Sonntag, 2. August 2020

Das Zwischenwerk Nr. 1 Gerolfing

Westlich von Gerolfing bei Ingolstadt befinden sich die Reste des ehemaligen Zwischenwerks 1 (Werk 191); die Anlage ist im Luftbild leicht erkennbar:


Auffallend ist der das Werk umgebende Wassergraben:



Das Zwischenwerk 1 entstand zwischen 1890 und 1892. Zusammen mit dem Zwischenwerk 9 Rosenschwaig sollte es die Lücke zwischen den Forts II und X schließen, da dieser Frontabschnitt als besonders angriffsgefährdet eingeschätzt wurde.
Es weist einen fünfeckigen Grundriss auf; im Plan (siehe unten) erkennt man eine Kehlkaserne für 250 Mann und 3 Schutzräume (Hohltraversen) auf dem Wall.

Das Reliefbild lässt erkennen, dass von diesen Funktionseinheiten nicht mehr viel übrig ist:


Speziell die Kehlkaserne scheint komplett verschwunden zu sein. Was allerdings sofort ins Auge fällt, sind die Reste der südlichen Hohltraverse, im nachfolgenden Plan mit "1" gekennzeichnet:


An dieser Stelle eine Anmerkung zu den Plänen, die ich hier veröffentliche. Es handelt sich um grobe Skizzen, die ich, basierend auf den verschiedensten Quellen, in der Vorbereitung meiner Festungsexkursionen erstelle, um mich im Gelände zurecht zu finden. Nur in den seltensten Fällen liegen mir genaue Raumpläne der Anlagen vor, so auch hier. Ich hoffe, ich werde irgendwann einmal die Gelegenheit haben, im Stadtarchiv Ingolstadt recherchieren zu können; leider passen aber die dortigen Öffnungszeiten nicht zu meinem beruflichen Alltag ...

Hier nun ein paar Impressionen, wie sich der südliche Schutzraum in natura darstellt. Als erstes die Ostseite:



Die Nordseite:


Die Südseite:


Der gesprengte Raum ist komplett verfüllt.

Das interessanteste Detail verrät der oben gezeigte Plan nicht; allenfalls im Reliefbild bekommt man einen Hinweis darauf: Es gibt hier einen recht gut erhaltenen Unterbau eines splittersicheren Wachtturms 90 (Position bei "2" im Plan):


Sogar einer der metallenen Verankerungszapfen der Kragensteine ist noch vorhanden:



Leider ist der Schacht mit Erde und Müll verfüllt.

Hier noch einmal der Wachtturm 90 aus dem Fort VI Prinz Karl:



Anfang der 1890er Jahre wurde die Festung Ingolstadt mit diesen drehbaren splittersicheren Beobachtern vom Typ Gruson WT 90 (Wachtturm 90) ausgestattet. Sie wurden üblicherweise symmetrisch auf den Wällen der Forts installiert und dienten zur Überwachung des Vorfelds. Über ein Alarmsystem waren sie mit den Schutzräumen verbunden.

Die gusseisernen Kuppeln hatten zwei gegenüberliegende Beobachtungsschlitze, die mit Riegeln verschlossen werden konnten. Es gab keine optischen Geräte; die Beobachtung wurde mit bloßem Auge durchgeführt. Die Kuppeln waren auf Rollen gelagert und konnten mit einer Kurbel gedreht werden.

Die nachfolgende Aufnahme zeigt die Verbindung zum südlichen Schutzraum, dessen Westseite im Hintergrund erkennbar ist. Der betonüberdeckte Verbindungsgang weist keinerlei äußere Beschädigung auf:


Hier trifft der Verbindungsgang auf den Schutzraum:



Von unten konnte ich den Verbindungsgang leider nicht in Augenschein nehmen - die üppige Vegetation ließ das nicht zu:


In diesem Foto habe ich die Oberkante mit einer blauen Linie hervorgehoben:


Für eine genauere Untersuchung werde ich das Zwischenwerk in der vegetationsfreien Jahreszeit noch einmal besuchen.

