Samstag, 30. Mai 2026

Neues von der Kyle of Lochalsh Battery

Auch dieses Jahr hatte ich die Gelegenheit, der Kyle of Lochalsh Battery einen kurzen Besuch abzustatten. Ziel war es, das Ziegelgebäude näher in Augenschein zu nehmen und die Lokalisierung der Batterie zu präzisieren.

Das Ziegelgebäude ist fensterlos und relativ schlicht, ein langgestreckter Bau mit einem Dach aus Beton, soweit ich es von unten interpretieren konnte.

Die einzige Tür befindet sich auf der Rückseite (vom Strand aus gesehen). Sie ist mit Holzlatten verschlossen und außerdem dicht mit Efeu überwuchert. Ich habe versucht, durch die Holzlatten hineinzuspähen, aber es war nichts zu erkennen:

Die einzigen Öffnungen außer der Tür sind kleine rechteckige Lüftungsöffnungen, die ursprünglich mit Lamellen versehen waren:



Auf der Uferseite sind zwei dieser Öffnungen erkennbar; auf der Rückseite gab es mindestens eine (heute von Efeu überwuchert), wenn nicht noch eine weitere über der Tür.
Insgesamt hat der Bau eine militärische Anmutung; ich musste spontan an das Pumpengebäude in Naast am Loch Ewe denken. Direkt neben dem Bau verläuft die Mauer, die das Grundstück von Kyle House im Osten abgrenzt:

Diese Mauer verhalf mir dann auch, den Erbauungszeitraum des Ziegelbaus abzuschätzen. 
Der Bericht von John A. Guy vom 25.09.1996 („Highland Region – A Survey of the 20th Century Defences“, Seite 52) verortet die Batterie nordöstlich von Kyle House (57.274608 , -5.7414586).
Historic Environment Scotland schreibt zu dem Ziegelbau: „In der Nähe des mutmaßlichen Standorts der Batterie sollen zwei Backsteinhütten stehen. Es ist unklar, ob sie mit der Batterie in Zusammenhang stehen oder auf spätere Aktivitäten an diesem Ort zurückzuführen sind.
Es ist mir bisher leider nicht gelungen, detailliertere Karten aus der Zeit zwischen 1914 und 1945 zu finden. Auf einer Ordnance Survey Karte von 1903 ist unweit der vermuteten Batterieposition nichts zu sehen; auf einer OS-Karte von 1966 sind sogar 3 kleine Gebäude verzeichnet:

Das nordwestliche dürfte das heute noch stehende Gebäude sein; die anderen beiden sind verschwunden.

Durch Zufall bin ich im Fotoarchiv von Am Baile (digitales Archiv für Geschichte und Kultur der schottischen Highlands und Inseln) unter der Nummer 11859 auf ein Foto gestoßen, das den Leuchtturm auf Eilean Ban zeigt und von einem Standort knapp hinter dem heute noch vorhandenen Ziegelgebäude aus aufgenommen wurde:

(Mit freundlicher Genehmigung von Am Baile)

Die Aufnahme entstand in den 1930er oder 1940er Jahren und wurde von Duncan Macpherson gemacht, einem Apotheker aus Kyle of Lochalsh.

Auf dem Foto ist kein Ziegelgebäude zu sehen, was bedeutet, dass es erst nach Aufnahmezeitpunkt errichtet wurde. Ich vermute, es stammt aus der Zeit des 2. Weltkriegs, aber mit Sicherheit nicht aus dem 1. Weltkrieg.

Bei meinem zweiten Ziel, die Batterieposition zu konkretisieren, half mir der Besuch vor Ort nur begrenzt weiter. Ich sah mir die Stelle, wo sie laut dem Guy-Bericht gewesen sein sollte, näher an:


Hier fallen Felsen schräg in Richtung Meer ab. Der untere, unbewachsene Bereich wäre als Batteriestandort völlig ungeeignet; wie der Flutsaum zeigt, würde er bei Flut nicht sehr weit aus dem Wasser herausragen.

Aber auch der höhere, von dichter Vegetation bewachsene Teil wäre ungeeignet. Die Felsen sind extrem zerklüftet; um dort Geschütze zu positionieren, hätte man einen aufwändigen Unterbau aus Holz konstruieren oder einen Betonblock errichten müssen. Die kleinen schottischen Küstenbatterien aus dem 1. Weltkrieg (z.B. Corran Point, Ru Con) hatten eher einen improvisierten Charakter; aufwändige Fundierungsarbeiten würde man nicht annehmen.

