Sonntag, 23. Juni 2024

Neues von Fort George

Bereits in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg diente der Moray Firth als Stützpunkt für Schiffe der Royal Navy. Da er aber für große Kriegsschiffe zu seicht war, konnte er nur von kleinen Schiffen angelaufen werden; Hauptstützpunkt vor allem für größere Schiffe war der benachbarte Cromarty Firth.

Wenig bekannt ist, dass der Moray Firth im 1. Weltkrieg hauptsächlich von der „Mine Squadron One“ der US Navy genutzt wurde. Ab 1918 verlegte diese Einheit ein 320 x 50 km großes Minenfeld mit über 70.000 Minen („Northern Barrage“) zwischen den Orkney Inseln und Norwegen, um deutschen U-Boote daran zu hindern, in den Atlantik vorzudringen, und außerdem zu verhindern, dass Nahrungsmittel und Kriegsmaterial auf dem Seeweg nach Deutschland gelangen konnten. Die Stützpunkte der Mine Squadron One waren Inverness am Moray Firth (US Naval Base 18) und Invergordon am Cromarty Firth (US Naval Base 17). Kuriosum am Rande: In beiden Fällen wurden Whisky-Destillerien zu Navy-Stützpunkten umgewandelt, die Glenalbyn Distillery in Inverness und die Dalmore Distillery in Alness bei Invergordon.

Dass der Cromarty Firth bestens durch Küstenbatterien geschützt war, ist bekannt; über die North- und South-Sutor-Battery hatte ich bereits berichtet [Link].

Wie die im Moray Firth ankernden Schiffe geschützt und der Schiffsverkehr in den Firth hinein kontrolliert wurde, darüber ist wenig bekannt. Für meinen diesjährigen Schottland-Aufenthalt hatte ich mir vorgenommen, mehr dazu herauszufinden.

In der Vorbereitung war ich bereits auf eine 15-Pfünder-Batterie auf dem Chanonry Ness und eine Suchscheinwerfer-Batterie am Chanonry Point gestoßen. Der Chanonry Ness ist eine Landzunge, die gegenüber von Fort George in den Moray Firth hineinragt:

(© Open Street Maps Mitwirkende)

Fort George von Chanonry Ness aus gesehen:

Chanonry Ness von Fort George aus gesehen:

Über die militärischen Einrichtungen auf Chanonry Ness werde ich in einem späteren Post berichten.

Viel prädestinierter für eine Küstenbatterie wäre allerdings Fort George gewesen, eine Festung, die bereits im 18. Jahrhundert errichtet und seither ununterbrochen militärisch genutzt wurde.

So stattete ich 13 Jahre nach meiner letzten Besichtigung Fort George einen erneuten Besuch ab in der Hoffnung, Anhaltspunkte für eine dort installierte Küstenbatterie im 1. Weltkrieg zu finden. Ich hätte mir gerne auch die Küste nordöstlich des Forts angesehen, die jedoch nicht zugänglich ist, da das Hinterland für die im Fort stationierten Streitkräfte als Standortübungsplatz dient.

Da der Moray Firth wie bereits erwähnt für große Schiffe zu seicht ist, hätte ich eine Batterie von 6- oder 12-Pfünder Schnellfeuergeschützen an der Westspitze von Fort George erwartet, die die Einfahrt in den Firth beispielsweise vor feindlichen Torpedobooten hätte schützen können. Heute findet sich in der Spitzenbatterie wie bereits berichtet ein RML 64-Pounder 64 cwt Gun Mark II Vorderlader-Schwenklafettengeschütz im Kaliber 160mm, das mit Sicherheit im 1. Weltkrieg nicht eingesetzt wurde. Gleiches gilt für die benachbarten 12- und 18-Pfünder-Vorderladerkanonen, die nebenbei Repliken aus den 1990er Jahren sind:



Sollte es hier im 1. Weltkrieg eine Batterie von Schnellfeuergeschützen gegeben haben, ist davon auf jeden Fall nichts mehr zu sehen; auch in der Literatur fand ich bisher keinerlei Hinweise.

Es könnten natürlich mobile Geschütze wie z.B. QF 12-Pounder 8 CWT Field Guns eingesetzt worden sein (siehe auch Ru Con Battery); dann wäre ein Literaturhinweis sowieso der einzig mögliche Nachweis:

(Quelle: Wikipedia)

Auch wenn mir der Besuch in Bezug auf eine mögliche Küstenbatterie im 1. Weltkrieg keine neuen Erkenntnisse brachte, so bot er mir wenigstens die Gelegenheit, eine Einrichtung zu erkunden, die 2011 nicht zugänglich war:

Unter der Spitzenbatterie befinden sich ein kleines Pulvermagazin und zwei Doppelkasematten für 32-Pfünder-Vorderladerkanonen, mit denen im 18. Jahrhundert die Zufahrt zum Moray Firth gesichert werden sollte. In einem Plan von 1754 von Generalleutnant William Skinner, dem königlichen Militäringenieur für Nord-Großbritannien, sieht dieser Trakt wie folgt aus:

Legende:

  1. Prince Frederick William Halb-Bastion
  2. Duke of Marlborough Halb-Bastion
  3. Geschütz-Doppelkasematten
  4. Pulverkammer

Zwar war im Mai nur die linke Geschütz-Doppelkasematte geöffnet, sie hatte aber einiges Interessantes zu bieten.

Der gesamte Trakt ist durch eine Mauer vom Rest des Festungshofs abgetrennt. Hinter der Mauer befindet sich ein kleines Gebäude mit sechseckigem Grundriss, dessen Verwendungszweck mir im Moment noch unklar ist. In den Plänen Skinners ist es nicht enthalten, sondern taucht erst in einem Plan von Sir Charles Shipley aus dem Jahr 1787 auf.

Hier ein paar Fotos des Ensembles:



Was sofort auffällt: Die Eingänge der Doppelkasematten entsprechen nicht dem Skinner’schen Plan. Sie sind zum Hof hin nicht offen, sondern abgemauert und mit einer Tür und einigen schartenähnlichen Öffnungen versehen.

Auch im Inneren sieht man Unterschiede. Die beiden Kasemattenhälften sind durch eine Mauer voneinander abgetrennt; die Geschützscharten zum Meer hin sind verschlossen.

Hinweis am Rande: Zur Zeit meines Besuchs beherbergten die Räume eine Ausstellung namens „In the Land, of the People“ über Landschaft und Folklore Schottlands. Die großen Schautafeln der Ausstellung ließen es leider nicht zu, die Räume in Gänze zu fotografieren.

Die linke und rechte Hälfte der südlichen Doppelkasematte:


Deutlich zu erkennen ist die Ziegelmauer zwischen beiden Räumen.

Die beiden verschlossenen Scharten:


Im Skinner’schen Plan habe ich die Abmauerungen, die ich vorfand, rot eingezeichnet. Ich vermute, dass es in der nördlichen Doppelkasematte die gleichen Abmauerungen gibt; sie sind grün eingezeichnet.

Es gibt einige Hinweise darauf, warum die Kasemattenhälften getrennt und ihre Scharten verschlossen wurden. Offenbar wurden die Kasematten so in Pulvermagazine umgewandelt, vermutlich im 19. Jahrhundert.

Wichtigstes Indiz dafür ist die Beschriftung einer der beiden Türen:

„1000 Barrels“ dürfte die Kapazität des Magazins an Pulverfässern sein.

Die schartenähnlichen Schlitze neben und über der Tür dürften der Belüftung gedient haben:

Wer dieses Foto mit denen der Außenseite vergleicht, stellt fest, dass immer zwei Scharten auf der Innenseite in eine auf der Außenseite münden:

Lichtöffnungen oder Schießscharten würden gerade durch die Mauer führen.

