Montag, 12. Januar 2026

Digitale Geländemodelle – Ein erster Erfahrungsbericht

Vor 2 Jahren hatte ich von der Welt der digitalen Geländemodelle berichtet, die zu betreten ich damals im Begriff war. Ich hatte mir eine Geoinformationssystemsoftware zugelegt, die einem die Darstellung räumlicher Daten ermöglicht. In diese Software, die leider alles andere als intuitiv ist, habe ich mich mittlerweile leidlich eingearbeitet und bin relativ routiniert darin, Schummerungen zu erstellen. Da ist sicher immer noch viel Luft nach oben, aber das wird hoffentlich die Zeit bringen.

Ich hatte damals auch geschrieben, es sei sehr einfach, an die Basisdaten für diese Schummerungen zu kommen; sie würden für viele Regionen kostenlos online zur Verfügung gestellt werden.

In der Praxis hat sich das aber leider als nur sehr begrenzt zutreffend erwiesen. DGM (Digitales Geländemodell) bzw. DTM (Digital Terrain Model) Daten findet man haufenweise – wenn man weiß, wo man suchen muss und wonach man suchen muss. Die meisten Anbieter stellen komfortable Kartenanwendungen zur Verfügung, auf denen man das in Frage kommende Gebiet spezifizieren und dann die Daten downloaden kann. Rein technisch also alles kein Problem.

Die Probleme, die mich aktuell frustrieren, sind zweierlei:

1) Die Auflösung.

DGM- bzw. DTM-Daten werden üblicherweise in einer Auflösung von 1x1 Meter zur Verfügung gestellt. Um größere Festungsanlagen zu finden und sich einigermaßen ein Bild darüber zu verschaffen, was man vor Ort vorfindet, ist diese Auflösung ausreichend. Beispiel: Zwischenwerk 6 Station Manching. In der Schummerung sieht die Anlage so aus:


Schwieriger wird es schon bei kleineren Anlagen, hier der Infanteriestützpunkt 58 bei Ulm:

Man erkennt, dass da etwas ist, was wohl noch einigermaßen intakt ist, aber Details erkennt man nicht:

Ganz schwierig wird es dann, wenn es um noch kleinere Objekte geht. Das nächste Beispiel zeigt Fort VI „Prinz Karl“ bei Ingolstadt; der rote Pfeil weist auf den südlichen Wachtturm 90:

Wirklich erkennen kann man allenfalls einen Punkt. Erst in einer sehr grobpixeligen Vergrößerung sieht man den Wachtturm:

Dass er in der Vergrößerung leidlich zu sehen ist, liegt vor allem an dem Umstand, dass er ohne darüberliegende Vegetation frei auf einer steinernen Fläche liegt. Bei Festungen, die nicht erschlossen und unter Vegetation verborgen sind, muss eine Menge aus den LiDAR-Punktwolken herauskorrigiert werden: Die Punktwolken werden klassifiziert („echte“ Bodenpunkte werden von der Vegetation getrennt), gefiltert (nur die Bodenpunkte bleiben übrig) und zu einem netzartigen Modell verarbeitet. Bodenreliefs von bewachsenen Arealen sind daher deutlich ungenauer als von bewuchsfreien Arealen, wie das Beispiel Zwischenwerk 1 Gerolfing zeigt:

Der rote Pfeil weist auf den offenen Schacht des südlichen Wachtturms 90. In Realität liegt er unter Bäumen; in der vergrößerten Schummerung kann man mehr erahnen als wirklich sehen:

DGM1, also DGM Daten mit einer Auflösung von 1x1 Meter sind also für meine Zwecke leider nur sehr, sehr begrenzt einsetzbar und versagen völlig, wenn es um relativ kleine Objekte mit pflanzlichem Bewuchs geht.

Dabei ist DGM1 schon ein höherer der weltweit verfügbaren Standards. Die für Südtirol verfügbare Auflösung beispielsweise beträgt lediglich 2,5x2,5 Meter, was zu solchen Ergebnissen führt:

Im roten Quadrat erkennt man überhaupt nichts. Im Luftbild sieht es hier so aus:

Es handelt sich um die Forte Landro südlich von Toblach:

Mehr als die Festung selbst interessieren mich die Stellungen in der gegenüberliegenden Wand des Höllensteintals, aber bei einer Auflösung von 2,5x2,5 Metern ist es aussichtslos, davon etwas zu erkennen.

2) Die Abdeckung

Ich muss gestehen, dass ich von Bayern recht verwöhnt bin, was die LiDAR-Abdeckung angeht: Das gesamte Bundesland ist erfasst, alle DGM-Daten stehen in einer Auflösung von 1x1 Meter zur Verfügung. Das Gleiche gilt für Dänemark und zumindest Teile von Frankreich. Wo die Abdeckung leider ganz schlecht ist, ist ausgerechnet das Land, in dem ich aktuell die meisten Projekte habe: Schottland. Die nachfolgende Karte zeigt die LiDAR-Abdeckung in rot:

Legende:

  1. Corran Point Battery
  2. Kyle of Lochalsh Battery
  3. Ru Con Battery

Das sind aktuell meine drei Hauptprojekte in Schottland; leider gibt es für keins davon irgendwelche LiDAR-Daten. Man kann LiDAR-Befliegungen natürlich auch privat in Auftrag geben, und das sogar in höheren Auflösungen als 1x1 Meter. Ich habe ein entsprechendes Angebot für die Corran Point Battery eingeholt; für eine LiDAR-Befliegung dieses Areals von 3,5 Hektar mit resultierenden DTM-Daten in 0,5x0,5 Metern Auflösung hätte ich 4.100 Euro zu zahlen! Es versteht sich von selbst, dass das für einen Privatmann nicht realisierbar ist. Ich werde also warten müssen, bis die LiDAR-Abdeckung in Schottland auch meine Zielgebiete abdeckt. Die letzten amtlichen LiDAR Befliegungen (LiDAR for Scotland Phase 6) fanden 2022 statt; vielleicht habe ich ja Glück und muss auf Phase 7 nicht mehr allzu lange warten.

Donnerstag, 8. Januar 2026

Alle Jahre wieder ... Die Batterie St. Peter

Auch dieses Jahr habe ich die Zeit über den Jahreswechsel wieder auf Eiderstedt verbracht, und natürlich habe ich mich auch dieses Mal wieder mit der Batterie St. Peter befasst.

Seit meinem letzten Besuch vor einem Jahr bin ich nicht untätig gewesen und habe mich natürlich mit der Lokalisierung der Batterie beschäftigt. Im April 2025 habe ich über neue Luftbilder berichtet, die ich mir von der Schottischen NCAP (National Collection of Aerial Photography) besorgt hatte (Link zum Beitrag). Auf allen mir zur Verfügung stehenden Luftbildern ist lediglich eine der 8 Geschützplattformen eindeutig identifizierbar; sie ist auf zwei Luftbildern sehr deutlich zu erkennen. Bisher ging ich davon aus, es müsse sich um Plattform Nr. 5 (von Ost nach Nordwest gezählt) handeln, diese Hypothese galt es zu verifizieren.

Das Luftbild vom März 2024, aufgenommen am 29.11.1940, lieferte die meisten Anhaltspunkte für eine Lokalisierung. Ich habe es über eine OpenStreetMaps-Kartendarstellung gelegt:

Bedingt durch die perspektivische Verzerrung des Luftbilds ist das die beste erreichbare Näherung. Speziell die Badallee, der Doktor-Felten-Weg, der heutige Fasanenweg und die heutige Eiderstädter Straße lassen sich auf dem Luftbild gut erkennen. Gemäß dieser Projektion lag die mutmaßliche Geschützplattform Nr. 5 rechts neben dem Gorch-Fock-Weg. Auf dem Luftbild ist auch ein zweites Konstrukt erkennbar, das eine Geschützplattform sein könnte (hier südlich des Parkplatzes der Utholm-Sporthalle zu sehen), aber mir fehlt immer noch die Verifizierung durch ein zweites Luftbild.