Überhaupt wäre die Gegend zwischen Ziegelbau und Felsvorsprung eine schlechte Position, weil eine steilere, noch weiter ins Meer herausragende Felsklippe westlich davon die Schussrichtung der Batterie signifikant einschränken würde. Auf alten Karten heißt diese Felsklippe „Doctor‘s Rock“; heute verläuft über dem westlichen Ausläufer des Doctor‘s Rock die Skye Bridge:

Die Kyleakin Local Historical Society hat eine kurze Abhandlung mit dem Titel „Kyleakin during World War II“ veröffentlicht. Autorin ist Helen MacRae, eine Bewohnerin von Kyleakin, die diese Zeit erlebt hat. Sie schreibt:
Ich kannte jeden Winkel von Kyle House und seinem Gelände. Ich ging immer durch den Küchengarten zum Aussichtspunkt, wo während des Ersten Weltkriegs eine Batterie errichtet worden war, um die in Kyle ein- und auslaufenden Schiffe zu überwachen. Damals waren dort fünfzig Marinesoldaten und ihre Offiziere stationiert und bewohnten Kyle House.

Eine OS-Karte von 1903 zeigt, wovon hier die Rede ist:


Der Küchengarten (= Nutzgarten) lag nördlich von Kyle House (mit 1 markiert). Wiederum nördlich davon ist ein gepunktetes Rechteck nah der Klippe des Doctor’s Rock eingezeichnet (mit 2 markiert]. Bei diesem Rechteck dürfte es sich um die Aussichtsplattform und somit um den Batteriestandort handeln.
Die Seite „Parks and Gardens UK“ gibt folgende Informationen:
Der Gemüsegarten befindet sich nördlich des Hauses.
Ein Aussichtspunkt im Garten ist so angelegt, dass er den Blick auf den Leuchtturm auf der gegenüberliegenden Insel Eilean Bhan und die dahinter liegende Festlandlandschaft einrahmt.

Als Batteriestandort ist dieser Bereich erheblich besser geeignet, zum einen wegen der deutlich höheren Lage und dem ebeneren Grund als auch wegen einer optimalen Schussrichtung. Ungefähre GPS-Position: 57.274528, -5.743418:

Es fällt auf, dass auf der Karte von 1903 nordöstlich des Hauses ein gepunkteter Kreis mit dem Wort „Battery“ versehen ist (mit 3 markiert). Die Karte wurde lange vor dem 1. Weltkrieg gezeichnet; was immer dort als „Batterie“ gekennzeichnet ist, muss also deutlich älter sein, möglicherweise aus napoleonischer Zeit.

Laut dem Guy-Bericht bestand die Batterie des 1. Weltkriegs aus zwei 15-Pfünder Geschützen. Die Besatzung von 50 Mann plus Offizieren, die Helen MacRae erwähnt, wird auch in einer weiteren Abhandlung mit dem Titel „Memories of Kyleakin“ (Autorin Mary MacPherson, 1950) bestätigt:
Gegen Ende des Ersten Weltkriegs war amerikanisches Marinepersonal in Kyle of Lochalsh stationiert. Ein großer Teil des Eisenbahnpiers in Kyle of Lochalsh war abgesperrt, und an dieser Stelle wurden von großen Schiffen Minen entladen. Diese Minen wurden per Zug nach Inverness transportiert, wo sie verladen wurden. In ihrer Freizeit setzten die Amerikaner gewöhnlich nach Kyleakin über. Kyle House, das zu dieser Zeit leer stand, war für sie ein gefundenes Fressen, und sie nahmen alles, was sie in die Finger bekamen, als Andenken mit. Kyleakin wurde bald für amerikanische Marineangehörige gesperrt. Um die in Kyle ankommenden und abfahrenden Schiffe vor U-Booten zu schützen, wurde bei Kyle House eine Batterie errichtet. Dort war eine Kompanie von 50 Marines unter dem Kommando eines Majors und eines Leutnants stationiert.

Diese Mannstärke entspricht in ihrer Größenordnung ungefähr der anderer kleiner Küstenbatterien wie Corran Point oder Ru Con, allerdings nur, wenn man annimmt, dass auch die Kyle of Lochalsh Battery über mindestens zwei Suchscheinwerfer verfügte. Darüber habe ich bisher allerdings keine Angaben gefunden, würde aber annehmen, dass es sie gab.

Hier ist der erste Bericht zur Kyle of Lochalsh Battery.

Dienstag, 14. April 2026

Neue Erkenntnisse zur Kirschbaumbatterie

Vor 5 Jahren hatte ich einen ersten Versuch veröffentlicht, einen Werksplan der Kirschbaumbatterie über ein Luftbild der Gegend zu projizieren.
Mittlerweile habe ich den Plan des Batteriegebäudes samt Beobachter in CAD übertragen, vermessen und die Lage der Batterie präzisiert.

Im Bodenrelief erkennt man zunächst gar nichts:

Die Batterie befand sich hier:

Im Luftbild sieht das so aus:

Dass von der Batterie heute nichts mehr zu sehen ist, erklärt sich aus der Historie.

Sie wurde 1901 - 1902 erbaut und verfügte über vier Geschütztürme für 10,5cm Kanonen (Kz 10cm P.T.). Ihre Reichweite betrug 9,7 Kilometer.

1934 wurde die Batterie instandgesetzt; dabei wurden die Geschütze gegen französische 10,5cm Geschütze ausgetauscht.

Im Juni 1940 feuerte die Batterie über 300 Geschosse ab, bevor sie evakuiert wurde. Unter Deutscher Besatzung wurde sie gesprengt; auf Fotos wie z.B. diesem hier sind die aus den Sockeln gerissenen Geschütztürme zu sehen.

Nach dem Krieg wurde die Batterie vollständig zerstört. Das Gelände diente ab 1968 zunächst als Mülldeponie, bevor es 1990 zu einem Baumpark (Arboretum) umgewandelt wurde.

Übersicht der Blogbeiträge über die Kirschbaumbatterie:

Samstag, 11. April 2026

Nachtrag zur Batterie B am Sulzberg

Im nachfolgenden Bild sind die heutigen Überreste der Batterie über ein Bodenrelief gelegt:

Hier der Gesamtplan nach aktuellem Erkenntnisstand, über das Bodenrelief gelegt:

Im Luftbild sieht das so aus:

Es ist klar zu erkennen, dass die beiden ehemaligen externen Zugänge zu den Stollen verschüttet sind. 

Der Aufwand, den südwestlichen Treppenabgang der linken Geschützstellung freizulegen, wäre insofern vergeblich, als der Gang bereits auf Höhe des ersten Belüftungsschachts (direkt unter oder neben dem nach Süden führenden Fußweg) höchstwahrscheinlich verschüttet ist.

Der ursprüngliche Artikel zur Batterie B ist hier.

Sonntag, 5. April 2026

Und noch ein Update zur Rebbergstellung

Außer dem Plan des Infanterieraums JIII bedurfte auch die Prinzipskizze eines betonierten Schutzraums (Untertretraum; "Unterschlupf in Eisenbeton") aus dem ursprünglichen Beitrag einer Überarbeitung. Hier der aktuelle Erkenntnisstand, übertragen in CAD:

Legende:

  1. Eingang
  2. Klappbank
  3. Feste Sitzbank
  4. Durchschlupf
Es handelt sich um einen 1915 eingeführten und für die Festung Straßburg spezifischen Standardtyp eines Graben-Unterstands aus armiertem Beton in 30cm Wandstärke. Ein solcher "Unterschlupf" - so die offizielle Bezeichnung - war 5,70m lang, 2,10m breit und 2,30m hoch. Er bestand im Inneren aus zwei Räumen, die durch eine ebenfalls 30cm dicke Betonwand getrennt waren. In diese Wand war eine 50x50cm große "Durchkriechöffnung" eingelassen, die durch eine Stahltür verschlossen war. Wurde eine Bunkerhälfte getroffen oder verschüttet, konnte die betroffene Besatzung durch diese Öffnung in den anderen Raum evakuiert werden. Insgesamt fanden auf den 4 Bänken des Unterschlupfs 10 Mann Platz. Dazu kamen zwei Klappbänke, die im Notfall weiteren 6 Mann einen (engen) Sitzplatz boten.
Die Türen bestanden aus einem mit Blech verstärkten Holzkern, boten also allenfalls Schutz gegen Splitter.

Nachfolgend eine Prinzipskizze, wie ein solcher Unterschlupf zwischen zwei Brustwehren eines Grabens der 1. Linie positioniert war:



Freitag, 3. April 2026

Die Batterie B am Sulzberg (Festung Straßburg)

Während meines Straßburg-Besuchs 2025 unternahm ich eine kleine Erkundungstour an den Sulzberg zwischen Dahlenheim und Soultz-les-Bains. Hier wurden zwischen 1915 und 1916 einige bemerkenswerte Verteidigungsstrukturen errichtet, darunter die beiden Batterien B und C1 im Südosten. Ich entdeckte damals Überreste einer Batterie, die ich zunächst für C1 hielt:

Die Position ist auf der nachfokgenden Karte mit einem roten Stern markiert:


Zwischenzeitlich bin ich an detailliertere DGM-Daten der Gegend gekommen (die französische Abkürzung ist MNT = Modèle Numérique de Terrain), und das sogar in einer Auflösung von 50cm!
Damit sieht das Geländerelief der Umgebung der Batterieüberreste so aus:

Man erkennt deutlich, dass die Batterie C1 weiter südwestlich liegt (die beiden grob in Nord-Süd-Richtung angeordneten Geschützstellungen sind schwach zu erkennen). Bei meinem Fund handelt es sich also um Batterie B:

Mit dieser Erkenntnis habe ich auch die Gesamtübersicht des Sulzbergabschnitts aktualisiert:

  • IR    = Infanterieraum
  •  O    = Beobachter
  •  B    = Batterie
  • MR = Munitionsraum

Dieses Frühjahr konnte ich vor Ort verifizieren, dass meine Interpretation korrekt ist. Hier ein Schnappschuss des Munitionsraums von C1:


Beide Batterien bildeten im Prinzip eine Einheit mit 4 Geschützen, jeweils 2 in Schussrichtung Norden und Westen; der Munitionsraum von C1 versorgte beide. Die Geschütze, 10cm Kanonen 04, waren in gedeckten Stellungen positioniert. Das Ensemble wurde zwischen Dezember 1915 und Februar 1916 errichtet.

10cm Kanone 04:

Batterie C1 wird Hauptziel meiner nächstjährigen Straßburgreise sein, dann werde ich auch detailliert darüber berichten. Heute geht es ausschließlich um Batterie B.

Der Zeitpunkt März war für meine diesjährige Untersuchung der Batterie besser gewählt als August (wie im letzten Jahr). Im Frühjahr gibt es kaum Vegetation, und man entdeckt Strukturen eher als im Sommer, wenn alles überwuchert ist.

Das zeigt auch das Luftbild, das vermutlich im Sommer aufgenommen wurde:

Die wesentlichen Überreste der Batterie liegen genau unter der Baumgruppe in der Bildmitte. Das dortige Dickicht war im Sommer so dicht, dass ich den Bereich gar nicht erkunden konnte. Dieses Jahr im März war das erfreulicherweise anders: Ohne Laub war die dort liegende Geschützstellung sofort erkennbar. 

Bevor ich zu den Fotos komme, ist es nötig, sich zuerst anhand eines Plans vor Augen zu halten, was von Batterie B heute noch übrig ist:

Was man hier sieht, ist nicht einmal mehr die Hälfte der ursprünglichen Batterie. 

(1) ist die Geschützstellung, 
(2) sind die Abgänge in die unterirdischen Räume und Gänge, 
(3) sind Licht- und Belüftungsschächte.

Leider ist selbst dieser Rest heute teilweise übererdet. Ich habe versucht, den aktuellen Zustand im Plan darzustellen:

Der Müll, den man überall findet, ist in diesem Plan zum Teil ebenfalls berücksichtigt.

