war, dass die ehemaligen Hohltraversen wie im Bericht von 1889 erwähnt tatsächlich in Splitterschutzbänke umgewandelt wurden. Die Infanterielinie wurde stirnseitig um diese Bänke herumgeführt, was man vor Ort noch sehr deutlich erkennt.
Die Traversen 32, 33 und 36 sind gut erhalten. Betritt man das Fort von der Stichstraße der Max-Emanuel-Straße aus, fällt einem Nr. 32 linkerhand des Wegs sofort auf. Was im Luftbild die Anmutung von Mauerwerk hatte, erweist sich in Realität als niedriger, brauner Bewuchs; Mauerwerk, sprich: eine Hohltraverse gibt es hier nicht mehr.
Nr. 33 liegt rechts neben dem Weg; sie sieht in natura intakter aus als auf dem Reliefbild. Ich vermute, dass bei der Umwandlung der Hohltraverse in eine Splitterwehr der im Untergeschoss befindliche Treppenhausteil abgeschnitten und mit einer Betondecke versehen wurde, wie man es z.B. auch in der betonierten Kaserne von Fort de Tavannes gemacht hat. Da die Traverse 33 noch leidlich intakt ist, vermute ich, dass auch der ehemalige Treppenhausteil darunter noch vorhanden ist.
Hier ein Foto:


Traverse 36 ist im Sommer extrem schwer zu finden, da sie zu einem großen Teil überwuchert und sogar von Bäumen besetzt ist. Die im Reliefbild sichtbare rechteckige Vertiefung ist auch vor Ort deutlich zu erkennen; ihr Zweck hat sich mir noch nicht erschlossen.

2) Die Kehlkaserne
Wo früher die Kehlkaserne war, ist der Fortgraben heute komplett verfüllt. Es steht zu vermuten, dass zumindest ein Teil des Trümmerschutts zu dieser Verfüllung beigetragen hat; lediglich im südwestlichen Teil gibt es einen oberirdischen Schutthang über ca. 1/3 der ehemaligen Kasernenfläche. Hier finden sich viele Beton- und Steintrümmer, so dass ich davon ausgehe, dass hier zumindest noch Fundamentreste der Kaserne vorhanden sind.
Leider grenzen mittlerweile die Grundstücke einiger das Fort umgebenden Häuser im Kasernenbereich direkt an das Fort heran, was eine Erkundung extrem erschwert. Es gelang mir dennoch, einige Fotos des oberirdischen Schutthangs zu machen, die ich in einem späteren Beitrag einstellen werde. Hier zumindest ein Foto eines großen Trümmerstücks, das vermutlich von der verstärkten Kasernendecke stammt. Die Feinstruktur des Granit-Stampfbetons ist sehr schön zu erkennen:



3) Identifizierung der Befunde von 2004
Die Objekte, die ich 2004 fotografiert hatte, konnte ich diesmal leider nicht wiederfinden. Ich vermute, dass es sich um Reste der zentralen Caponniere handelt; die dichte Vegetation vor Ort hat es leider völlig unmöglich gemacht, diese aufzusuchen. Ich hoffe, im Winter nochmal zu Fort IIIa kommen zu können, dann sind die Bedingungen hoffentlich günstiger.

4) Die Eskarpenmauer auf der Kehlseite
2004 wusste ich nicht, dass die Eskarpenmauer hier noch vollständig vorhanden ist; diesmal konnte ich sie auf beiden Seiten der Kehlkaserne wenigstens aus der Entfernung begutachten. Hier ein Foto des südwestlichen Teils:


5) Die nordöstliche Anschlussbatterie
Der Bereich, in dem man Reste des Munitions- und Untertretraums der nordöstlichen Anschlussbatterie vermuten könnte, liegt leider auf eingezäuntem Privatgrund. Eine Recherche vor Ort war daher nicht möglich.

6) Zugang zum Fort
Neben dem Zugang über die Stichstraße der Max-Emanuel-Straße gibt es noch einen weiteren von der Straße "am Fort" aus, der direkt in den Bereich der ehemaligen Kehlkaserne führt.

