Freitag, 3. April 2026

Die Batterie B am Sulzberg (Festung Straßburg)

Während meines Straßburg-Besuchs 2025 unternahm ich eine kleine Erkundungstour an den Sulzberg zwischen Dahlenheim und Soultz-les-Bains. Hier wurden zwischen 1915 und 1916 einige bemerkenswerte Verteidigungsstrukturen errichtet, darunter die beiden Batterien B und C1 im Südosten. Ich entdeckte damals Überreste einer Batterie, die ich zunächst für C1 hielt:

Die Position ist auf der nachfokgenden Karte mit einem roten Stern markiert:


Zwischenzeitlich bin ich an detailliertere DGM-Daten der Gegend gekommen (in Frankreich heißen die MNT = Modèle Numérique de Terrain), und das sogar in einer Auflösung von 50cm!
Damit sieht das Geländerelief der Umgebung der Batterieüberreste so aus:

Man erkennt deutlich, dass die Batterie C1 weiter südwestlich liegt (die beiden grob in Nord-Süd ausgerichteten Geschützstellungen sind schwach zu erkennen). Bei meinem Fund handelt es sich also um Batterie B:

Mit dieser Erkenntnis konnte ich auch die Gesamtübersicht des Sulzbergabschnitts aktualisieren:

  • IR    = Infanterieraum
  •  O    = Beobachter
  •  B    = Batterie
  • MR = Munitionsraum

Dieses Frühjahr konnte ich vor Ort verifizieren, dass meine Interpretation korrekt ist. Hier ein Schnappschuss des Munitionsraums von C1:


Beide Batterien bildeten so etwas wie eine Einheit mit 4 Geschützen, jeweils 2 in Schussrichtung Norden und Westen; der Munitionsraum von C1 versorgte beide. Die Geschütze, 10cm Kanonen 04, waren in gedeckten Stellungen positioniert. Das Ensemble wurde zwischen Dezember 1915 und Februar 1916 errichtet.

10cm Kanone 04:

Batterie C1 wird Hauptziel meiner nächstjährigen Straßburgreise sein, dann werde ich auch detailliert darüber berichten. Heute geht es jedoch ausschließlich um Batterie B.

Der Zeitpunkt März war für meine diesjährige Untersuchung der Batterie besser gewählt als August wie im letzten Jahr. Im Frühjahr gibt es kaum Vegetation, und man entdeckt Strukturen eher als im Sommer, wenn alles überwuchert ist.

Das zeigt auch das Luftbild, das sicher im Sommer aufgenommen wurde:

Die wesentlichen Überreste der Batterie liegen genau unter der Baumgruppe in der Bildmitte. Das dortige Dickicht war im Sommer so dicht, dass ich den Bereich gar nicht erkunden konnte. Dieses Jahr im März war das erfreulicherweise anders: Ohne Laub war die dort liegende Geschützstellung sofort erkennbar. 

Bevor ich zu den Fotos komme, ist es nötig, sich zuerst anhand eines Plans vor Augen zu halten, was von Batterie B heute noch übrig ist:

Was man hier sieht, ist nicht einmal mehr die Hälfte der ursprünglichen Batterie. 

(1) ist die Geschützstellung, 
(2) sind die Abgänge in die unterirdischen Räume und Gänge, 
(3) sind Licht- und Belüftungsschächte.

Leider ist selbst dieser Rest heute teilweise übererdet. Ich habe versucht, den aktuellen Zustand im Plan darzustellen:

Der Müll, den man überall findet, ist in diesem Plan zum Teil ebenfalls berücksichtigt.
  1. Südwestlicher Treppenabgang der linken Geschützstellung, größtenteils verschüttet, aber erkennbar
  2. Erd- und Müllanhäufung in der linken Geschützstellung
  3. Nordöstlicher Treppenabgang der linken Geschützstellung, teilweise durch Müll verlegt
  4. Südöstlicher Treppenabgang der linken Geschützstellung, freiliegend; Treppe überdeckt
  5. Einbringungsöffnung für das Geschütz
  6. Verschütteter Licht- und Ventilationsschacht, Gang vermutlich ebenfalls verschüttet 
  7. Verschütteter Licht- und Ventilationsschacht, Gang ebenfalls verschüttet
  8. Nordwestlicher Treppenabgang der rechten Geschützstellung, zur Hälfte verfüllt
  9. Südwestlicher Treppenabgang der rechten Geschützstellung, zur Hälfte verfüllt.
Hier die entsprechenden Fotos:

Der südwestliche Treppenabgang der linken Geschützstellung. Es würde massiven Aufwand erfordern, die Öffnung so weit freizulegen, dass sie begehbar wäre.

Die beiden Treppenabgänge auf der Ostseite der Geschützstellung. Der linke (nordöstliche) ist halb mit Müll verlegt, aber prinzipiell begehbar. Der rechte (südöstliche) liegt zwar frei, allerdings ist die Treppe mit Erde überdeckt und rutschig, wodurch von einem Abstieg ohne Hilfsmittel abzuraten ist:

Die Geschütz-Einbringöffnung habe ich von außen fotografiert:

Die beiden Licht- und Ventilationsschächte sind an der Oberfläche nicht mehr auffindbar. Sie wurden zugeschüttet, um das Areal landwirtschaftlich nutzbar machen zu können (Weinanbau).

Von der rechten Geschützstellung gibt es mit Ausnahme eines Teils der westlichen Einfassung mit den beiden Treppenabgängen keine Überreste mehr:

Vor 110 Jahren hätte man an dieser Stelle direkt in eine Geschützmündung geblickt:


Auch der sich an diese Geschützstellung anschließende unterirdische Trakt ist verschwunden. 

Der nordwestliche Treppenabgang ist gut zur Hälfte verschüttet, aber prinzipiell begehbar. Nachfolgend der Abgang von außen, dann ein Blick ins Innere:



Man erkennt eine Abzweigung nach links; dahinter knickt der Gang nach links ab. Hinter dem Knick dürfte er durch den zugeschütteten Lichtschacht ebenfalls verschüttet sein.

Der südwestliche Treppenabgang ist ebenfalls zur Hälfte verfüllt, aber begehbar. Das nächste Foto zeigt ihn von außen, das übernächste von innen. Men erkennt, dass der Gang dort, wo der Lichtschacht ist, verschüttet ist.



Die Licht- und Ventilationsschächte sind ein generelles Problem bei der Begehung der betonierten Batterien im Bereich Aussichtsberg, Scharrachberg und Sulzberg. Da das Areal intensiv landwirtschaftlich genutzt wird, sind die meisten verschüttet, was es sinnlos macht, in die Galerien vorzudringen. Man kommt ein paar Meter weit, dann ist der Weg versperrt. Dass man die Verschüttungen nicht freigraben sollte, versteht sich von selbst.

Wie muss man sich den Ursprungszustand der Batterie nun vorstellen? Ich habe versucht, das in einem CAD-Plan darzustellen, wobei ich zugeben muss, dass er teilweise spekulativ ist. So habe ich z.B. keinerlei Informationen über den unterirdischen Teil, der sich westlich an die linke Geschützstellung anschließt, also habe ich einfach den östlichen Teil der Anlage (der bekannt ist, obgleich verschwunden) gespiegelt:

  1. Geschützstellungen
  2. Batterieeingänge. Am linken Eingang dürfte die Schmalspurbahn des Munitionsraums von Batterie C1 geendet haben
  3. Licht- und Ventilationsschächte. Es ist davon auszugehen, dass die unterirdischen Galerien an all diesen Stellen verschüttet sind

Die Batterie bestand aus armiertem Beton, Wandstärke um die 50cm. Die Galerien lagen unter 1 bis 2 Meter Erde; sie enthielten Munitionsnischen sowie Bereitschaftsräume für die Besatzung. Letztere verfügten über einen Kamin zum Betrieb eines Ofens. 

Zum Schluss noch ein besonderer Aspekt der Batterie: In ihrem heutigen Zustand macht die noch vorhandene Geschützstellung den Eindruck, als hätte es sich um eine offene Stellung gehandelt. Prinzipiell war das auch so. Sie war nicht kaverniert, sehr wohl aber gedeckt. Wie muss man sich das vorstellen? Das Dach einer solchen Geschützstellung war eine einfache Konstruktion aus Eisenbahnschienen und Holzbohlen, die mit Dachpappe abgedichtet und mit Erde überdeckt war. Zur Tarnung wurde die Oberfläche mit Gras und Buschwerk bepflanzt. Diese Dachkonstruktion bot allerdings nur Schutz gegen Splitter, nicht aber gegen direkten Beschuss.

Nicht alle Stellungen wurden beim Bau sofort eingedacht; manche blieben offen. In diesen Fällen wurde das Material für das Dach in der Nähe gelagert, um im Notfall schnell verfügbar zu sein.

Auch bei der Batteriegruppe B und C1 findet man Hinweise auf solche Eindachungen. So sind beiderseits der Geschützeinbringöffnung von Batterie B Eisenbahnschienen vertikal in den Beton eingelassen:

Auf einem eigentlich misslungenen Foto dieser Stellung erkennt man am rechten Bildrand (roter Pfeil) eine rechteckige Öffnung im Beton, wo ein schräger Stützbalken für das Dach eingelassen war:

Ein noch interessanteres Detail hat aber Batterie C1 zu bieten, obwohl die Geschützstellungen dort zugeschüttet wurden:

Auch hier ist die vertikal eingelassene Eisenbahnschiene erkennbar. Viel interessanter sind aber die Holzbohlen links daneben, bei denen ich davon ausgehe, dass es Original-Bohlen sind, die 1916 zur Eindachung verwendet worden waren. Mit Kreosot imprägniertes Eichenholz (wie es z.B. bei Bahnschwellen üblich war) ist enorm widerstandsfähig. Die Balken verdecken den Treppenabgang an dieser Stelle und wurden vermutlich so angebracht, um beim Auffüllen der Stellung zu verhindern, dass der Abgang ebenfalls verfüllt wird.

Resümee: Batterie B ist zwar unvollständig, aber dennoch ein schönes Objekt. Die Gemeinde Dahlenheim hat bereits den Munitionsraum 1 des Scharrachbergabschnitts mustergültig hergerichtet; ich fände es sehr begrüßenswert, wenn sie  sich vielleicht auch um Batterie B kümmern würde, bevor sie völlig im Müll verschwindet.