Das nächste Indiz sind die Regale. Ich bin nicht sicher, ob es sich um Überreste der Originalregale handelt oder eine begonnene Rekonstruktion:

Was aber Original sein dürfte, sind die verwendeten Kupferhaken, mit denen die Regale an der Wand befestigt sind:

In Pulverkammern durften aus Explosionsschutzgründen ausschließlich nicht-funkenschlagende Metalle wie z.B. Kupfer oder Legierungen wie z.B. Bronze verwendet werden. Holzfußböden dienten dazu, Funkenschlag der genagelten Militärstiefel auf Stein zu vermeiden; in einer gedeckten Artilleriekasematte für 32-Pfünder würde man keinen Holzfußboden erwarten:

Ohne einen schriftlichen Beleg dafür zu haben, würde ich den Umbauzeitpunkt auf die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts schätzen. Ein oberirdisches Pulvermagazin wie das von Skinner in der Prince William Henry Bastion errichtete entsprach damals nicht mehr dem State-of-the-Art, Pulvermagazine unterirdisch und überdeckt zu bauen. Möglicherweise sah man die einfachste Abhilfe darin, die 32-Pfünder-Kasematten umzubauen und einer neuen Verwendung zuzuführen.

Abschließend noch drei Aufnahmen des Skinner’schen Pulvermagazins zwischen den beiden ehemaligen Geschützkasematten, leider nur von außen:

Plakette über der Eingangstür mit der Jahreszahl 1757:

Öffnung des Belüftungsgangs nach außern:

Hier geht es zum ursprünglichen Blogbeitrag zu Fort George.

Dienstag, 18. Juni 2024

Und noch ein Update zu den Tyne Turrets

Bei einem kürzlichen Besuch in Tynemouth ergab sich die Gelegenheit, dem Feuerleitstand der Tyne Turrets (Percy Gardens 47a) einen kurzen Besuch abzustatten:

Das „For Sale“ Schild sprang mir natürlich sofort ins Auge. Wieder zuhause, recherchierte ich ein wenig und fand online das entsprechende Immobilienangebot. Der Verkauf scheint kurz vor dem Abschluss zu stehen; das Mindestgebot betrug 500.000 britischen Pfund. Wem das für ein derart „spezielles“ Gebäude viel vorkommt, der sei darauf hingewiesen, dass die üblichen Immobilien in Percy Gardens in der Regel nicht für unter 600.000 Pfund zu haben sind.

Der Turm besteht aus Stahlbeton, die Gesamt-Wohnfläche der 7 Etagen beträgt 142,8 m2. Die oberen 4 Stockwerke sind mit großen Panoramafenster-Fronten versehen. Sie haben alle einen ähnlichen Aufbau:

Die Aussicht speziell von den Etagen 6 und 7 dürfte spektakulär sein:

Auf dem obersten Stockwerk war ursprünglich ein Geschütz positioniert, vermutlich ein 37mm- oder 2-Pounder Quick Fire Flugabwehrgeschütz ("Pom-Pom"). Für ein größeres Kaliber dürfte die Freifläche zu klein sein.

Die Panoramafenster-Front der Beobachtungswarte („Observatory“) ist deutlich größer als in den 3 Etagen darunter, was eine exzellente Rundsicht ermöglicht. Hier dürfte der Schnittbildentfernungsmesser gestanden haben:

Was sofort auffällt: Es gibt keine Treppe hinauf in die 7. Etage, stattdessen eine rechteckige Öffnung mit einer hölzernen Leiter, die vom 6. Stockwerk hinauf und über eine Dachklappe bis aufs Dach führt.

Es ist sehr schade, dass ich zu spät gemerkt habe, dass der Turm zu verkaufen ist, sonst hätte ich einen Besichtigungstermin vereinbart.

Mehr zu den Tyne Turrets:

Dienstag, 21. Mai 2024

The WWI Batteries on North and South Sutor / Cromarty Firth

This is once again a blog post in English, so that those who are supposed to understand it can really understand it.

The highlight of my holiday in Scotland this year was to be a visit to the coastal batteries of North and South Sutor on Cromarty Firth. I had carefully prepared this visit, obtained plans of all the sites and found out the GPS coordinates of the main elements.

The first disillusion came when I studied the ferry connection from Cromarty to Nigg. If you want to get from the Black Isle to North Sutor Battery, you have to use this ferry; the distance between Cromarty and the battery is just 3.3 kilometres. Unfortunately, the ferry service doesn't start until June - we were there in May. Alternatively, we would have had to circumnavigate the Cromarty Firth by land, which is a 64 kilometres drive from Cromarty! That exceeded the distance we were willing to travel by far. So the North Sutor Battery had to be cancelled.

Today, i.e. on Tuesday 21 May, we decided to at least explore South Sutor. As my fortification focus is on the period between 1848 and 1918, the relics of the Second World War are of little interest to me. However, South Sutor has some very interesting things to offer from the First World War, namely a 9.2-inch gun emplacement (‘No. 1 Gun’) and an emplacement for two 4-inch QF guns (Site no. 3). The latter is said to still have remnants of the original camouflage paint from the time of the First World War. South Sutor is considered to be ‘the most complete surviving coastal battery within Scotland’ and is even classified a Scheduled Monument, making it a very promising place to visit!

Fortunately, the South Sutor Car Park, 200 metres above the 4-inch quick-fire gun emplacement, is well signposted. However, the road there is quite challenging: the numerous potholes are of such depth and extent that they actually require a new term. I was glad to be travelling in an SUV. It’s a pity that it's no longer possible to have a proper road financed by EU funds.

We found the car park almost empty. What immediately caught our eye was this uninviting sign on a gate:

Behind the gate is the main complex of the battery, including the 9.2-inch gun emplacement. The entire area is carefully fenced off with barbed wire, so someone explicitly does not want anyone interested in fortifications to visit the site:

In my view, this is blatantly contrary to the nature of a Scheduled Monument; if the site is of such a significance, why is the public excluded? To my opinion that's a real shame!

Next we walked along the ‘100 Steps’ footpath, which runs parallel to the coastline to the eastern outskirts of Cromarty:


The plans of the 4-inch gun emplacement show that there must have been a staircase from the current car park down to the searchlight positions at the foot of the steep slope. In practice, however, there was no sign of this. We walked along the footpath until we were too far south-west of the gun emplacements. On our right there were only steep slopes and thickets, but no way down. Canmore writes: ‘The 4-inch QF battery ... is located at the base of South Sutor on steeply sloping terrain.’ It must therefore be somewhere between the hiking trail and the sea, but cannot be seen or reached from the trail. Climbing down cross-country in unknown terrain would be life-threatening:


To sum up: this part of the Scheduled Monument is also de facto inaccessible and cannot even be seen from a short distance (we are talking about just 120 metres).

Canmore, the Highland Historic Environment Record (HER) database, the Ross and Cromarty Heritage site, the Ancient Monuments UK database, they all report on the South Sutor Battery, but nowhere even a hint that no element of this battery is accessible. I've said it before and I say it again: That is a shame! I don't have the slightest sympathy for it. 

Dear Scots: If you don't want people to visit your places of interest, it's best not to mention them at all!