Wo befanden sich aber nun die anderen Geschützplattformen? Der einzige existierende Batterieplan stammt von der Interalliierten Militärkontrollkommission aus dem Jahr 1924 (Link zum Beitrag). Er ist leider alles andere als genau und für eine Lokalisierung durch Projektion auf eine moderne Karte nur äußerst begrenzt verwendbar. Zumindest die wesentlichen Straßen konnte ich identifizieren:

Ich habe versuchsweise die Geschützplattformen und den Pfad, der heute einem Teil des Fasanenwegs und einem Teil des Waldwegs nördlich des Dr.-Felten-Wegs entspricht, über die OpenStreetMaps Karte gelegt. Das Ergebnis ist überraschend aufschlussreich:

Die Geschützplattform auf den Luftbildern wäre nach dieser Projektion die Nummer 6. Das zweite Konstrukt östlich davon wäre nach dieser Projektion ebenfalls eine Geschützplattform, nämlich Nummer 1.

Hauptaufgabe für meinen Besuch in St. Peter-Ording vor einer Woche war natürlich die Spurensuche vor Ort, wobei das Bodenrelief nicht sehr erfolgversprechend war:

Im rot umrandeten Bereich müsste die mutmaßliche Geschützplattform Nr. 6 gelegen haben. Wie Sie sehen ... sehen Sie nichts!

Zwischen Gorch-Fock-Weg und Fasanenweg verläuft beinahe mittig und parallel zu den beiden Straßen ein Fußweg. Ich hoffte, von dort aus etwas erkennen zu können, wurde aber vor Ort enttäuscht. Auf dem folgenden Foto müsste die Plattform 6 irgendwo hinter der Holzwand auf der linken Seite gewesen sein. Die Holzwand ist leider ziemlich lang und ziemlich hoch - man sieht hier wirklich überhaupt nichts.

Plattform 5 müsste auf der anderen Seite gelegen haben, doch auch dort ließ sich nichts erkennen. Fotografieren konnte ich das Gelände auch nicht, da dort Wohnhäuser stehen. Ich begnügte mich daher damit, den Weg in entgegengesetzter Richtung zu fotografieren. Plattform Nr. 5 hätte irgendwo links davon liegen müssen:

Vollständigkeitshalber noch ein paar Fotos zu den Standorten der Plattformen 1-3; das erste zeigt den Weg von Süden in das Wäldchen bei der Utholm-Schule hinein. Die Plattformen 1 und 2 müssten sich rechts vom Weg befunden haben, Plattform 3 links davon:

Auch das Areal links des Weges konnte ich wegen der Wohnhäuser nicht fotografieren, wohl aber den Waldboden, der dort auffallend sandig ist (ehemalige Dünenlanschaft):

Eine sandüberdeckte Geschützplattform müsste sich mit der Bodensonde gut aufspüren lassen, aber eine derart große Fläche wollte ich ohne ordentliche Genehmigung nicht sondieren.

Das letzte Foto zeigt das Areal, auf dem die Plattformen 1 und 2 gelegen haben müssen:

Die roten Nummern unten rechts auf den Fotos beziehen sich auf folgende Darstellung, die die jeweilige Blickrichtung der Aufnahmen zeigt:

Zusammenfassend scheint es so zu sein, dass von den 8 Geschützplattformen mindestens 6 den Baumaßnahmen in diesem Gebiet zum Opfer gefallen sind. 1 oder 2 Plattformen könnten im Utholm-Wäldchen gelegen haben; das wäre zu verifizieren. Es gilt das gleiche Motto wie üblich: Ich habe nun ein Jahr Zeit, den nächsten Besuch vorzubereiten ...

Durch einen glücklichen Zufall bin ich übrigens auf ein Foto gestoßen, dass eine 15cm Uboots- und Torpedoboots-Kanone L/45 auf Lafette C/16 in einer Deichbatterie zeigt:

Es handelt sich um die Batterie auf der Insel Neuwerk, bestückt mit 4 dieser Geschütze. An dieser Stelle vielen Dank an Herrn Brütt von der Seite Festungswerke Cuxhaven, der mir freundlicherweise die Verwendung des Fotos gestattet hat.

Die Geschützsockel auf Neuwerk waren fast baugleich zu denen der Batterie St. Peter:

Die Batterie St. Peter muss also sehr ähnlich ausgesehen haben!

Das letzte Foto für heute zeigt den Unterseekreuzer U155, der 1917 durch Umbau des ehemaligen Handels-U-Boots "Deutschland" entstand. 1918 bekam das U-Boot zwei 15cm Geschütze L/45 auf Lafette C/16.


Übersicht der Blogbeiträge zur Batterie St. Peter: