Im Lauf der Zeit wurde mein Interesse am Fort de Tavannes immer zielgerichteter. Es reizte mich nicht mehr nur, jeden Winkel der Festung zu erkunden - ich wollte herausfinden, wie ich die Befunde vor Ort zu interpretieren hatte. Zunächst war ich auf Sekundärliteratur angewiesen, die ich im Museumsshop des Mémorials und diversen Buchhandlungen in Verdun erstand - Internet gab es damals noch nicht. Später kamen die Stadtbibliothek Verdun, die Bibliothek des Mémorials und die Universitätsbibliothek Saarbrücken dazu. Wirklich viele Erkenntnisse brachten mir aber all diese Quellen nicht.
Einen massiven Rückschlag in meinen Forschungsaktivitäten erlitt ich, als ich mich als junger Apotheker mit dem Problem konfrontiert sah, dass der Stellenmarkt in der pharmazeutischen Industrie im Saarland sehr, sehr, sehr begrenzt war. Notgedrungen musste ich meine Heimat also verlassen und ging nach Franken, wo ich heute noch lebe, So schön es hier ist, so hat Franken jedoch einen gravierenden Nachteil: Es ist gut 400 Kilometer von der deutsch-französischen Grenze entfernt und 530 Kilometer von Verdun - viel zu weit, um mal schnell an einem Sonntag hinzufahren.
Zum Glück wurde kurz nach meinem beruflichen Wechsel eine Erfindung namens "Internet" populär, dessen Vorzüge ich ab ca. Mitte der 1990er Jahre schnell schätzen lernte. Ich stellte plötzlich fest, dass ich nicht der einzige war, der sich für die Forts von Verdun interessierte, und so konnte ich mir schnell ein solides Netzwerk aufbauen, das mich erst wirklich darin weiterbrachte, Tavannes zu erforschen. Ziemlich zeitnah entstand dann auch meine erste Website www.tavannes.de, aus der sich im Lauf der Zeit dieser Blog entwickelt hat.
Irgendwann gab es in Bezug auf das Fort de Tavannes keine offenen Fragen mehr. