Samstag, 30. Mai 2026

Neues von der Kyle of Lochalsh Battery

Auch dieses Jahr hatte ich die Gelegenheit, der Kyle of Lochalsh Battery einen kurzen Besuch abzustatten. Ziel war es, das Ziegelgebäude näher in Augenschein zu nehmen und die Lokalisierung der Batterie zu präzisieren.

Das Ziegelgebäude ist fensterlos und relativ schlicht, ein langgestreckter Bau mit einem Dach aus Beton, soweit ich es von unten interpretieren konnte.

Die einzige Tür befindet sich auf der Rückseite (vom Strand aus gesehen). Sie ist mit Holzlatten verschlossen und außerdem dicht mit Efeu überwuchert. Ich habe versucht, durch die Holzlatten hineinzuspähen, aber es war nichts zu erkennen:

Die einzigen Öffnungen außer der Tür sind kleine rechteckige Lüftungsöffnungen, die ursprünglich mit Lamellen versehen waren:



Auf der Uferseite sind zwei dieser Öffnungen erkennbar; auf der Rückseite gab es mindestens eine (heute von Efeu überwuchert), wenn nicht noch eine weitere über der Tür.
Insgesamt hat der Bau eine militärische Anmutung; ich musste spontan an das Pumpengebäude in Naast am Loch Ewe denken. Direkt neben dem Bau verläuft die Mauer, die das Grundstück von Kyle House im Osten abgrenzt:

Diese Mauer verhalf mir dann auch, den Erbauungszeitraum des Ziegelbaus abzuschätzen. 
Der Bericht von John A. Guy vom 25.09.1996 („Highland Region – A Survey of the 20th Century Defences“, Seite 52) verortet die Batterie nordöstlich von Kyle House (57.274608 , -5.7414586).
Historic Environment Scotland schreibt zu dem Ziegelbau: „In der Nähe des mutmaßlichen Standorts der Batterie sollen zwei Backsteinhütten stehen. Es ist unklar, ob sie mit der Batterie in Zusammenhang stehen oder auf spätere Aktivitäten an diesem Ort zurückzuführen sind.
Es ist mir bisher leider nicht gelungen, detailliertere Karten aus der Zeit zwischen 1914 und 1945 zu finden. Auf einer Ordnance Survey Karte von 1903 ist unweit der vermuteten Batterieposition nichts zu sehen; auf einer OS-Karte von 1966 sind sogar 3 kleine Gebäude verzeichnet:

Das nordwestliche dürfte das heute noch stehende Gebäude sein; die anderen beiden sind verschwunden.

Durch Zufall bin ich im Fotoarchiv von Am Baile (digitales Archiv für Geschichte und Kultur der schottischen Highlands und Inseln) unter der Nummer 11859 auf ein Foto gestoßen, das den Leuchtturm auf Eilean Ban zeigt und von einem Standort knapp hinter dem heute noch vorhandenen Ziegelgebäude aus aufgenommen wurde:

(Mit freundlicher Genehmigung von Am Baile)

Die Aufnahme entstand in den 1930er oder 1940er Jahren und wurde von Duncan Macpherson gemacht, einem Apotheker aus Kyle of Lochalsh.

Auf dem Foto ist kein Ziegelgebäude zu sehen, was bedeutet, dass es erst nach Aufnahmezeitpunkt errichtet wurde. Ich vermute, es stammt aus der Zeit des 2. Weltkriegs, aber mit Sicherheit nicht aus dem 1. Weltkrieg.

Bei meinem zweiten Ziel, die Batterieposition zu konkretisieren, half mir der Besuch vor Ort nur begrenzt weiter. Ich sah mir die Stelle, wo sie laut dem Guy-Bericht gewesen sein sollte, näher an:


Hier fallen Felsen schräg in Richtung Meer ab. Der untere, unbewachsene Bereich wäre als Batteriestandort völlig ungeeignet; wie der Flutsaum zeigt, würde er bei Flut nicht sehr weit aus dem Wasser herausragen.

Aber auch der höhere, von dichter Vegetation bewachsene Teil wäre ungeeignet. Die Felsen sind extrem zerklüftet; um dort Geschütze zu positionieren, hätte man einen aufwändigen Unterbau aus Holz konstruieren oder einen Betonblock errichten müssen. Die kleinen schottischen Küstenbatterien aus dem 1. Weltkrieg (z.B. Corran Point, Ru Con) hatten eher einen improvisierten Charakter; aufwändige Fundierungsarbeiten würde man nicht annehmen.

Überhaupt wäre die Gegend zwischen Ziegelbau und Felsvorsprung eine schlechte Position, weil eine steilere, noch weiter ins Meer herausragende Felsklippe westlich davon die Schussrichtung der Batterie signifikant einschränken würde. Auf alten Karten heißt diese Felsklippe „Doctor‘s Rock“; heute verläuft über dem westlichen Ausläufer des Doctor‘s Rock die Skye Bridge:

Die Kyleakin Local Historical Society hat eine kurze Abhandlung mit dem Titel „Kyleakin during World War II“ veröffentlicht. Autorin ist Helen MacRae, eine Bewohnerin von Kyleakin, die diese Zeit erlebt hat. Sie schreibt:
Ich kannte jeden Winkel von Kyle House und seinem Gelände. Ich ging immer durch den Küchengarten zum Aussichtspunkt, wo während des Ersten Weltkriegs eine Batterie errichtet worden war, um die in Kyle ein- und auslaufenden Schiffe zu überwachen. Damals waren dort fünfzig Marinesoldaten und ihre Offiziere stationiert und bewohnten Kyle House.

Eine OS-Karte von 1903 zeigt, wovon hier die Rede ist:


Der Küchengarten (= Nutzgarten) lag nördlich von Kyle House (mit 1 markiert). Wiederum nördlich davon ist ein gepunktetes Rechteck nah der Klippe des Doctor’s Rock eingezeichnet (mit 2 markiert]. Bei diesem Rechteck dürfte es sich um die Aussichtsplattform und somit um den Batteriestandort handeln.
Die Seite „Parks and Gardens UK“ gibt folgende Informationen:
Der Gemüsegarten befindet sich nördlich des Hauses.
Ein Aussichtspunkt im Garten ist so angelegt, dass er den Blick auf den Leuchtturm auf der gegenüberliegenden Insel Eilean Bhan und die dahinter liegende Festlandlandschaft einrahmt.

Als Batteriestandort ist dieser Bereich erheblich besser geeignet, zum einen wegen der deutlich höheren Lage und dem ebeneren Grund als auch wegen einer optimalen Schussrichtung. Ungefähre GPS-Position: 57.274528, -5.743418:

Es fällt auf, dass auf der Karte von 1903 nordöstlich des Hauses ein gepunkteter Kreis mit dem Wort „Battery“ versehen ist (mit 3 markiert). Die Karte wurde lange vor dem 1. Weltkrieg gezeichnet; was immer dort als „Batterie“ gekennzeichnet ist, muss also deutlich älter sein, möglicherweise aus napoleonischer Zeit.

Laut dem Guy-Bericht bestand die Batterie des 1. Weltkriegs aus zwei 15-Pfünder Geschützen. Die Besatzung von 50 Mann plus Offizieren, die Helen MacRae erwähnt, wird auch in einer weiteren Abhandlung mit dem Titel „Memories of Kyleakin“ (Autorin Mary MacPherson, 1950) bestätigt:
Gegen Ende des Ersten Weltkriegs war amerikanisches Marinepersonal in Kyle of Lochalsh stationiert. Ein großer Teil des Eisenbahnpiers in Kyle of Lochalsh war abgesperrt, und an dieser Stelle wurden von großen Schiffen Minen entladen. Diese Minen wurden per Zug nach Inverness transportiert, wo sie verladen wurden. In ihrer Freizeit setzten die Amerikaner gewöhnlich nach Kyleakin über. Kyle House, das zu dieser Zeit leer stand, war für sie ein gefundenes Fressen, und sie nahmen alles, was sie in die Finger bekamen, als Andenken mit. Kyleakin wurde bald für amerikanische Marineangehörige gesperrt. Um die in Kyle ankommenden und abfahrenden Schiffe vor U-Booten zu schützen, wurde bei Kyle House eine Batterie errichtet. Dort war eine Kompanie von 50 Marines unter dem Kommando eines Majors und eines Leutnants stationiert.

Diese Mannstärke entspricht in ihrer Größenordnung ungefähr der anderer kleiner Küstenbatterien wie Corran Point oder Ru Con, allerdings nur, wenn man annimmt, dass auch die Kyle of Lochalsh Battery über mindestens zwei Suchscheinwerfer verfügte. Darüber habe ich bisher allerdings keine Angaben gefunden, würde aber annehmen, dass es sie gab.

Hier ist der erste Bericht zur Kyle of Lochalsh Battery.

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