7) Fazit
Auch wenn die wesentlichen Funktionselemente von Fort IIIa gesprengt wurden, gibt es noch erstaunlich viel zu sehen. Die Südwest- und die Nordostecke mit ihren Traversen und den Eskarpenmauern sind quasi noch komplett erhalten, wenngleich auch zu einem guten Teil von dichter Vegetation bedeckt. Von der Kehlkaserne müsste es zumindest im südwestlichen Drittel noch Fundamentreste unter einem Schutthang geben; unterhalb der Traverse 33 könnte es möglicherweise noch einen intakten Raum geben.
Alles in allem bietet das Fort einen traurigen und verwahrlosten Anblick. An der nordöstlichen Grabenecke weist zwar ein Hinweisschild auf das Fort hin, ein weiteres verbietet Müllablagerung; Müll ist aber nicht das eigentliche Problem, zumindest konnte ich bei meinem Besuch keinen finden.
Ich finde, dass man aus den Resten von IIIa mehr machen könnte, als es der Natur zu überlassen. Würde man Kehlgraben und Werksoberfläche vom Baum- und Buschbewuchs befreien und mit Rasen besetzen, wie ich es schon in -zig anderen Forts der gleichen Ära gesehen habe, könnte man damit zum einen einen attraktiven Naherholungsbereich für Wettstetten schaffen, zum anderen einen Besuchermagneten für all diejenigen, die sich für das Fort interessieren. Die unerwartet reichhaltigen Reste des Werks sind für Interessierte auch so schon sehenswert, allerdings z.T. nur sehr mühsam zu erreichen.
Von Ausgrabungen im Kehlbereich oder vielleicht auch Im Bereich der Traverse 33 wage ich gar nicht zu träumen.
Angesichts des Schicksals von Werk 139 / Lagerschanze 7 befürchte ich allerdings, dass auch Fort IIIa früher oder später verschwinden bzw. überbaut werden wird, wie es z.B. auch bei Fort Va geschehen ist. Wie bereits erwähnt haben sich im Kehlbereich die Privatgrundstücke z.T. bis unmittelbar an den Festungsbereich herangeschoben. Eine Gemeinde, die so etwas zulässt und den Rest des Werks derart verwildern lässt,beweist damit wenig Wertschätzung militärhistorischen Kulturguts, was für das weitere Schicksal des Forts IIIa nichts Gutes verheißt.

8) Allgemeine Hinweise zum Besuch der Festungen von Ingolstadt
Die zum Teil wirklich dichte Vegetation erschwert die Orientierung und das Vorankommen im Gelände ganz extrem, doch nicht nur deswegen empfiehlt es sich, einen Besuch auf die kalte Jahreszeit zu beschränken. Fast schlimmer empfand ich die Belastung durch Stechmücken, die mich während meines gesamten Aufenthalts in dichten Schwärmen umlagerten und mir eine Unzahl von Stichen einbrachten. Noch schlimmer als in Fort IIIa war die Mückensituation eigentlich nur beim Zwischenwerk 6, wo - bedingt durch die sumpfige Umgebung - die Mückenlast so groß war, dass ich gar nicht aus dem Auto heraus kam und den Besuch abbrechen musste.

Dienstag, 7. April 2020

Das Ingolstädter Werk Nr. 139 / Lagerschanze 7


Mein heutiger Blogbeitrag muss leider ohne aktuelle Fotos auskommen, denn das Werk, über das ich berichte, existiert nicht mehr.
Es geht um das Ingolstädter Werk Nr. 139, auch Lagerschanze Nr. 7 genannt.
Viel ist es nicht, was ich über diese Anlage in Erfahrung bringen konnte, aber der unfassbare Umgang mit militärhistorischem Kulturgut, in dessen Ergebnis die Lagerschanze verschwand, ist es mir wert, hier auf sie einzugehen, damit sie nicht ganz in Vergessenheit gerät.

