Dienstag, 21. Juni 2022

Loch Ewe, erster Teil

Der Teaser in meinem letzten Beitrag bezog sich auf meinen diesjährigen Sommerurlaub.

Urlaubsreisen bereite ich gerne sehr detailliert vor. Dieses Jahr sollte es im Frühsommer mal wieder nach Schottland gehen, und eins der Reiseziele sollte Wester Ross an der Nordwestküste sein, genauer Loch Ewe, wovon wir uns Ruhe und Abgeschiedenheit erhofften.

Nun, Loch Ewe ist in der Tat eine ruhige und abgeschiedene Ecke, ein breiter Meeresarm mit einer großen Insel, umgeben von einer majestätischen Bergwelt. Schottland wie aus dem Bilderbuch!

So einsam und abgeschieden war es dort allerdings nicht immer. Bei meinen Reisevorbereitungen stieß ich schnell darauf, dass in der Gegend vor ungefähr 80 Jahren jede Menge los war und es dort viel mehr Menschen gab als heute … Richtig, es geht um den zweiten Weltkrieg. Ist zwar eigentlich (mal wieder) nicht der Scope dieses Blogs, aber dennoch höchst berichtenswert.

Zunächst ein paar Worte zum militärhistorischen Hintergrund.

Kurz nach Beginn des 2. Weltkriegs befürchtete die britische Admiralität deutsche Bomberangriffe auf den damaligen Flottenhafen Scapa Flow und ordnete an, Loch Ewe an der schottischen Nordwestküste als temporären Flottenstützpunkt einzurichten. Bereits 2 Monate später wurde dieser Plan allerdings wieder verworfen, weil die vorhandenen U-Boot-Abwehr-Vorrichtungen von Loch Ewe als zu wenig wirkungsvoll beurteilt wurden. Ein paar Tage später wurde ein britisches Schiff, die HMS Nelson, bei der Einfahrt in das Loch Ewe durch eine von einem deutschen U-Boot gelegte Magnetmine schwer beschädigt, was diese Entscheidung bestätigte.

Loch Ewe diente danach zunächst nur als Ausweichhafen, später als Auftankbasis für Convoys, wodurch es mehr und mehr Bedeutung erlangte. Im Juni 1941 wurde das Dorf Aultbea an der Ostseite des Lochs unter dem Namen „HMS Helicon“ zur Operationszentrale; ab 1942 diente Loch Ewe dann als Sammel- und Ausgangspunkt für die „Arctic Convoys“, die Russland über Murmansk und Archangelsk versorgten. Bis Kriegsende wurden auf diesem Weg mehr als 4 Millionen Tonnen Versorgungsgüter nach Russland geliefert, darunter Flugzeuge, Panzer, LKWs, Nahrungsmittel,  Treibstoff, Munition, Telefonkabel und vieles mehr.

Die Convoyrouten waren dabei sehr gefährlich: Außer Minen und Angriffen durch deutsche U-Boote und Flugzeuge setzten auch die extremen Witterungsbedingungen (Kälte, Eis & Schnee, Stürme, Seegang) den Convoys zu. Bis Kriegsende gingen 85 Handelsschiffe und 16 britische Kriegsschiffe verloren; insgesamt 3.000 alliierte Seeleute verloren ihr Leben.

Wie eingangs angedeutet war auch Loch Ewe selbst gefährdet; das Eindringen des deutschen U-Boots U-31 in das Loch am 27. Oktober 1939 sowie 4 deutsche Luftangriffe 1941 zeugen davon.

Ab Ende 1939 wurden die ersten Flugabwehrstellungen am Loch Ewe etabliert. Die Landspitze Rubha nan Sasan am linken Loch-Ufer erhielt eine Küstenbatterie, die Einfahrt zum Loch wurde mit Anti-U-Boot Netzen, Detektorenschleifen und fernzündbaren Minengürteln gegen U-Boote abgesichert. Auf die einzelnen Verteidigungseinrichtungen gehe ich später ein.

Ab dem Jahreswechsel 1944/45 wurde Loch Ewe als Convoy-Sammelpunkt zugunsten des Clydes wieder aufgegeben; am 6. August 1945 stellte HMS Helicon den Betrieb ein.


(Aultbea, mit der Dashcam aufgenommen)

Wie fängt man nun am besten an, wenn man beschreiben will, was es am Loch Ewe alles zu sehen gibt? Am besten, indem man einen großen Kreis mit 88km Radius um Poolewe im Süden von Loch Ewe zieht. Der militärische Sicherheitsbereich begann im Krieg nämlich bereits am Bahnhof Inverness; alle Zugreisenden in Richtung Achnasheen wurden bereits dort ausführlich überprüft.

Eine weitere Kontrollstation gab es in Achnasheen, 37 km südöstlich von Poolewe, die nächste war in Gairloch. Ein Kontrollpunkt in Laide sicherte die nordöstliche Zufahrt zum Loch Ewe.

Diese Checkpoints sind auch heute noch erhalten, wenngleich sie auch mittlerweile völlig anderen, nichtmilitärischen Zwecken dienen: Das Gebäude in Achnasheen bei der Telefonzelle wurde renoviert und dient offenbar als Wohnhaus (die Kennzeichnung „Old Checkpoint“ weist auf die Verwendung im Krieg hin). Der Checkpoint in Laide ist heute ein General Store mit Tankstelle und Postbüro, und der Kontrollpunkt in Gairloch beherbegt einen Supermarkt:

(Ehemaliger Checkpoint in Gairloch, mit der Dashcam aufgenommen)

Die Straße zwischen Inverness und Laide scheint auch fortifikatorisch abgesichert gewesen zu sein. An der Landstraße A35 befindet sich bei den Koordinaten 57.595083, -4.663889 ein Bunker mit Schießscharte. Zum Anhalten zwecks näherer Untersuchung gibt es dort leider keine Gelegenheit; soweit ich herausfinden konnte, steht der Bunker im Inneren trotz Hanglage unter Wasser.

Unsere Anreise zum Loch Ewe führte uns von Achnasheen aus über Kinlochewe am Loch Mairie entlang nach Gairloch.

Gairloch war, obwohl es nicht am Loch Ewe liegt, im Krieg geprägt von militärischer Präsenz. Das Gelände des heutigen Golfclubs, das man von Süden kommend zuerst passiert, diente der Home Guard als Schießanlage; die Kugelfänge im Green sind auch heute noch gut erkennbar. Das Clubhaus war damals eine Militärkantine, in der Nähe befanden sich Einrichtungen des Royal Army Service Corps. Fährt man weiter, kommt man am Gairloch Hotel vorbei, das im Krieg als Lazarett fungierte. Wer mit einer Übernachtung dort liebäugelt, sollte bei der Zimmerwahl beachten, dass Zimmer Nr. 5 die Leichenhalle war!


Nach dem Hotel folgt der bereits erwähnte Kontrollpunkt, der heute einen Supermarkt beherbergt, und schon geht es wieder hinaus aus Gairloch, den Berg hoch und hinein in eine atemberaubende, karge und majestätische Landschaft. Hier gilt es aufzupassen: Am Loch Tollaidh zweigt bei 57.747300, -5.620222 ein Schotterweg von der Landstraße A832 ab. Folgt man diesem Weg, erreicht man nach 300 Metern eine Gruppe grasbewachsener Hügel; auf dem Weg dahin passiert man diverse Betonfundamente links und rechts des Weges. Des Rätsels Lösung: Bei den Hügeln handelt es sich um die zugeschüttete Flugabwehrbatterie „Loch Tollaidh“ (Synonyme: Blar na Cloiche, Loch Tollie). Sie bestand aus 4 betonierten Stellungen für 3,7-Zoll-Flugabwehrgeschütze und einem Leitstand. Bei den Betonfundamenten handelt es sich um die Reste der Unterkünfte. Es muss damals gut 40 Gebäude gegeben haben, vermutlich sogenannte Nissen Huts, also Gebäude mit halbrundem Profil aus Fertigbauteilen.

Die Batterie wurde nach dem Krieg zunächst als Mülldeponie missbraucht (davon zeugen leider immer noch Spuren) und dann zugeschüttet.

Die nachfolgenden Fotos geben einige Impressionen.

Zufahrtsweg zur Batterie. Der linke Hügel war eine der Geschützstellungen, der sich am rechten Bildrand abzeichnende der Feuerleitstand: 


Blick zurück in Richtung Loch Tollaidh:

Und nochmal Loch Tollaidh:

Blick vom Batterieinneren in Richtung Süden. Links der ehemalige Feuerleitstand, rechts eine Geschützstellung, links im Vordergrund der Ansatz einer weiteren Geschützstellung:

Weiter geht es nach Poolewe, wo man Loch Ewe erreicht, doch dazu mehr im nächsten Blogbeitrag. Aufgrund der Menge an Material wird es noch mindestens 3 weitere Blogbeiträge geben.

Übersicht der siebenteiligen Berichtsreihe über Loch Ewe inklusive Teaser / Overview of the five-part series of reports on Loch Ewe including teaser:

Teaser (Deutsch)

Loch Ewe, erster Teil (Deutsch)

Loch Ewe, zweiter Teil: Das Ostufer (Deutsch)

Loch Ewe, Teil 3: Westufer und Gruinard Bay (Deutsch)

Loch Ewe in the Great War (English)

Ru Con Battery (English)

Teaser: News from Ru Con Battery (English)

Ergänzung zu den Loch Ewe Reiseberichten (Deutsch)


Dienstag, 7. Juni 2022

Teaser

Demnächst auf diesem Blog: Ein Exkursionsbericht über die Suche nach einer Küstenbatterie des 1. Weltkriegs in Nordwestschottland


Übersicht der siebenteiligen Berichtsreihe über Loch Ewe inklusive Teaser / Overview of the five-part series of reports on Loch Ewe including teaser:

Teaser (Deutsch)

Loch Ewe, erster Teil (Deutsch)

Loch Ewe, zweiter Teil: Das Ostufer (Deutsch)

Loch Ewe, Teil 3: Westufer und Gruinard Bay (Deutsch)

Loch Ewe in the Great War (English)

Ru Con Battery (English)

Teaser: News from Ru Con Battery (English)

Ergänzung zu den Loch Ewe Reiseberichten (Deutsch)

Dienstag, 12. April 2022

Die Rebbergstellung bei Straßburg

Nach dem Krieg von 1870/71 wurde die Festung Straßburg in etlichen Schritten bis in den ersten Weltkrieg hinein ausgebaut: 

1872 begann man mit dem Bau von insgesamt 14 Forts in 5 – 7km Entfernung zur Stadtumwallung; diese Arbeiten zogen sich bis 1882 hin. Die Brisanzmunitionskrise ließ diese gerade erst fertiggestellten Festungen quasi über Nacht unmodern werden, was ab 1887 zu weiteren Ausbauschritten führte; so wurden die Forts verstärkt und teilweise mit gepanzerten Artilleriebeobachtern ausgerüstet. Bis 1892 errichtete man fünf Zwischenwerke zur Überbrückung der Abstände zwischen einigen Forts. Zwischen den Festungen wurden als Zwischenfeldbauten bombensichere Infanterie-, Artillerie- und Munitionsräume angelegt. Die aus den Festungen ausgelagerte Artillerie wurde zunächst in offenen Artilleriepositionen untergebracht; erst zwischen 1887 und 1892 errichtete man vier 10cm Schirmlafettenbatterien.

Die bereits beschriebene Kirschbaumbatterie als einzige Panzerkuppelbatterie Straßburgs kam 1901/02 dazu, siehe meine Blogbeiträge dazu hier und hier.

Ab 1903 wurden die Höhenzüge westlich von Straßburg mit einer vorgeschobenen Armierungsstellung befestigt, um ihren strategischen Vorteil nutzen zu können. Ab 1904 entstand dort auch die sogenannte Rebberg-Stellung zur artilleristischen Beobachtung der Nordwestfront.

Die I-Räume der Rebbergstellung wurden 1911 begonnen und 1912 zunächst provisorisch fertiggestellt; es ist davon auszugehen, dass ein weiterer Ausbau in den ersten Kriegsjahren stattfand.

Für meinen jüngsten Besuch in Straßburg hatte ich mir eine Erkundung dieser Rebbergstellung auf die Agenda geschrieben. Sie befindet sich ca. 1,5km nordwestlich des Zwischenwerks Baden-Bismarck (Ouvrage Frère-Kleber) bei Oberhausbergen:


Legende:

1 = Rebbergstellung
2 = Zwischenwerk Baden-Bismarck
3 = Stadtumwallung (Enceinte)

Die folgende Karte zeigt den Standort rot umrandet:


(Wichtiger Hinweis: Diese Karte genau wie alle folgenden Luftbilder entstammen der OpenStreetMap-Seite und sind unter der Open-Database-Lizenz verfügbar.)

Viele Informationen waren es ansonsten nicht, die ich bei meiner Vorbereitung nutzen konnte. Am meisten half mir eine Kartendarstellung, die ich im Internet fand, und aus der ich den Stellungsverlauf extrahiert habe:


Man erkennt 4 größere Bunker (die Infanterieräume I 57 und I 58 sowie die beiden Infanteriewerke J I und J III) und ein Grabensystem mit diversen betonierten Schutzräumen („S“) und zwei Bunkern („B“). Vor Ort waren diese Elemente problemlos zu finden:


Die Gräben sind natürlich heutzutage zugeschüttet und im Gelände nicht mehr erkennbar. Sie dürften zumindest in der vorderen Linie ursprünglich einen solchen Verlauf gehabt haben (nicht maßstabsgetreue Prinzipskizze):


Bei archäologischen Ausgrabungen zwischen Enzheim und Geispolsheim (südwestlich von Straßburg) im Jahre 2008 konnte dieser Grabentyp nachgewiesen werden.

Der Grabenverlauf der vordersten Linie lässt sich anhand der ehemaligen betonierten Schutzräume wenigstens grob rekonstruieren. Die nachfolgenden Fotos zeigen diese Schutzräume von Ost nach West:





Alle Schutzräume sind verschüttet; man erkennt allenfalls noch den oberen Teil der 88cm breiten Eingänge:



Wie diese Schutzräume zumindest von außen aussahen, zeigt beispielsweise ein Schutzraum bei Reichstett, der heute komplett oberirdisch liegt; GPS-Daten 48°38'21.3"N 7°45'42.7"E (48.639238, 7.761870). Leider sind die Eingänge verschlossen; aufgrund der Form und der Dimensionen gehe ich von folgendem inneren Aufbau aus (nicht maßstabsgetreue Prinzipskizze):

Von den beiden I-Räumen der Rebbergstellung ist I 57 komplett verschüttet; es liegt nur ein kleines Stück der südlichen Wand frei:

I 58 ist zwar zugänglich, aber augenscheinlich in Privatbesitz. Im Inneren findet sich eine neue Stahltür mit Sicherheitsschloss, weswegen ich von einer näheren Erkundung abgesehen habe:



Die Treppe in den Bunker hinein sowie ihre Blechverkleidung sind mit einiger Sicherheit in neuerer Zeit angebracht worden:


Nun zu den Infanteriewerken. J I ist ebenfalls in Privatbesitz. Der Eingang ist durch einen verschlossenen Schuppen verdeckt; überhaupt sieht man von diesem Bunker kaum etwas:


Im Gegensatz dazu ist J III gut zugänglich. Das Werk verläuft in dem Wäldchen, in dem es liegt, von Nordosten nach Südwesten. Der nordöstliche Zugang ist zwar vom Weg aus schneller erreichbar, aber durch allerlei davor abgelagerten Müll nicht wirklich gut nutzbar:


Der Südwesteingang ist erheblich besser begehbar:



Bevor ich mit Fotos weitermache, ein paar Worte zur Gesamtanlage.

J III mit seinen benachbarten Funktionselementen stellt einen eigenen Infanteriestützpunkt dar. Infanteriestützpunkte dieser Art gab es beispielsweise auch in Köln. Die Seite „Kölner Festungsbauten“ zeigt einige Beispiele; insbesondere der Plan des Infanteriestützpunkts Hermannshof und ein altes Foto des Infanteriestützpunkts Schönrath zeigen deutliche Parallelen zu J III, wobei anzumerken ist, dass der zentrale Bunker von J III keine freiliegende Front hat, sondern mit Ausnahme der beiden Eingangsbereiche komplett unterirdisch ist.

Zu dem Infanteriestützpunkt J III gehören neben den Gräben samt Schutzräumen auch zwei Wachträume, im eingangs gezeigten Plan mit „B“ markiert, hier im Luftbild gekennzeichnet:


Der zentrale Bunker der Anlage dürfte für ca. 120 Mann Besatzung plus Offiziere vorgesehen gewesen sein, ausgehend von einer Belegung von 40 Mann pro Mannschaftskasematte. Er stellt ein für seine Zeit hochmodernes Schutzbauwerk dar mit Unterkunfts- und Lagerräumen, einer Küche, einer Latrine mit großer Abwassergrube und sogar einem Lazarett, alles eingeschossig angelegt. Die Räume wurden über ein Ventilationssystem mit Außenluft versorgt. Über die elektrische Ausstattung kann ich leider keine Aussage machen; einen Generatorenraum konnte ich nicht identifizieren. Eine zentrale Heizung scheint es nicht gegeben zu haben.

An jedem Ende des Bunkers befinden sich zwei über Eck liegende Eingänge mit einer dazwischen positionierten Nahverteidigungsscharte. Die Lochplatten über und neben den Eingängen verbergen die Luftein- und -auslässe für das Lüftungssystem. Die Nische neben dem rechten Südwesteingang (siehe Bild oben) ermöglicht den Zugang zur Abwassergrube.

Nun die Fotos aus dem Inneren, als erstes ein Blick vom Eingangsbereich aus in den zentralen Gang:


Hier die Innenseite des Eingangsbereichs mit zentraler Scharte:


Der erste Raum auf der rechten Seite ist die Latrine mit insgesamt 7 Toilettenschüsseln, was eher für eine Feste dimensioniert zu sein scheint:


Einen guten Eindruck, wie die Latrine ursprünglich ausgesehen haben muss, vermittelt die Latrine der Feste Kaiser Wilhelm II in Mutzig:


Mit Schieber verschließbare Abluftöffnung:


Ein vergleichbares Element aus der Feste Kaiser Wilhelm II …

… und aus der Feste Freiherr von der Goltz (Metz):


Das nächste Foto zeigt einige markante Elemente:


Die Nische zuoberst mit den beiden herausragenden Eisenträgern beherbergte vermutlich einen Lüftungsventilator. Diese Ventilatoren waren an ein offen verlaufendes Rohrsystem angeschlossen und wurden von Hand betrieben; hier ein Beispiel aus der Feste Kaiser Wilhelm II (der rote Pfeil weist auf den Ventilator):


Die Nische unterhalb der Ventilatornische auf dem J III Foto dürfte im Zusammenhang mit dem manuellen Ventilatorantrieb stehen, darunter ist eine verschließbare Zuluftöffnung zu sehen. Hier ein vergleichbares Beispiel aus der Feste Kaiser Wilhelm II:


Blick zurück zum Eingangsbereich:


Der nächste Raum hinter der Latrine ist eine Mannschaftsunterkunft. An der Rückwand erkennt man auch hier die beiden charakteristischen Nischen:


Gegenüber dieses Raums zweigt ein Gang vom Hauptgang ab, der allerdings blind an einer Ziegelmauer endet:


Ein hochinteressanter Raum ist die Küche:


Im hinteren Teil sind zwei kleine Räume abgeteilt. Der linke enthält einen großen Wassertank:


Der rechte Raum dürfte zur Lagerung von Lebensmitteln gedient haben.

Zum Hauptgang hin verfügt die Küche über ein Ausgabefenster:


Was diese Küche aber so bemerkenswert macht, ist die Dimension, in der hier gekocht werden konnte. Die Kochkessel sind zwar demontiert, aber ihre Fundamentreste lassen sich im Schutt auf dem Boden noch gut erkennen:


Insgesamt gab es drei Kochkessel, was der Ausstattung der Festen entsprach, hier am Beispiel Feste Kaiser Wilhelm II in Mutzig und Feste Prinzregent Luitpold in Metz:



Zurück im Hauptgang befindet sich gegenüber der Küche eine Nische, die wohl ein Spülbecken zum Reinigen der Essnäpfe beherbergt hat:


Hier eine vergleichbare Einrichtung aus der Feste Kaiser Wilhelm II:


Die nächsten beiden Räume nach der Küche sind Mannschaftsunterkünfte. Sehr schön zu sehen: Die beiden Nischen für die Lüftung und zwei Zuluftöffnungen in Bodennähe:


Eine weitere Besonderheit der Unterkünfte: Die Soldaten schliefen in Hängematten. Die Haken dienten zur Befestigung dieser Hängematten, auf die darüber herausragenden Metallträger waren Bretter zur Ablage der Ausrüstung montiert:


Wie das in natura vermutlich ausgesehen hat, zeigt eine Unterkunftskasematte der Feste Obergentringen (Thionville).

Blick in Richtung Hauptgang:


Gegenüber der Unterkunftsräume zweigt erneut ein blind endender Gang vom Hauptgang ab, der allerdings deutlich kürzer ist als der andere:


Der letzte Raum hinter den Unterkunftsräumen ist das Lazarett. Genau wie die Latrine am anderen Ende des Bunkers weist auch dieser Raum eine schräge Wand auf:


Eine Erklärung für diese schrägen Wände habe ich leider nicht. Auf der Außenseite verlaufen die Bunkerwände rechtwinklig:


Weitere Impressionen des Lazarettraums:



Nahaufnahme der Abluftöffnung zum Hauptgang hin:


Das Lazarett hat auch eine Schießscharte. Des Rätsels Lösung: Nahverteidigung des Eingangsbereichs!


Dem gleichen Zweck diente auch an diesem Bunkerende eine zentrale Schießscharte zwischen beiden Eingängen:



Abschließend ein Blick zurück in den Hauptgang:


Aus der Erinnerung heraus, unterstützt durch die Fotos, habe ich folgende nicht maßstabsgerechte Prinzipskizze erstellt, die sicher in vielen Aspekten verbesserungsbedürftig ist:


    Legende:
1         Nordosteingang
S         Schießscharte
2         Lazarett
3         Wachpostenraum? (*)
4         Stichgang
5         Mannschaftsunterkunft
6         Mannschaftsunterkunft
7         Küche
8         Nebenraum mit Wassertank
9         Lagerraum für Lebensmittel
10       Offiziersunterkunft mit Telegrafenstation (*)
11       Mannschaftsunterkunft
12       Stichgang
13       Wachpostenraum? (*)
14       Latrine
15       Südwesteingang

(*) Den rot gekennzeichneten Räumen 3, 10 und 13 habe ich vor Ort weniger Beachtung geschenkt und sie leider auch nicht fotografiert; das wird
     Gegenstand eines weiteren Besuchs sein.

Neben den beiden asymmetrischen Räumen an den Bunkerenden bereiten mir auch die vom Hauptgang abzweigenden Stichgänge Interpretationsprobleme: Durch ihre unterschiedliche Länge ergibt sich theoretisch eine Asymmetrie des gesamten Bunkers. Das scheint mir unplausibel, von außen verifizieren konnte ich es leider nicht.

Es ist zu vermuten, dass beide Gänge dazu dienten, das Werk zu erweitern, was dann im Verlauf des Krieges nicht mehr realisiert wurde. Dafür würde auch die Überdimensionierung von Küche und Latrine sprechen. Bei meinem nächsten Besuch werde ich nach weiteren Hinweisen suchen, die diese Hypothese belegen – oder aber widerlegen.

Abschließend vollständigkeitshalber noch einige Fotos der beiden Wachträume, beginnend mit dem nördlich gelegenen, leider komplett verschüttet:


Auch der südliche Wachtraum ist verschüttet:


Von Nahem erkennt man zumindest die Oberkante des Eingangs:


Fazit der kurzen Exkursion: Der Infanteriestützpunkt J III ist definitiv mindestens einen weiteren und ausführlicheren Besuch wert. Themen dieses Besuchs werden sein:
- Verifizierung der Hypothese einer möglichen Erweiterung von J III
- Erkundung der Stichgänge: Warum die unterschiedliche Länge?
- Erkundung der schrägen Wände von Latrine & Lazarett; verbergen sich dahinter eventuell weitere Räume?
- Suche nach Resten der Elektroversorgung: Generator? Stromleitungen? Steckdosen, Lichtschalter?
- Untersuchung und Dokumentation der Räume 3, 10 und 13

Schade, dass Straßburg so weit weg ist …

Hinweis: Einen kurzgefassten Bericht über eine Straßburg-Exkursion 2014 gibt es hier.