  1. Südwestlicher Treppenabgang der linken Geschützstellung, größtenteils verschüttet, aber erkennbar
  2. Erd- und Müllanhäufung in der linken Geschützstellung
  3. Nordöstlicher Treppenabgang der linken Geschützstellung, teilweise durch Müll verlegt
  4. Südöstlicher Treppenabgang der linken Geschützstellung, freiliegend; Treppe überdeckt
  5. Einbringungsöffnung für das Geschütz
  6. Verschütteter Licht- und Ventilationsschacht, Gang vermutlich ebenfalls verschüttet 
  7. Verschütteter Licht- und Ventilationsschacht, Gang ebenfalls verschüttet
  8. Nordwestlicher Treppenabgang der rechten Geschützstellung, zur Hälfte verfüllt
  9. Südwestlicher Treppenabgang der rechten Geschützstellung, zur Hälfte verfüllt.
Hier die entsprechenden Fotos:

Der südwestliche Treppenabgang der linken Geschützstellung. Es würde massiven Aufwand erfordern, die Öffnung begehbar zu machen.

Die beiden Treppenabgänge auf der Ostseite der Geschützstellung. Der linke (nordöstliche) ist halb mit Müll verlegt, aber prinzipiell begehbar. Der rechte (südöstliche) liegt zwar frei, allerdings ist die Treppe mit Erde überdeckt, rutschig und erheblich steiler, als es auf dem Foto wirkt, weshalb von einem Abstieg ohne Hilfsmittel abzuraten ist:

Die Geschütz-Einbringöffnung habe ich von außen fotografiert:

Die beiden Licht- und Ventilationsschächte sind an der Oberfläche nicht mehr auffindbar. Sie wurden zugeschüttet, um das Areal landwirtschaftlich nutzen zu können (Weinanbau).

Von der rechten Geschützstellung gibt es mit Ausnahme eines Teils der westlichen Einfassung mit den beiden Treppenabgängen keine Überreste mehr:

Vor 110 Jahren hätte man an dieser Stelle direkt in eine Geschützmündung geblickt:


Auch der sich an diese Geschützstellung anschließende unterirdische Trakt ist verschwunden. 

Der nordwestliche Treppenabgang ist gut zur Hälfte verschüttet, aber prinzipiell begehbar. Nachfolgend der Abgang von außen, dann ein Blick ins Innere:



Man erkennt eine Abzweigung nach links; dahinter knickt der Gang nach links ab. Hinter dem Knick dürfte er durch den zugeschütteten Lichtschacht ebenfalls verschüttet sein.

Der südwestliche Treppenabgang ist ebenfalls zur Hälfte verfüllt, aber begehbar. Das nächste Foto zeigt ihn von außen, das übernächste von innen. Men erkennt, dass der Gang dort, wo der Lichtschacht ist, verschüttet ist.



Die Licht- und Ventilationsschächte sind ein generelles Problem bei der Begehung der betonierten Batterien im Bereich Aussichtsberg, Scharrachberg und Sulzberg. Da das Areal intensiv landwirtschaftlich genutzt wird, sind die meisten verschüttet, was es sinnlos macht, in die Galerien vorzudringen. Man kommt ein paar Meter weit, dann ist der Weg versperrt. Dass man die Verschüttungen nicht freigraben sollte, versteht sich von selbst.

Wie muss man sich den Ursprungszustand der Batterie nun vorstellen? Ich habe versucht, das in einem CAD-Plan darzustellen, wobei ich zugeben muss, dass er teilweise spekulativ ist. So habe ich z.B. keinerlei Informationen über den unterirdischen Teil, der sich westlich an die linke Geschützstellung anschließt, also habe ich einfach den östlichen Teil der Anlage (der bekannt ist, obgleich verschwunden) gespiegelt:


  1. Geschützstellungen
  2. Batterieeingänge. Am linken Eingang dürfte die Schmalspurbahn des Munitionsraums von Batterie C1 geendet haben
  3. Licht- und Ventilationsschächte. Es ist davon auszugehen, dass die unterirdischen Galerien an all diesen Stellen verschüttet sind

Die Batterie bestand aus armiertem Beton, Wandstärke um die 50cm. Die Galerien lagen unter 1 bis 2 Meter Erde; sie enthielten Munitionsnischen sowie Bereitschaftsräume für die Besatzung. Letztere verfügten über einen Kamin zum Betrieb eines Ofens. 

Zum Schluss noch ein besonderer Aspekt der Batterie: In ihrem heutigen Zustand macht die noch vorhandene Geschützstellung den Eindruck, als hätte es sich um eine offene Stellung gehandelt. Prinzipiell war das auch so. Sie war nicht kaverniert, sehr wohl aber gedeckt. Wie muss man sich das vorstellen? Das Dach einer solchen Geschützstellung war eine einfache Konstruktion aus Eisenbahnschienen und Holzbohlen, die mit Dachpappe abgedichtet und mit Erde überdeckt war. Zur Tarnung wurde die Oberfläche mit Gras und Buschwerk bepflanzt. Diese Dachkonstruktion bot allerdings nur Schutz gegen Splitter, nicht aber gegen direkten Beschuss.

Nicht alle Stellungen wurden beim Bau sofort überdacht; manche blieben offen. In diesen Fällen wurde das Material für das Dach in der Nähe gelagert, um es im Notfall schnell verfügbar zu haben.

Auch bei der Batteriegruppe B und C1 findet man Hinweise auf solche Eindachungen. So sind beiderseits der Geschützeinbringöffnung von Batterie B Eisenbahnschienen vertikal in den Beton eingelassen:

Auf einem eigentlich misslungenen Foto dieser Stellung erkennt man am rechten Bildrand (roter Pfeil) eine rechteckige Öffnung im Beton, wo ein schräger Stützbalken für das Dach eingelassen war:

Ein noch interessanteres Detail hat aber Batterie C1 zu bieten, obwohl die Geschützstellungen dort zugeschüttet wurden:

Auch hier ist die vertikal eingelassene Eisenbahnschiene erkennbar. Viel interessanter sind aber die Holzbohlen links daneben, bei denen ich davon ausgehe, dass es Original-Bohlen sind, die 1916 zur Eindachung verwendet worden waren. Mit Kreosot imprägniertes Eichenholz (wie es z.B. bei Bahnschwellen üblich war) ist enorm widerstandsfähig. Die Balken verdecken den Treppenabgang an dieser Stelle und wurden vermutlich so angebracht, um beim Auffüllen der Stellung zu verhindern, dass der Abgang ebenfalls verfüllt wird.

Resümee: Batterie B ist zwar unvollständig, aber dennoch ein schönes Objekt. Die Gemeinde Dahlenheim hat bereits den Munitionsraum 1 des Scharrachbergabschnitts mustergültig hergerichtet; ich fände es sehr begrüßenswert, wenn sie  sich vielleicht auch um Batterie B kümmern würde, bevor sie völlig im Müll verschwindet.

Ein Nachtrag zu diesem Artikel befindet sich hier.

Mittwoch, 18. März 2026

Update zum Infanterieraum J III der Rebbergstellung bei Straßburg

In meinem Bericht über die Rebbergstellung nordwestlich von Straßburg hatte ich den dortigen Infanterieraum J III anhand von Fotos und eines Plans beschrieben. 1911 begonnen, stellte J III zusammen mit J I den modernsten Typ Infanteriewerk der Festung Straßburg dar. Wärend des Krieges wurden die Arbeiten jedoch eingestellt, so dass J III (und vermutlich auch J I) nicht fertiggestellt wurden.

Am deutlichsten manifestiert sich das in den beiden vermauerten Stichgängen. Laut Planung hätten sie zu zwei Bereitschaftsräumen führen sollen, die nie gebaut wurden.

Ich habe den Plan der Anlage mittlerweile in CAD überarbeitet; hier das Ergebnis:

Die nächste Abbildung zeigt das Bodenrelief:

Was man da sieht, habe ich markiert:

Legende:
  1. Eingänge zu J III
  2. Wachträume (beide verschüttet)
  3. Graben-Untertretraum (verschüttet)
  4. I 58 (Privatbesitz)


Übersicht über die Artikel zur Rebbergstellung:


Donnerstag, 19. Februar 2026

Fortiff.be ist auch wieder da!

Ich kann an dieser Stelle eigentlich nur den Text in abgewandelter Form wiederholen, den ich vor noch nicht allzu langer Zeit über fortiffsere.fr geschrieben habe:

Vor gut anderthalb Jahren hatte ich darüber informiert, dass eine der wichtigsten Referenzseiten über das Séré-de-Rivières-System, www.fortiff.be von Luc Malchair, Marco Frijns, Jean-Jacques Moulins und Jean Puelinckx den Betrieb eingestellt hätte. Besagte Seite wird nun aber doch fortgeführt, allerdings unter einem leicht geänderten Namen (Fortif.be - Projet fortiff) und einer neuen Internetadresse. Hoffentlich bleibt uns diese exzellente Quelle noch eine Weile erhalten!

Fort de Troyon