To make the most of a wasted afternoon, I photographed the four 4-inch quick-firing (QF) gun emplacements (Site No. 2) from the South Sutor Car Park with a telephoto:



Some elements from the Second World War can also be clearly recognised:







Dienstag, 26. März 2024

Und doch nochmal: Batterie St. Peter

Obwohl ich meine Aktivitäten in Bezug auf die Batterie St. Peter eingestellt habe, bin ich aus einer völlig unerwarteten Richtung kürzlich doch noch auf interessantes Material gestoßen.
Ich war auf der Suche nach möglichst alten Luftaufnahmen der Ru Con Battery in Schottland und nutzte dazu den Fundus der Schottischen NCAP (National Collection of Aerial Photography). Die NCAP mit Sitz in Edinburgh ist laut eigener Aussage eine der größten Luftbildsammlungen der Welt und enthält mehrere Millionen Luftbilder, die historische Ereignisse und Orte auf der ganzen Welt zeigen. 
Mehr durch Zufall fand ich heraus, dass diese Sammlung auch Aufnahmen von Deutschland aus dem 2. Weltkrieg enthält, und siehe da: Es gibt sogar ein Bild des mutmaßlichen Areals der Batterie St. Peter.
Solche Bilder zu finden und zu bekommen ist leider nicht ganz einfach. Es sind zwar einige Digitalisate online verfügbar, allerdings nur in geringer Auflösung, und zumindest die für meine Forschung interessanten Aufnahmen waren noch nicht digitalisiert worden. Um im nicht-digitalisierten Fundus zu suchen benötigt man eine kostenpflichtige Recherchelizenz. Ohne diese Lizenz ist es ziemlich aussichtslos, etwas zu finden. Mit Lizenz erhält man Zugriff auf Recherchetools, die einem recht schnell weiterhelfen, und so stieß ich schnell auf das erwähnte Luftbild. Nun kam der zweite Haken: Die NCAP lässt sich die Digitalisierung extrem teuer vergüten. Das Luftbild von St. Peter Ording schlug mit einem recht hohen zweistelligen Eurobetrag zu Buche! Für diesen stolzen Betrag bekam ich das Luftbild in einer Auflösung von 1200 dpi, was eine TIF-Datei von knapp 49GB ergab. Die Aufnahme ist im Original ca. 15x15cm groß, wovon ein Ausschnitt von ca. 7,7x7,5cm Größe für meine Recherche verwertbar ist; eine solche Auflösung ist also einfach ein Muss.
Wer sich nun darauf freut, das Luftbild in diesem Blogpost zu sehen, den muss ich leider enttäuschen. Die NCAP hat eine extrem strenge Lizenzpolitik, die jegliche Art der Weitergabe oder Veröffentlichung kostenpflichtig macht, selbst wenn es in einem Blog wie diesem ist: Würde ich das Bild in einer Größe von 800x600 Pixeln hier veröffentlichen, hätte ich einen jährlichen zweistelligen Obulus zu entrichten! Ich mache ja viel mit, aber das geht dann doch zu weit. Es galt also, eine Ersatzlösung zu finden, und ich ging den aufwändigen Weg, die wesentlichen Elemente, die man erkennen kann, abzupausen und der Orientierung halber zu kolorieren. Das ist das Ergebnis:


















Das Luftbild wurde am 29.11.1940 kurz nach 10 Uhr von einem Flugzeug der Royal Air Force aus einer Höhe von 20-26.000 Fuß gemacht. Was die Skizze leider nicht wiedergibt, ist die perspektivische Verzerrung der Aufnahme. Das Flugzeug muss sich im Moment der Aufnahme ungefähr bei 54°19'16.3"N / 8°37'10.9"E befunden haben. Mit Hilfe der Suchtools des NCAP konnte ich die Flugroute rekonstruieren; hier die Aufnahmen, die beim Überfliegen des Westteils von Eiderstedt gemacht wurden:


Die Nummern sind quasi die NCAP-"Bestellnummern". Man sieht deutlich, dass sich die Maschine in einer Rechtskurve in Richtung Nordosten befand. Aufnahme 32 - das ist die, um die es hier geht - wurde also aus einem schräg fliegenden Flugzeug gemacht, daher die perspektivische Verzerrung.