Abschließend noch zwei Aufnahmen, die ich vor 5 Jahren im Zwischenwerk 9 Rosenschwaig von den Resten der beiden dortigen Wachttürme gemacht habe:



Beide sind komplett zerstört; umso bedeutsamer ist der gute Erhaltungszustand des Wachtturm-Unterbaus im Zwischenwerk 1.


Sonntag, 12. Juli 2020

Der Infanterieraum 9 nördlich von Gerolfing b. Ingolstadt

Ungefähr in der Mitte zwischen Fort II Hartmann und dem Zwischenwerk 1 Gerolfing liegt die Ruine des Infanterie-Untertretraums 9 (Gebäude Nr. 198 oder "Infanterieraum Dünzlauerweg").

Im Luftbild ist die Anlage als kleines rechteckiges Wäldchen leicht zu finden:


Die Anlage wurde zwischen 1891 und 1893 errichtet und wie fast alle Befestigungsanlagen Ingolstadts nach dem zweiten Weltkrieg gesprengt. Das Reliefbild lässt entsprechend ein Wirrwarr von Trümmern erkennen:


Der Grundrissplan zeigt 7 Kasematten von 6 Metern Tiefe. Die linke (2,5 m breit) diente als Latrine, die anderen 6 (4,0 m breit) als Unterkunftsbereich:


Zum Glück ist die Vegetation bei weitem nicht so dicht und dornig wie beim Infanterieraum 2, so dass man die Ruine relativ leicht erkunden kann.

Als erstes fällt einem ein großes Trümmerstück auf, das vom Eingangsbereich (d.h. der feindabgewandten Seite) stammen dürfte:



Der Übergang der Stampfbetondecke zum Ziegelmauerwerk des Eingangsbereichs ist deutlich zu erkennen:


Hier ein Blick von der anderen Seite:



Sehr schön erkennbar: Die Feinstruktur des Stampfbetons mit Granitsplit:


An anderer Stelle finden sich Trümmer des Ziegelmauerwerks:




Das restliche Trümmerfeld ist eher unspektakulär:


Außer dem Grundrissplan liegen mir leider keine weiteren Informationen über den Infanterieraum vor. Die nachfolgende Prinzipskizze zeigt einen allgemeinen Querschnitt durch einen Infanterie-Untertretraum (grau = Beton, beige = Sand, dunkelrot = Ziegelmauerwerk):


Bei meinem nächsten Besuch im Infanterieraum 9 werde ich überprüfen, ob sich dieser Aufbau vor Ort verifizieren lässt.

Sonntag, 5. Juli 2020

Der Infanterieraum 2 bei Großmehring

Zwischen Großmehring und dem nördlich davon gelegenen Fort Prinz Karl gab es zwei Infanterieräume, IR 1 und IR 2.
IR 1 lag unmittelbar nördlich des Kreisverkehrs der Köschinger Straße und der Luwig-Thoma-Straße. Die Anlage ist komplett verschwunden; heute befindet sich an dieser Stelle ein Regenrückhaltebecken.
IR 2 liegt ca. 300 Meter nordwestlich davon in einem Wäldchen, an dessen Südspitze ein Imker seine Bienenhäuser stehen hat. Das gesamte Werk ist von einem dichten, dornigen Dickicht überwuchert, was den Einsatz einer Machete notwendig machte, um voran zu kommen.

Zunächst wie üblich das Reliefbild:


Die Bienenhäuser befinden sich in der nahezu quadratischen Aussparung am unteren Werksrand.

Der Werksplan zeigt die Position des eigentlichen I-Raums (schwarzes Rechteck):


Der Verlauf der ehemaligen Werksstraße entspricht nicht dem des heutigen Fahrwegs; es war mir durch die dichte Vegetation nicht möglich, ihn vor Ort nachzuvollziehen.

Nur an einer Stelle gestattete das Dickicht einen Blick auf die Reste des Infanterieraums. Das Teleobjektiv ließ hier eine Gewölbeöffnung im Hang erkennen:


Dem galt es natürlich auf die Spur zu gehen. Wie eingangs angedeutet, gibt es keinen einfachen Zugang zum Werk, alles ist dicht überwuchert - ohne Machete keine Chance. Da der Boden aber von Sprengtrümmern jeglicher Größe bedeckt und ebenfalls von dichter Vegetation bedeckt ist, ist das Vorankommen extrem schwierig und gefährlich. Die Winterzeit dürfte für einen Besuch sehr viel besser geeignet sein. Hier ein Blick von der Nordecke hinunter in den Werkshof:


Unten angelangt:


Die Kanten einiger größerer Sprengtrümmer habe ich farblich markiert:


Die kleineren sind unsichtbar, ebenso wie alle Bodenunebenheiten und eventuelle Löcher!
Mit einiger Mühe konnte ich an das Gewölbe gelangen, das ich aus der Ferne entdeckt hatte:


Offenbar hat hier jemand vor langer Zeit eine Art Vordach aus Holz gebaut. Als ich näher an den Eingang herankam, zeigte sich, dass das Gewölbe offenbar weiter in den Hang hinein reicht, als ich erwartet hatte. Mangels Taschenlampe konnte ich leider nicht herausfinden, wie tief es reicht:


Es würde mich sehr interessieren, auch den Rest der Anlage in Augenschein zu nehmen; das wird allerdings einem weiteren Besuch in der kälteren Jahreszeit vorbehalten bleiben müssen.

Freitag, 3. Juli 2020

Der Infanterieraum 6 bei Friedrichshofen / Ingolstadt

Die Brisanzmunitionskrise Mitte der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts führte in Ingolstadt zum Ausbau des äußeren Festungsrings mit Anschlussbatterien, Zwischenwerken sowie Munitions- und Infanterieräumen. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die meisten dieser Anlagen gesprengt.
Ich habe mir vorgenommen, so viele dieser Anlagen wie möglich zu besuchen und eine Bestandsaufnahme der sichtbaren Reste zu machen.

Der heutige Beitrag befasst sich mit dem Infanterieraum 6 bei Friedrichshofen. Man kann ihn von der St 2335 (ehemalige Kriegsstraße, die die Forts verband) aus leicht erkennen; ihn zu begehen ist nicht ganz so einfach, da er von dichter Vegetation umgeben ist.

Zuerst das obligatorische Reliefbild:



Es zeigt wider Erwarten keine Trümmer, nur eine "Eindellung" des Erdhügels. Ich bin deshalb davon ausgegangen, eine noch relativ intakte Ruine vorzufinden.
Doch weit gefehlt. In natura sieht man --- gar nichts:


Einzig die nachfolgend gezeigten Steinbrocken zeugen davon, dass hier einmal ein I-Raum stand:


Offenbar wurden die gesprengten Überreste des I-Raums zugeschüttet.

Auf der Homepage des Fördervereins Bayerische Landesfestung Ingolstadt gibt es einen Plan der Anlage. Laut Beschreibung war der I-Raum für 250 Mann ausgelegt. 

Ein Kuriosum zum Schluss - der ungewöhnlichste Befund meines Besuchs:


Ein zersplittertes Bokken, also ein hölzernes japanisches Trainingsschwert, wie es beispielsweise beim Iaido oder Aikido verwendet wird. Hier hat offenbar jemand seine Schlagübungen übertrieben ...