Mit dem Vorwerkegürtel der Festung Ingolstadt aus der Zeit des Deutschen Einigungskriegs hatte ich mich bereits im Dezember befasst und von meinem Besuch einer der wenigen verbliebenen Anlagen aus dieser Zeit berichtet, dem Werk Nr. 125 / Friedenspulvermagazin Oberhaunstadt. Ich hatte damals auch schon kurz auf das Schicksal der Lagerschanze 7 hingewiesen.

Geschichte und baulich-technische Aspekte:
Die Lagerschanze 7 wurde wie die anderen Vorwerke auch im Jahr 1866 errichtet. Es handelte sich um eine Anlage in sogenannter „passagerer“ Ausführung, also um eine Feldfortifikation in Erdbauweise mit hölzernen Schutzräumen. Für die damalige Artillerie bot eine solche Konstruktion ausreichenden Schutz, allerdings entwickelte sich die Geschütztechnik gerade in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so rasant weiter, dass die Vorwerke schnell unmodern und nutzlos wurden. In Konsequenz beschloss man den Bau eines äußeren Fortgürtels in einem größeren Radius um Ingolstadt herum; mit der Brisanzmunitionskrise um 1885 wurden aber auch diese Forts modernisierungsbedürftig.
Die reinen Erdwerke wurden mit Ausnahme der drei Außenforts des Vorwerkegürtels nicht weiter modernisiert, blieben aber zunächst erhalten.

Hier ein grober Plan der Lagerschanze 7, der keinen Anspruch auf Detailtreue erhebt, sondern nur eine Orientierung vermitteln soll, wie die Schanze einmal ausgesehen haben muss:


Sie war für 3 Geschütze konzipiert; bei dem großen schwarzen Rechteck in der Mitte handelt es sich um den hölzernen Schutzraum.

Das Schicksal der Schanze in der jüngeren Vergangenheit:
Die Lagerschanze 7 dürfte bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts unversehrt geblieben sein.
Bei meinen Recherchen bin ich auf die Behauptung gestoßen, der Kehlwall sei dem Bau der Autobahnauffahrt Ingolstadt Süd zum Opfer gefallen. Diese Aussage muss bezweifelt werden. Auf dieser Karte aus dem Jahr 1969 ist die Anschlussstelle Ingolstadt Süd noch nicht zu sehen; der Kehlwall der Lagerschanze 7 fehlt allerdings schon:


Der Abriss des Kehlwalls dürfte deutlich weiter zurück in der Vergangenheit stattgefunden haben, wie das nachfolgende Luftbild belegt, das ich kürzlich erwerben konnte. Es zeigt das Erdwerk im Jahr 1945; auch hier fehlt der Kehlwall bereits. Bemerkenswert ist der augenscheinlich gute Zustand der verbliebenen Wälle, die zwar von Vegetation bedeckt zu sein scheinen; die Infanterielinie und auch die Geschützrampen und -plattformen scheinen jedoch bewuchsfrei zu sein:


Ich vermute, dass der Kehlwall in den Jahren 1935 bis 1938 abgerissen wurde. In dieser Zeit wurde die A9 von Nürnberg nach München gebaut, und auch die auf dem Luftbild sichtbare Autobahnüberführung dürfte aus dieser Zeit stammen. Auf der Höhe der Lagerschanze zweigt von der die Autobahn überführenden Straße ein Weg ab, dem der Kehlwall offenbar zum Opfer fiel.

In diesem Zustand überlebte die Schanze auch die nächsten Jahrzehnte. Das folgende Reliefbild des bayerischen Geoportals dürfte aus der Zeit zwischen 1970 und 2014 stammen:


Ich hoffe, dass dieses Bild so schnell nicht aktualisiert wird; zur Sicherheit habe ich es mir als Bildschirm-Hardcopy abgespeichert. Veröffentlichen darf ich es leider nicht, sondern nur als iFrame einbetten.