Das abgebildete Gebiet sah 1940 völlig anders aus als heute. Die Besiedlung war eher spärlich, die Gegend war geprägt von Agrarflächen, Dünen und Vegetationsbereichen. Zusammen mit der perspektivischen Verzerrung der Aufnahme macht das eine exakte Lokalisierung sehr schwer.

Was kann man nun auf dem Luftbild erkennen? Es fallen 4 rechteckige bis quadratische Strukturen auf, die in nahezu gleichem Abstand beinahe auf gerader Linie liegen. Im Original ist leider nur eine davon wirklich klar zu erkennen, auf der Skizze Nr. 3. Man sieht ein scharfkantiges Quadrat auf einer ebenfalls quadratischen Fläche; es handelt sich ziemlich sicher um eine der Geschützplattformen der Batterie St. Peter. Nummer 1 ist weniger deutlich, lässt sich aber ebenfalls als Quadrat-in-einem-Quadrat interpretieren. Nummer 2 und Nummer 4 sind sehr undeutlich, es könnte sich um  fotografische Artefakte handeln.
Wenn man davon ausgeht, dass nur die Nummern 1 und 3 substanziell sind, würden sie den Geschützbettungen 1 und 5 der Batterie entsprechen:


Nr. 2, 3, 4 und 6 sind auf dem Luftbild unter der Vegetation nicht erkennbar, sofern sie 1940 überhaupt noch vorhanden waren. Nr. 7 und 8 dürften lange vor 1940 entfernt worden sein, um das Areal landwirtschaftlich nutzen zu können.
Übertragen auf heutige Verhältnisse bedeutet das Folgendes für die Batterie: Bettung Nr. 1 ist die mutmaßliche Bettung im Wäldchen westlich der Utholm-Sporthalle, über die ich bereits berichtet hatte. Nr. 2, 3 und 4 dürften der Bebauung beidseits des in Nordostrichtung verlaufenden Arms des Fasanenwegs zum Opfer gefallen sein. Nr. 5 lag irgendwo auf dem heutigen Fußweg zwischen Gorch-Fock-Weg und Fasanenweg. Die Nummern 6 bis 8 befanden sich irgendwo unter den Häusern am Gorch-Fock-Weg. Insgesamt hätte die Batterie dann deutlich nordwestlicher der Position gelegen, die ich bisher vermutet hatte.



Obwohl diese Hypothese plausibel ist, bleibt sie dennoch - eine Hypothese. Solange es keine Möglichkeit gibt, die mutmaßliche Geschützplattform 1 freizulegen, und solange keine älteren Luftbilder auftauchen, wird es unmöglich sein, sie zu belegen. Wer weiß: Vielleicht spielt mir der Zufall ja irgendwann mal eine passende Karte zu. Ich werde dann berichten.

Dienstag, 20. Februar 2024

Nachtrag zur Schanze II

Kürzlich konnte ich antiquarisch einen Holzstich mit dem Titel „Demolirung der Schanze von Dannewirke“ erstehen. Der charakteristische Obelisk links im Bild weist diese Schanze als Schanze II (Busdorfer Schanze) aus:


Wie ich herausfand, stammt der Holzstich aus dem Buch „Schleswig-Holstein Meerumschlungen“ von Graf Adelbert Baudissin (1865). Die dargestellte Szene bezieht sich auf Ereignisse an den Tagen nach dem 6. Februar 1864; Zitat:

Eine interessante Zeit trat für die Bürger Schleswigs ein, als der österreichische Kommandant die Zerstörung des Dannewirkes befahl und den Bürgern eine Schanze zur eigenhändigen Demolirung übergab. 
… trotz alledem und alledem zogen aber die Schleswiger Bürger mit einem österreichischen Musikkorps an der Spitze nach der Bustorfer Schanze und warfen sie unter Jubel und Scherzen nieder.
Sie gaben sich kaum die Mühe, die wirklich ausgezeichnete Sachkenntniß zu bewundern , mit welcher das Werk angelegt war, sondern arbeiteten mit einem Eifer an der Zerstörung, der komisch gewesen wäre, wenn er nicht aus einer edlen Triebfeder entsprossen wäre .
Nach einigen wenigen Tagen waren sämmtliche Schanzen der Erde gleich gemacht, und von dem ganzen stolzen Dannewirke war nichts übrig geblieben, als ein ganzer Artilleriepark und eine unendliche Menge von Munition und Palissaden, die später an die Eisenbahn verkauft wurden und jetzt als Schwellen für die Schienen Verwendung finden.