Freitag, 26. Juni 2020

Neues vom Treuberg

Dank eines kürzlichen Besuchs im Stadt- und Festungsmuseum Germersheim bin ich endlich zu einem zeitgenössischen Plan des Vorwerks Treuberg gekommen; den Detailplan des Blockhauses habe ich nachgearbeitet:


Gegenüber dem Schwarzweißfoto meines letzten Beitrags über Treuberg fällt sofort auf, dass sämtliche Infanterie-Schießscharten nicht im Plan enthalten sind. Auch erweckt das Foto den Eindruck, das Blockhaus könnte mehrere Geschosse gehabt haben. Der hier gezeigte Plan zeigt offenbar nur das Erdgeschoss; wesentliche Funktionseinheiten eines Verteidigungswerks wie z.B. ein Pulvermagazin fehlen. Auf dem Foto ist im rechten Turm anhand des Verlaufs der  Infanterieschießscharten ein Abgang erkennbar, der in ein Untergeschoss geführt haben könnte, wo ich ein solches Magazin vermuten würde (vgl. Lagerwerk VI / Forte Ardietti bei Peschiera).

Besonders groß kann das Blockhaus nicht gewesen sein, auch wenn der Plan einen anderen Eindruck erweckt. Die Messfunktion des Baden-Württembergischen Geodatenservers ergab eine Grundfläche von ca. 25 x 30 m.

Dienstag, 2. Juni 2020

Neues von Fort IIIa

Mit zweimonatiger, coronabedingter Verspätung konnte ich Ende Mai endlich meinen geplanten Besuch in Ingolstadt nachholen. Wichtigstes Ziel war die Klärung der offenen Fragen zu Fort IIIa, die sich mir seit 2004 gestellt hatten. Da ich mittlerweile über deutlich mehr Informationen über das Werk verfüge als damals, gelang es mir, die meisten Antworten vor Ort zu bekommen. Ein paar kleinere Aufgaben sind übrig geblieben; die werden Gegenstand des nächsten Besuchs sein.
Alle Fotos aufzuarbeiten wird eine Zeit dauern, im heutigen Beitrag möchte ich hauptsächlich die Befunde zusammenfassen.

1) Die Traversen
Die erste - leicht frustrierende - Erkenntnis beim Betreten des Forts war, dass die ehemaligen Hohltraversen wie im Bericht von 1889 erwähnt tatsächlich in Splitterschutzbänke umgewandelt wurden. Die Infanterielinie wurde stirnseitig um diese Bänke herumgeführt, was man vor Ort noch sehr deutlich erkennt.
Die Traversen 32, 33 und 36 sind gut erhalten. Betritt man das Fort von der Stichstraße der Max-Emanuel-Straße aus, fällt einem Nr. 32 linkerhand des Wegs sofort auf. Was im Luftbild die Anmutung von Mauerwerk hatte, erweist sich in Realität als niedriger, brauner Bewuchs; Mauerwerk, sprich: eine Hohltraverse gibt es hier nicht mehr.
Nr. 33 liegt rechts neben dem Weg; sie sieht in natura intakter aus als auf dem Reliefbild. Ich vermute, dass bei der Umwandlung der Hohltraverse in eine Splitterwehr der im Untergeschoss befindliche Treppenhausteil abgeschnitten und mit einer Betondecke versehen wurde, wie man es z.B. auch in der betonierten Kaserne von Fort de Tavannes gemacht hat. Da die Traverse 33 noch leidlich intakt ist, vermute ich, dass auch der ehemalige Treppenhausteil darunter noch vorhanden ist.
Hier ein Foto:


Traverse 36 ist im Sommer extrem schwer zu finden, da sie zu einem großen Teil überwuchert und sogar von Bäumen besetzt ist. Die im Reliefbild sichtbare rechteckige Vertiefung ist auch vor Ort deutlich zu erkennen; ihr Zweck hat sich mir noch nicht erschlossen.

2) Die Kehlkaserne
Wo früher die Kehlkaserne war, ist der Fortgraben heute komplett verfüllt. Es steht zu vermuten, dass zumindest ein Teil des Trümmerschutts zu dieser Verfüllung beigetragen hat; lediglich im südwestlichen Teil gibt es einen oberirdischen Schutthang über ca. 1/3 der ehemaligen Kasernenfläche. Hier finden sich viele Beton- und Steintrümmer, so dass ich davon ausgehe, dass hier zumindest noch Fundamentreste der Kaserne vorhanden sind.
Leider grenzen mittlerweile die Grundstücke einiger das Fort umgebenden Häuser im Kasernenbereich direkt an das Fort heran, was eine Erkundung extrem erschwert. Es gelang mir dennoch, einige Fotos des oberirdischen Schutthangs zu machen, die ich in einem späteren Beitrag einstellen werde. Hier zumindest ein Foto eines großen Trümmerstücks, das vermutlich von der verstärkten Kasernendecke stammt. Die Feinstruktur des Granit-Stampfbetons ist sehr schön zu erkennen:



3) Identifizierung der Befunde von 2004
Die Objekte, die ich 2004 fotografiert hatte, konnte ich diesmal leider nicht wiederfinden. Ich vermute, dass es sich um Reste der zentralen Caponniere handelt; die dichte Vegetation vor Ort hat es leider völlig unmöglich gemacht, diese aufzusuchen. Ich hoffe, im Winter nochmal zu Fort IIIa kommen zu können, dann sind die Bedingungen hoffentlich günstiger.

4) Die Eskarpenmauer auf der Kehlseite
2004 wusste ich nicht, dass die Eskarpenmauer hier noch vollständig vorhanden ist; diesmal konnte ich sie auf beiden Seiten der Kehlkaserne wenigstens aus der Entfernung begutachten. Hier ein Foto des südwestlichen Teils:


5) Die nordöstliche Anschlussbatterie
Der Bereich, in dem man Reste des Munitions- und Untertretraums der nordöstlichen Anschlussbatterie vermuten könnte, liegt leider auf eingezäuntem Privatgrund. Eine Recherche vor Ort war daher nicht möglich.

6) Zugang zum Fort
Neben dem Zugang über die Stichstraße der Max-Emanuel-Straße gibt es noch einen weiteren von der Straße "am Fort" aus, der direkt in den Bereich der ehemaligen Kehlkaserne führt.

7) Fazit
Auch wenn die wesentlichen Funktionselemente von Fort IIIa gesprengt wurden, gibt es noch erstaunlich viel zu sehen. Die Südwest- und die Nordostecke mit ihren Traversen und den Eskarpenmauern sind quasi noch komplett erhalten, wenngleich auch zu einem guten Teil von dichter Vegetation bedeckt. Von der Kehlkaserne müsste es zumindest im südwestlichen Drittel noch Fundamentreste unter einem Schutthang geben; unterhalb der Traverse 33 könnte es möglicherweise noch einen intakten Raum geben.
Alles in allem bietet das Fort einen traurigen und verwahrlosten Anblick. An der nordöstlichen Grabenecke weist zwar ein Hinweisschild auf das Fort hin, ein weiteres verbietet Müllablagerung; Müll ist aber nicht das eigentliche Problem, zumindest konnte ich bei meinem Besuch keinen finden.
Ich finde, dass man aus den Resten von IIIa mehr machen könnte, als es der Natur zu überlassen. Würde man Kehlgraben und Werksoberfläche vom Baum- und Buschbewuchs befreien und mit Rasen besetzen, wie ich es schon in -zig anderen Forts der gleichen Ära gesehen habe, könnte man damit zum einen einen attraktiven Naherholungsbereich für Wettstetten schaffen, zum anderen einen Besuchermagneten für all diejenigen, die sich für das Fort interessieren. Die unerwartet reichhaltigen Reste des Werks sind für Interessierte auch so schon sehenswert, allerdings z.T. nur sehr mühsam zu erreichen.
Von Ausgrabungen im Kehlbereich oder vielleicht auch Im Bereich der Traverse 33 wage ich gar nicht zu träumen.
Angesichts des Schicksals von Werk 139 / Lagerschanze 7 befürchte ich allerdings, dass auch Fort IIIa früher oder später verschwinden bzw. überbaut werden wird, wie es z.B. auch bei Fort Va geschehen ist. Wie bereits erwähnt haben sich im Kehlbereich die Privatgrundstücke z.T. bis unmittelbar an den Festungsbereich herangeschoben. Eine Gemeinde, die so etwas zulässt und den Rest des Werks derart verwildern lässt,beweist damit wenig Wertschätzung militärhistorischen Kulturguts, was für das weitere Schicksal des Forts IIIa nichts Gutes verheißt.

