Vor 2 Jahren hatte ich von der Welt der digitalen Geländemodelle berichtet, die zu betreten ich damals im Begriff war. Ich hatte mir eine Geoinformationssystemsoftware zugelegt, die einem die Darstellung räumlicher Daten ermöglicht. In diese Software, die leider alles andere als intuitiv ist, habe ich mich mittlerweile leidlich eingearbeitet und bin relativ routiniert darin, Schummerungen zu erstellen. Da ist sicher immer noch viel Luft nach oben, aber das wird hoffentlich die Zeit bringen.
Ich hatte damals auch geschrieben, es sei sehr einfach, an
die Basisdaten für diese Schummerungen zu kommen; sie würden für viele Regionen
kostenlos online zur Verfügung gestellt werden.
In der Praxis hat sich das aber leider als nur sehr begrenzt
zutreffend erwiesen. DGM (Digitales Geländemodell) bzw. DTM (Digital Terrain
Model) Daten findet man haufenweise – wenn man weiß, wo man suchen muss und
wonach man suchen muss. Die meisten Anbieter stellen komfortable
Kartenanwendungen zur Verfügung, auf denen man das in Frage kommende Gebiet
spezifizieren und dann die Daten downloaden kann. Rein technisch also alles
kein Problem.
Die Probleme, die mich aktuell frustrieren, sind zweierlei:
1) Die Auflösung.
DGM- bzw. DTM-Daten werden üblicherweise in einer Auflösung
von 1x1 Meter zur Verfügung gestellt. Um größere Festungsanlagen zu finden und
sich einigermaßen ein Bild darüber zu verschaffen, was man vor Ort vorfindet,
ist diese Auflösung ausreichend. Beispiel: Zwischenwerk 6 Station Manching. In
der Schummerung sieht die Anlage so aus:
Schwieriger wird es schon bei kleineren Anlagen, hier der Infanteriestützpunkt 58 bei Ulm:
Man erkennt, dass da etwas ist, was wohl noch einigermaßen intakt ist, aber Details erkennt man nicht:
Ganz schwierig wird es dann, wenn es um noch kleinere Objekte geht. Das nächste Beispiel zeigt Fort VI „Prinz Karl“ bei Ingolstadt; der rote Pfeil weist auf den südlichen Wachtturm 90:
Wirklich erkennen kann man allenfalls einen Punkt. Erst in einer sehr grobpixeligen Vergrößerung sieht man den Wachtturm:
Dass er in der Vergrößerung leidlich zu sehen ist, liegt vor allem an dem Umstand, dass er ohne darüberliegende Vegetation frei auf einer steinernen Fläche liegt. Bei Festungen, die nicht erschlossen und unter Vegetation verborgen sind, muss eine Menge aus den LiDAR-Punktwolken herauskorrigiert werden: Die Punktwolken werden klassifiziert („echte“ Bodenpunkte werden von der Vegetation getrennt), gefiltert (nur die Bodenpunkte bleiben übrig) und zu einem netzartigen Modell verarbeitet. Bodenreliefs von bewachsenen Arealen sind daher deutlich ungenauer als von bewuchsfreien Arealen, wie das Beispiel Zwischenwerk 1 Gerolfing zeigt:
Der rote Pfeil weist auf den offenen Schacht des südlichen Wachtturms 90. In Realität liegt er unter Bäumen; in der vergrößerten Schummerung kann man mehr erahnen als wirklich sehen:
DGM1, also DGM Daten mit einer Auflösung von 1x1 Meter sind also für meine Zwecke leider nur sehr, sehr begrenzt einsetzbar und versagen völlig, wenn es um relativ kleine Objekte mit pflanzlichem Bewuchs geht.
Dabei ist DGM1 schon ein höherer der weltweit verfügbaren
Standards. Die für Südtirol verfügbare Auflösung beispielsweise beträgt
lediglich 2,5x2,5 Meter, was zu solchen Ergebnissen führt:
Im roten Quadrat erkennt man überhaupt nichts. Im Luftbild sieht es hier so aus:
Es handelt sich um die Forte Landro südlich von Toblach:
Mehr als die Festung selbst interessieren mich die Stellungen in der gegenüberliegenden Wand des Höllensteintals, aber bei einer Auflösung von 2,5x2,5 Metern ist es aussichtslos, davon etwas zu erkennen.
2) Die Abdeckung
Ich muss gestehen, dass ich von Bayern recht verwöhnt bin,
was die LiDAR-Abdeckung angeht: Das gesamte Bundesland ist erfasst, alle DGM-Daten
stehen in einer Auflösung von 1x1 Meter zur Verfügung. Das Gleiche gilt für
Dänemark und zumindest Teile von Frankreich. Wo die Abdeckung leider ganz
schlecht ist, ist ausgerechnet das Land, in dem ich aktuell die meisten
Projekte habe: Schottland. Die nachfolgende Karte zeigt die LiDAR-Abdeckung in
rot:
Legende:
- Corran Point Battery
- Kyle of Lochalsh Battery
- Ru Con Battery
Das sind aktuell meine drei Hauptprojekte in Schottland;
leider gibt es für keins davon irgendwelche LiDAR-Daten. Man kann LiDAR-Befliegungen
natürlich auch privat in Auftrag geben, und das sogar in höheren Auflösungen
als 1x1 Meter. Ich habe ein entsprechendes Angebot für die Corran Point Battery
eingeholt; für eine LiDAR-Befliegung dieses Areals von 3,5 Hektar mit resultierenden
DTM-Daten in 0,5x0,5 Metern Auflösung hätte ich 4.100 Euro zu zahlen! Es
versteht sich von selbst, dass das für einen Privatmann nicht realisierbar ist.
Ich werde also warten müssen, bis die LiDAR-Abdeckung in Schottland auch meine
Zielgebiete abdeckt. Die letzten amtlichen LiDAR Befliegungen (LiDAR for
Scotland Phase 6) fanden 2022 statt; vielleicht habe ich ja Glück und muss auf
Phase 7 nicht mehr allzu lange warten.