Eine Untersuchung des Bildes ergab, dass tatsächlich Zivilisten mit dem Abriss der Schanze beschäftigt sind; die beiden Fahnen dürften dem Österreichischen Musikkorps zuzuordnen sein – genau erkennen kann man sie leider nicht. Die Schleswiger Bürger haben wie im Text beschrieben ganze Arbeit geleistet, wie das Bodenrelief zeigt:


Zur Orientierung hier mit dem Schanzengrundriss als Overlay:


Von der Schanze ist leider wirklich überhaupt nichts mehr übrig.



Die Schanze XII der Danewerkstellung

Im Post über die Schanze XIV hatte ich auch Schanze XII kurz erwähnt; sie wies im Gegensatz zu den meisten anderen Danewerk-Schanzen ein Blockhaus auf.

Als ich den Verlauf der Danewerkstellung im Bodenrelief nachverfolgte, stellte ich fest, dass sie  von allen Schanzen noch am besten erhalten zu sein scheint, von der rekonstruierten Schanze XIV einmal abgesehen. Aus diesem Grund ist sie mir einen eigenen Blogpost wert.

Zur Orientierung hier noch einmal die Karte der Danewerkstellung:

© OpenStreetMap-Mitwirkende; verfügbar unter der Lizenz Open Database

Auf einer zeitgenössischen Karte habe ich diese Darstellung gefunden; der Straßenverlauf hat sich seither nicht wesentlich geändert:

Die Schanze liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Dannewerk im Eck zwischen den Straßen Butterberg und Dorfstraße, Koordinaten 54°28'58.0"N, 9°30'57.1"E.

Das Bodenrelief zeigt, dass die Wälle offenbar nur bis auf Niveau des Innenhofs abgetragen wurden:



Leider ist über die Schanze nur wenig bekannt; so konnte ich noch keine Angaben über die Geschützausstattung finden. Das einzige Foto des Schanzeninneren zeigt in Übereinstimmung mit dem Stich aus der Britischen Zeitung „The Illustrated London News“ eine Mischung aus Positions- und Feldgeschützen unbekannten Kalibers:


Im historischen Zeichnungsarchiv des Dänischen Ingenieurskorps (Ingeniørkorpset) habe ich folgenden Plan gefunden:

Die Schanze hatte also folgenden Grundriss (eingenordet):


Hier mit Legende:


Legende
  1. Blockhaus
  2. Geschützplattformen für bis zu 11 Geschütze
  3. Splitterschutzbänke
  4. Zugang

Die Geschützplattformen sind durch ein Infanteriebankett verbunden.

Das Blockhaus war keine spektakuläre Konstruktion. Es bestand aus Holz ohne Stein- oder Betonelemente und war mit Erde überdeckt. Die  „Sammlung von Feldkonstruktionen“ (Samling af Feltconstruktioner) des Dänischen Kriegsministeriums von 1861 enthält folgende Blockhaus-Prinzipskizze:

Das Innere eines Blockhauses zeigt der folgende Holzschnitt aus der illustrierten Wochenzeitschrift „Illustreret Tidende“ vom 13. Oktober 1861:

Abschließend eine Montage mit dem Schanzenplan als Overlay über dem heutigen Bodenrelief:



Ein Besuch ist für meinen nächsten Urlaub in Nordfriesland schon vorgemerkt.