Dienstag, 26. März 2024

Und doch nochmal: Batterie St. Peter

Obwohl ich meine Aktivitäten in Bezug auf die Batterie St. Peter eingestellt habe, bin ich aus einer völlig unerwarteten Richtung kürzlich doch noch auf interessantes Material gestoßen.
Ich war auf der Suche nach möglichst alten Luftaufnahmen der Ru Con Battery in Schottland und nutzte dazu den Fundus der Schottischen NCAP (National Collection of Aerial Photography). Die NCAP mit Sitz in Edinburgh ist laut eigener Aussage eine der größten Luftbildsammlungen der Welt und enthält mehrere Millionen Luftbilder, die historische Ereignisse und Orte auf der ganzen Welt zeigen. 
Mehr durch Zufall fand ich heraus, dass diese Sammlung auch Aufnahmen von Deutschland aus dem 2. Weltkrieg enthält, und siehe da: Es gibt sogar ein Bild des mutmaßlichen Areals der Batterie St. Peter.
Solche Bilder zu finden und zu bekommen ist leider nicht ganz einfach. Es sind zwar einige Digitalisate online verfügbar, allerdings nur in geringer Auflösung, und zumindest die für meine Forschung interessanten Aufnahmen waren noch nicht digitalisiert worden. Um im nicht-digitalisierten Fundus zu suchen benötigt man eine kostenpflichtige Recherchelizenz. Ohne diese Lizenz ist es ziemlich aussichtslos, etwas zu finden. Mit Lizenz erhält man Zugriff auf Recherchetools, die einem recht schnell weiterhelfen, und so stieß ich schnell auf das erwähnte Luftbild. Nun kam der zweite Haken: Die NCAP lässt sich die Digitalisierung extrem teuer vergüten. Das Luftbild von St. Peter Ording schlug mit einem recht hohen zweistelligen Eurobetrag zu Buche! Für diesen stolzen Betrag bekam ich das Luftbild in einer Auflösung von 1200 dpi, was eine TIF-Datei von knapp 49GB ergab. Die Aufnahme ist im Original ca. 15x15cm groß, wovon ein Ausschnitt von ca. 7,7x7,5cm Größe für meine Recherche verwertbar ist; eine solche Auflösung ist also einfach ein Muss.
Wer sich nun darauf freut, das Luftbild in diesem Blogpost zu sehen, den muss ich leider enttäuschen. Die NCAP hat eine extrem strenge Lizenzpolitik, die jegliche Art der Weitergabe oder Veröffentlichung kostenpflichtig macht, selbst wenn es in einem Blog wie diesem ist: Würde ich das Bild in einer Größe von 800x600 Pixeln hier veröffentlichen, hätte ich einen jährlichen zweistelligen Obulus zu entrichten! Ich mache ja viel mit, aber das geht dann doch zu weit. Es galt also, eine Ersatzlösung zu finden, und ich ging den aufwändigen Weg, die wesentlichen Elemente, die man erkennen kann, abzupausen und der Orientierung halber zu kolorieren. Das ist das Ergebnis:


















Das Luftbild wurde am 29.11.1940 kurz nach 10 Uhr von einem Flugzeug der Royal Air Force aus einer Höhe von 20-26.000 Fuß gemacht. Was die Skizze leider nicht wiedergibt, ist die perspektivische Verzerrung der Aufnahme. Das Flugzeug muss sich im Moment der Aufnahme ungefähr bei 54°19'16.3"N / 8°37'10.9"E befunden haben. Mit Hilfe der Suchtools des NCAP konnte ich die Flugroute rekonstruieren; hier die Aufnahmen, die beim Überfliegen des Westteils von Eiderstedt gemacht wurden:


Die Nummern sind quasi die NCAP-"Bestellnummern". Man sieht deutlich, dass sich die Maschine in einer Rechtskurve in Richtung Nordosten befand. Aufnahme 32 - das ist die, um die es hier geht - wurde also aus einem schräg fliegenden Flugzeug gemacht, daher die perspektivische Verzerrung.

Das abgebildete Gebiet sah 1940 völlig anders aus als heute. Die Besiedlung war eher spärlich, die Gegend war geprägt von Agrarflächen, Dünen und Vegetationsbereichen. Zusammen mit der perspektivischen Verzerrung der Aufnahme macht das eine exakte Lokalisierung sehr schwer.

Was kann man nun auf dem Luftbild erkennen? Es fallen 4 rechteckige bis quadratische Strukturen auf, die in nahezu gleichem Abstand beinahe auf gerader Linie liegen. Im Original ist leider nur eine davon wirklich klar zu erkennen, auf der Skizze Nr. 3. Man sieht ein scharfkantiges Quadrat auf einer ebenfalls quadratischen Fläche; es handelt sich ziemlich sicher um eine der Geschützplattformen der Batterie St. Peter. Nummer 1 ist weniger deutlich, lässt sich aber ebenfalls als Quadrat-in-einem-Quadrat interpretieren. Nummer 2 und Nummer 4 sind sehr undeutlich, es könnte sich um  fotografische Artefakte handeln.
Wenn man davon ausgeht, dass nur die Nummern 1 und 3 substanziell sind, würden sie den Geschützbettungen 1 und 5 der Batterie entsprechen:


Nr. 2, 3, 4 und 6 sind auf dem Luftbild unter der Vegetation nicht erkennbar, sofern sie 1940 überhaupt noch vorhanden waren. Nr. 7 und 8 dürften lange vor 1940 entfernt worden sein, um das Areal landwirtschaftlich nutzen zu können.
Übertragen auf heutige Verhältnisse bedeutet das Folgendes für die Batterie: Bettung Nr. 1 ist die mutmaßliche Bettung im Wäldchen westlich der Utholm-Sporthalle, über die ich bereits berichtet hatte. Nr. 2, 3 und 4 dürften der Bebauung beidseits des in Nordostrichtung verlaufenden Arms des Fasanenwegs zum Opfer gefallen sein. Nr. 5 lag irgendwo auf dem heutigen Fußweg zwischen Gorch-Fock-Weg und Fasanenweg. Die Nummern 6 bis 8 befanden sich irgendwo unter den Häusern am Gorch-Fock-Weg. Insgesamt hätte die Batterie dann deutlich nordwestlicher der Position gelegen, die ich bisher vermutet hatte.



Obwohl diese Hypothese plausibel ist, bleibt sie dennoch - eine Hypothese. Solange es keine Möglichkeit gibt, die mutmaßliche Geschützplattform 1 freizulegen, und solange keine älteren Luftbilder auftauchen, wird es unmöglich sein, sie zu belegen. Wer weiß: Vielleicht spielt mir der Zufall ja irgendwann mal eine passende Karte zu. Ich werde dann berichten.