8) Allgemeine Hinweise zum Besuch der Festungen von Ingolstadt
Die zum Teil wirklich dichte Vegetation erschwert die Orientierung und das Vorankommen im Gelände ganz extrem, doch nicht nur deswegen empfiehlt es sich, einen Besuch auf die kalte Jahreszeit zu beschränken. Fast schlimmer empfand ich die Belastung durch Stechmücken, die mich während meines gesamten Aufenthalts in dichten Schwärmen umlagerten und mir eine Unzahl von Stichen einbrachten. Noch schlimmer als in Fort IIIa war die Mückensituation eigentlich nur beim Zwischenwerk 6, wo - bedingt durch die sumpfige Umgebung - die Mückenlast so groß war, dass ich gar nicht aus dem Auto heraus kam und den Besuch abbrechen musste.

Dienstag, 7. April 2020

Das Ingolstädter Werk Nr. 139 / Lagerschanze 7


Mein heutiger Blogbeitrag muss leider ohne aktuelle Fotos auskommen, denn das Werk, über das ich berichte, existiert nicht mehr.
Es geht um das Ingolstädter Werk Nr. 139, auch Lagerschanze Nr. 7 genannt.
Viel ist es nicht, was ich über diese Anlage in Erfahrung bringen konnte, aber der unfassbare Umgang mit militärhistorischem Kulturgut, in dessen Ergebnis die Lagerschanze verschwand, ist es mir wert, hier auf sie einzugehen, damit sie nicht ganz in Vergessenheit gerät.

Mit dem Vorwerkegürtel der Festung Ingolstadt aus der Zeit des Deutschen Einigungskriegs hatte ich mich bereits im Dezember befasst und von meinem Besuch einer der wenigen verbliebenen Anlagen aus dieser Zeit berichtet, dem Werk Nr. 125 / Friedenspulvermagazin Oberhaunstadt. Ich hatte damals auch schon kurz auf das Schicksal der Lagerschanze 7 hingewiesen.

Geschichte und baulich-technische Aspekte:
Die Lagerschanze 7 wurde wie die anderen Vorwerke auch im Jahr 1866 errichtet. Es handelte sich um eine Anlage in sogenannter „passagerer“ Ausführung, also um eine Feldfortifikation in Erdbauweise mit hölzernen Schutzräumen. Für die damalige Artillerie bot eine solche Konstruktion ausreichenden Schutz, allerdings entwickelte sich die Geschütztechnik gerade in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so rasant weiter, dass die Vorwerke schnell unmodern und nutzlos wurden. In Konsequenz beschloss man den Bau eines äußeren Fortgürtels in einem größeren Radius um Ingolstadt herum; mit der Brisanzmunitionskrise um 1885 wurden aber auch diese Forts modernisierungsbedürftig.
Die reinen Erdwerke wurden mit Ausnahme der drei Außenforts des Vorwerkegürtels nicht weiter modernisiert, blieben aber zunächst erhalten.

Hier ein grober Plan der Lagerschanze 7, der keinen Anspruch auf Detailtreue erhebt, sondern nur eine Orientierung vermitteln soll, wie die Schanze einmal ausgesehen haben muss:


Sie war für 3 Geschütze konzipiert; bei dem großen schwarzen Rechteck in der Mitte handelt es sich um den hölzernen Schutzraum.

Das Schicksal der Schanze in der jüngeren Vergangenheit:
Die Lagerschanze 7 dürfte bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts unversehrt geblieben sein.
Bei meinen Recherchen bin ich auf die Behauptung gestoßen, der Kehlwall sei dem Bau der Autobahnauffahrt Ingolstadt Süd zum Opfer gefallen. Diese Aussage muss bezweifelt werden. Auf dieser Karte aus dem Jahr 1969 ist die Anschlussstelle Ingolstadt Süd noch nicht zu sehen; der Kehlwall der Lagerschanze 7 fehlt allerdings schon:


Der Abriss des Kehlwalls dürfte deutlich weiter zurück in der Vergangenheit stattgefunden haben, wie das nachfolgende Luftbild belegt, das ich kürzlich erwerben konnte. Es zeigt das Erdwerk im Jahr 1945; auch hier fehlt der Kehlwall bereits. Bemerkenswert ist der augenscheinlich gute Zustand der verbliebenen Wälle, die zwar von Vegetation bedeckt zu sein scheinen; die Infanterielinie und auch die Geschützrampen und -plattformen scheinen jedoch bewuchsfrei zu sein:


Ich vermute, dass der Kehlwall in den Jahren 1935 bis 1938 abgerissen wurde. In dieser Zeit wurde die A9 von Nürnberg nach München gebaut, und auch die auf dem Luftbild sichtbare Autobahnüberführung dürfte aus dieser Zeit stammen. Auf der Höhe der Lagerschanze zweigt von der die Autobahn überführenden Straße ein Weg ab, dem der Kehlwall offenbar zum Opfer fiel.

In diesem Zustand überlebte die Schanze auch die nächsten Jahrzehnte. Das folgende Reliefbild des bayerischen Geoportals dürfte aus der Zeit zwischen 1970 und 2014 stammen:


Ich hoffe, dass dieses Bild so schnell nicht aktualisiert wird; zur Sicherheit habe ich es mir als Bildschirm-Hardcopy abgespeichert. Veröffentlichen darf ich es leider nicht, sondern nur als iFrame einbetten.

Ab 2014 / 2015 ereilte die Anlage dann ihr Schicksal. Zuerst wurde ein Teil gerodet und eingeebnet, das sieht man auf dem folgenden Luftbild von Google Maps:


Es schloss sich ein Hin-und-her an zwischen dem Autohaus, das die Einebnungsarbeiten vorgenommen hatte, und der Stadt Ingolstadt. Der Donaukurier hat dem einige Beiträge gewidmet, aus denen sich jedoch nicht wirklich erschließt, welche Kommunikation wann zwischen beiden Parteien stattfand. Am Ende - 2016 - war die Schanze dann komplett verschwunden, allen Interventionsversuchen der Stadt zum Trotz. Das Luftbild des bayerischen Geoportals zeigt den traurigen Endzustand:


Ob das in der Presse angekündigte Bußgeld tatsächlich verhängt wurde, wage ich zu bezweifeln. Was zählt ein vandalisiertes Kulturgut gegenüber Gewerbesteuereinnahmen?
Als jemand, der sich seit fast 40 Jahren mit dem Festungsbau des 19. Jahrhunderts befasst, bin ich ob dieser Vorgänge zutiefst bekümmert. Welches Schicksal wird wohl den anderen klägliche Resten des mittleren und des äußeren Festungsrings noch blühen? Speziell die wenigen verbliebenen Erdwerke machen mir Sorge, da sie zu einem großen Teil in Privatbesitz sind. Eigentum scheint hier nicht zu verpflichten, wie das traurige Beispiel der Lagerschanze 7 eindrucksvoll zeigt. Ich kann nur hoffen, dass Ingolstadt in Zukunft stärker Position bezieht und Überwachungsmaßnahmen initiiert, um weitere Frevel dieser Art zu verhindern.