Ab 2014 / 2015 ereilte die Anlage dann ihr Schicksal. Zuerst wurde ein Teil gerodet und eingeebnet, das sieht man auf dem folgenden Luftbild von Google Maps:


Es schloss sich ein Hin-und-her an zwischen dem Autohaus, das die Einebnungsarbeiten vorgenommen hatte, und der Stadt Ingolstadt. Der Donaukurier hat dem einige Beiträge gewidmet, aus denen sich jedoch nicht wirklich erschließt, welche Kommunikation wann zwischen beiden Parteien stattfand. Am Ende - 2016 - war die Schanze dann komplett verschwunden, allen Interventionsversuchen der Stadt zum Trotz. Das Luftbild des bayerischen Geoportals zeigt den traurigen Endzustand:


Ob das in der Presse angekündigte Bußgeld tatsächlich verhängt wurde, wage ich zu bezweifeln. Was zählt ein vandalisiertes Kulturgut gegenüber Gewerbesteuereinnahmen?
Als jemand, der sich seit fast 40 Jahren mit dem Festungsbau des 19. Jahrhunderts befasst, bin ich ob dieser Vorgänge zutiefst bekümmert. Welches Schicksal wird wohl den anderen klägliche Resten des mittleren und des äußeren Festungsrings noch blühen? Speziell die wenigen verbliebenen Erdwerke machen mir Sorge, da sie zu einem großen Teil in Privatbesitz sind. Eigentum scheint hier nicht zu verpflichten, wie das traurige Beispiel der Lagerschanze 7 eindrucksvoll zeigt. Ich kann nur hoffen, dass Ingolstadt in Zukunft stärker Position bezieht und Überwachungsmaßnahmen initiiert, um weitere Frevel dieser Art zu verhindern.

Sonntag, 29. März 2020

Das Fort IIIa bei Wettstetten

Die SARS-CoV-2-bedingte häusliche Absonderung hatte zwar zur Folge, dass die geplante Frühjahrsexkursion nach Antwerpen ausfallen musste, verschaffte mir allerdings genügend Muße, mich mal wieder der Festungsstadt vor meiner Haustür zu widmen: Ingolstadt.

Der heutige Blogbeitrag beschäftigt sich daher mit Fort IIIa bei Wettstetten, einem der beiden einzigen Ingolstädter Forts, die mit einer Panzerkuppel ausgerüstet waren.

Zur Lage: 
Zum Zeitpunkt seiner Erbauung befand sich das Fort ca. 950m südwestlich von Wettstetten. Die Ortserweiterung hat das Fort jedoch längst erreicht, und so ist das Kernwerk heute komplett von Wohnhäusern umgeben. Es liegt in einem Dreieck, das von der Josef-Fleischmann-Straße, der Max-Emanuel-Straße und der Straße „Am Fort“ gebildet wird; der einzige Zugang führt am Ende einer von der Max-Emanuel-Straße ausgehenden Stichstraße über die rechte Schulter ins Fort.

Zur baulich-technischen Ausführung:
Das relativ kleine Fort IIIa vervollständigte den nordwestlichen Abschnitt des vorgelagerten Festungsrings durch seine Position zwischen Fort III / von der Tann (Entfernung 2,90 km) und Fort V / Orff (Entfernung 2,04 km).
Es hatte einen fünfeckigen Grundriss und war ursprünglich in Ziegelmauerwerk mit Zementmörtel und Erdummantelung ausgeführt, umgeben von einem trockenen Graben.
Gegenüber den größeren Ingolstädter Forts wies es - genau wie Fort Va - einige konstruktive Besonderheiten auf:
- Die Kehlkaserne war nicht bastioniert und nur eingeschossig
- Der Kehlgraben wurde durch eine an die Kehlkaserne angebaute Kaponniere flankiert

Zur Flankierung des restlichen Grabens verfügte es über eine Saillant- und zwei Schulterkaponnieren.
Auf der Saillantkaponniere befand sich der manuell betriebene Gruson-Panzerdrehturm für zwei 15cm Ringkanonen (Nr. 17 oder 18) mit 4 Metern Durchmesser und 200 Tonnen Gewicht. 
Seine Versorgungsinfrastruktur bestand aus 4 Munitionsaufzügen, 2 Kartuschräumen, 2 Geschossräumen und einem Zündungsraum.

Schnittzeichnung eins Gruson-Panzerturms nach Herman Frobenius:

Schnittzeichnung eins Gruson-Panzerturms aus "Constructions-Details der Kriegsbaukunst", 1878:


Die beiden Geschossebenen der Saillantkaponniere von Fort IIIa:



Es gab außerdem 2 Pulvermagazine unter den Facen, 2 Geschossräume und einen Munitions-Arbeitsraum unter der rechten Face.

Im Hinblick auf spätere Ausführungen seien noch die 5 Hohlbauten / Hohltraversen auf dem Wall mit Wacht- und Bereitschaftsräumen erwähnt (im Werksplan die Nummern 36 bis 32 von links nach rechts). Nr. 35 über dem Kriegspulvermagazin, Nr. 34 über der Kaserne in der Spitze und Nr. 33 über dem Munitions-Arbeitsraum / Ladesystem.

Das Fort bot Unterkunft und Infrastruktur für eine Besatzung von 1 Kommandant, 50 Offiziere, 174 Mannschaften (Stand 1907).

Nachfolgend ein kurzer Abriss zur Historie von Fort IIIa:
November 1876:        Vorschlag zum Bau eines permanenten Zwischenwerks Nr. 3 auf dem Ochsenthomerberg mit 10 Geschützen und einem 
                                   Panzerdrehturm für zwei 15cm Ringkanonen auf der Saillantkaponniere
19.12.1878:                Genehmigung des Entwurfs durch das königlich-bayerische Kriegsministerium
06.03.1879:                Genehmigung des Vertrags zur Lieferung des Panzerdrehturms mit der Fabrik H. Gruson, Bruckau bei Magdeburg, durch das 
                                   königlich-bayerische Kriegsministerium. Mit der Lieferung der Minimalschartenlafetten C/72 wurde die Geschützgießerei 
                                   Spandau beauftragt.
15.08.1879:                Baubeginn
30.09.1882:                Abschluss der Bauarbeiten
19.10.1882:                Fertigstellung
30.10.1882:                Übergabe an das königlich-bayerische Festungs-Gouvernement
09.11.1882:                Umklassifizierung als „Fort IIIa“

Folgen der Brisanzmunitionskrise Mitte der 1880er Jahre:
03.04.1888 - 30.07.1889: Bau zweier permanenten Anschlussbatterien für je 4 Geschütze mit Munitions- und Untertreträumen
26.01.1889 - 25.01.1891: Verstärkung des Forts. Alle Hohlbauten mit Ausnahme des  Kriegspulvermagazins, der Saillant- sowie der beiden 
                                   Schulterkaponnieren wurden mit einer Zwischenschicht aus Granit-Zementbeton auf Sandpolster in einer Gesamtdicke bis zu 
                                   2,20m überdeckt. Das Konzept sah die Unterbringung der schweren Munition für die Anschlussbatterien in der Kehlkaserne, 
                                   der Munition für die Infanteriebesatzung im Saillantkasemattenkorps vor.
1890:                          Verbesserung der Sturmfreiheit durch Hindernisgitter auf der Kontereskarpe vor der Saillant- und den Schulterkaponnieren 
                                   und im Kehlgraben am Fuß der Kehlkontereskarpe
1893                           Einbau zweier Beobachtungsstände (splittersicherer Wachtturm 90 der Fa. Gruson) in den Schultern

Wachtturm 90 im Fort Prinz Karl:



01.07.1895 – 01.11.1895: Einbau von elektrischen und mechanischen Alarmierungseinrichtungen
1895/96:                     Umbau der Anschlussbatterien in eng traversierte Batterien (jedes einzelne Geschütz zwischen 2 Traversen)

Im ersten Weltkrieg diente das Fort als Kriegsgefangenenlager für Mannschaften und Offiziere, im zweiten Weltkrieg zur Herstellung und Lagerung von Muniton.
Im Frühjahr 1946 wurde das Fort durch US-Pioniere gesprengt. Im Anschluss wurde der Panzerturm verschrottet und das Fort als Steinbruch genutzt.

Mein bisher einziger Besuch des Forts IIIa fand im Juli 2004 statt. Da mir damals keine detaillierteren Informationen oder gar Pläne vorlagen und dichte Vegetation die Orientierung im Gelände extrem erschwerte, war nur eine kurze Stippvisite möglich. Hier ein paar Eindrücke: 

Die dicht bewachsene Werksoberfläche:


Hin und wieder ein paar Trümmerreste:


Ein Gewölberest:


Ansicht von innen. Standard-Ziegelsteine 29 x 14 x 7 cm ...


Ein größeres Beton-Trümmerstück:


Das nächste Foto dürfte einen Fenster- oder Türbogen mit vorspringendem Schlussstein zeigen:


Hier im Vergleich dazu eine ähnliche Struktur im Fort Bessoncourt bei Belfort:


Ein größeres Trümmerstück im Graben (wahrscheinlich im Saillantbereich):


Innenansicht:


Bevor ich nun wie angekündigt auf die Hohltraversen eingehe, ist es notwendig, sich mit der obligatorischen Reliefaufnahme des Forts zu befassen:


Da die Einbettung der Reliefkarte aktuell instabil ist, hier sicherheitshalber auch der direkte Link zur Seite.

Man kann deutlich das Ausmaß der Zerstörungen von 1945 erkennen, allerdings auch einige (halbwegs) intakt gebliebene Elemente. Dort, wo laut Werksplan die Hohltraversen 36, 33 und 32 (von links nach rechts) waren, sind deutlich rechteckige Strukturen zu sehen.

Hier ein vereinfachter Werksplan, in dem die sichtbaren rechteckigen Strukturen nummeriert sind:


1 = Traverse 36
2 = Traverse 33
3 = Traverse 32

Ein Bericht vom 14.04.1889 erwähnt, die Hohltraversen auf Flanken und Facen seien durch Splitterwehren ersetzt worden; das Reliefbild deutet allerdings eher darauf hin, dass sie verstärkt und die Infanteriefeuerlinie um sie herumgeführt wurde. Das folgende Luftbild von Google Maps scheint an der Stelle der Traverse 32 auf eine bauliche Struktur hinzuweisen:


Die Traverse über der Saillantkaserne (Nr. 34) wurde ziemlich sicher vergrößert und verstärkt, ist aber komplett zerstört. Auch von der Hohltraverse 35 (links daneben) ist nichts mehr übrig.

Aus all dem ergibt sich ein Erkundungsbedarf für eine weitere Exkursion zum Fort IIIa. Zunächst wäre die Frage zu klären, ob die Hohltraversen 36 und 32 verstärkt wurden oder tatsächlich abgerissen und durch Splitterschutzbänke ersetzt wurden. 

Hier die Grundrisse der ursprünglichen Hohltraversen:



Das Gebilde an der Stelle der Hohltraverse 33 ist zwar im Relief an einer Ecke zerstört, aber trotzdem erheblich interessanter, weil sich darunter das Ladesystem des Forts befand, das über eine Treppe mit der Traverse in Verbindung stand:


Sollte die Hohltraverse wirklich noch signifikant erhalten sein, wäre es durchaus möglich, dass auch vom Ladesystem zumindest noch Teile erhalten sind. Ich glaube zwar nicht, dass dieser Bereich zugänglich ist, würde mir das aber gerne vor Ort näher ansehen.

Letzter Agendapunkt für eine kommende Exkursion zum Fort IIIa: Beide Anschlussbatterien sind zwar überbaut, es fällt allerdings auf, dass das Areal, wo der Untertretraum der rechten Anschlussbatterie gewesen sein muss, nicht bebaut ist. Es wäre zu prüfen, ob sich dort noch erkennbare Reste finden.

Jetzt müsste nur noch das Corona-Virus besiegt werden ...

Sonntag, 23. Februar 2020

Fotoinventar Fort de Tavannes


Vorgestern habe ich auf eBay Luftbild Nr. 48 und Nr. 49 des Forts de Tavannes ersteigert, beide aus der Zeit vor der Schlacht von Verdun. Mein Fundus umfasst damit 3 Aufnahmen von vor dem 21.02.1916, 27 Aufnahmen von während der Schlacht von Verdun (21.02.16 – 19.12.16), 7 Aufnahmen von 1917 / 1918 und 12 Aufnahmen unbekannten Datums. Letztere hoffe ich durch Vergleiche mit den datierten Aufnahmen chronologisch wenigstens grob einordnen zu können, dazu bin ich noch nicht gekommen. Mindestens zwei der Aufnahmen unbekannten Datums dürften ziemlich sicher aus der Zeit von vor dem 21.02.16 stammen.

Außer den Luftbildern sind mittlerweile 19 Fotos vom Fortinneren aus der Zeit des 1. Weltkriegs zusammengekommen sowie 36 Postkarten, die das Fort zeigen. Es sind einige Doubletten darunter, die ich noch aussortieren muss.
Ein besonderes Foto stammt aus der Zeit des 2. Weltkriegs und zeigt eine Gruppe Wehrmachtssoldaten beim Verlassen des Forts.

Alle bisher geschilderten Aufnahmen sind Papierabzüge; es kommen noch 20 Stereoskopien auf Glas dazu.

Zur Umgebung des Forts habe ich bisher:
4 Luftbilder
10 Fotos
20 Postkarten (auch hier Doubletten inklusive)
10 Glas-Stereoskopien

Ich werde nur in Ausnahmefällen etwas aus diesem Fundus hier veröffentlichen. Einerseits habe ich in der Vergangenheit schon genug Scherereien mit Seiten gehabt, die sich frech meiner Abbildungen bedient haben, ohne zumindest auf meine Seite zu referenzieren. Andererseits ist mein Plan, ein Buch über das Fort de Tavannes zu veröffentlichen, noch nicht vom Tisch, auch wenn das ziemlich wahrscheinlich erst nach meiner Verrentung passieren wird. Ich habe vor, viele der beschriebenen Fotos in das Buch aufzunehmen.




Montag, 23. Dezember 2019

Das Werk Nr. 234 des Festungsgürtels Ingolstadt (Zwischenwerk Nr. 6 "Station Manching")

Das letzte Ziel meines Ingolstadt-Besuchs im Dezember 2019 war das Werk 234 des äußeren Fortgürtels, auch Zwischenwerk Nr. 6 „Station Manching“ genannt. Auch dieses Werk wurde nach Ende des zweiten Weltkriegs von den Amerikanern gesprengt.

Die Bodenrelief-Darstellung des Bayerischen Geoportals zeigt das Ausmaß der Zerstörungen und lässt gleichzeitig auf ein Gewirr von sichtbaren Resten schließen:


Viele Informationen über das Werk konnte ich bei meinen Vorbereitungen nicht finden, lediglich den Erbauungszeitraum 1895 – 1897 und einen Hinweis darauf, dass nur die Kehlkaserne gebaut und der Rest nie fertiggestellt wurde.

Der Werksplan sieht daher ein wenig wie ein besonders groß geratener Untertretraum aus:


Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie es fertig ausgebaut hätte aussehen können, bietet sich ein Vergleich mit dem ungefähr genauso großen Werk Nr. 192 (Zwischenwerk Nr. 9 „Rosenschwaig“) an:


Gegenüber Rosenschwaig ist die Kehlkaserne kleiner; was komplett fehlt, ist die Wall-Infrastruktur (Geschützbettungen, Schutzräume etc.).

Und so sieht die Kehlkaserne heute aus – ein Trümmerhaufen. Wüsste man nicht, dass das Werk erst vor 74 Jahren gesprengt wurde, könnte man meinen, sich an der ehemaligen Westfront des ersten Weltkriegs zu befinden:




An manchen Stellen gibt es Anzeichen für Hohlräume:


Am eindrucksvollsten ist sicher die Nordwestecke, wo ein Teil der Ziegelfassade die Sprengung überstanden hat; dahinter ist das Kopfende eines Gangs mit Ziegelgewölbe zu sehen:







Ein kleines Detail der Reliefkarte wird Gegenstand eines weiteren Besuchs sein: An der Südwestecke des nassen Grabens ist eine von einem Graben umgebene „Ausstülpung“ zu sehen, die auch im Werksplan erkennbar ist. Da ich keinen Ausschnitt der Reliefkarte mit entsprechender Markierung einstellen darf, habe ich die markantesten Strukturen in eine Skizze übertragen:


Das Zwischenwerk Rosenschwaig hat an dieser Stelle eine Anschlussbatterie, aber dafür ist die Ausstülpung zu klein. Im französischen Fort de Jouy-sous-les-Côtes nordwestlich von Toul gibt es eine ähnliche Struktur, ebenfalls jenseits des Grabens gelegen, bei der es sich um ein vorgelagertes Infanteriewerk handelt. Um dort hin zu gelangen, musste man das Fort durch eine Ausfallpforte neben der Nordcaponnière verlassen, den trockenen Graben durchqueren und eine Treppe an der Gegenböschung hochsteigen. Übertragen auf das Zwischenwerk Nr. 6 würde man vermutlich eine Brücke über den nassen Graben erwarten. In der Skizze habe ich eine weitere auffällige Stelle markiert; es wird zu prüfen sein, ob dort ebenfalls eine Ausfallpforte vorgesehen war.

Samstag, 21. Dezember 2019

Das Werk Nr. 99 des Festungsgürtels Ingolstadt (Pulvermagazin Minucci)


Um wenigstens einen vagen Eindruck davon zu bekommen, wie die Kreuzblockhäuser der Festung Ingolstadt ausgesehen haben, bietet sich ein Besuch des ehemaligen Werks Nr. 99 (Pulvermagazin Minucci) im Nordosten Ingolstadts an.
Das Werk ist älter als das Friedenspulvermagazin Obehaunstadt; es wurde bereits 1835 – 1837 zusammen mit dem Werk 101 (Pulvermagazin Habermann) im Nordwesten als eins der ersten Vorwerke errichtet.
Den Erdwall erhielt das Kreuzblockhaus erst 1867.

Der nachfolgende Plan soll erhebt keinen Anspruch auf 100%ige Korrektheit, dürfte aber zumindest das Prinzip einigermaßen zutreffend verdeutlichen:


Seit der Errichtung des äußeren Festungsgürtels nach dem Krieg von 1870/71 wurde Minucci nicht mehr militärisch genutzt, und gegen Ende der 1960er Jahre musste es größtenteils einem Wohngebiet weichen. Ungefähr zwei Drittel des Kreuzblockhauses wurden abgerissen, der Erdwall eingeebnet.
Das Ergebnis ist ein trauriger Rest:


Hier eine Projektion des Werks auf das heutige Stadtbild (Quelle: Google Maps):


Der Rest des Kreuzblockhauses:




Das Innere ist leider nicht zugänglich.

Auf der Seite des Fördervereins Bayerisch Landesfestung Ingolstadt gibt es ein Bild des verschwundenen Kreuzblockhauses Habermann, das einen guten Eindruck davon vermittelt, wie auch Minucci einmal ausgesehen haben muss. Auf das Friedenspulvermagazin Oberhaunstadt lässt sich dieser Anblick nur begrenzt übertragen, da das dortige Kreuzblockhaus deutlich kleiner war und die Gebäudeflügel nicht halbrund ausgeführt waren, sondern rechteckig.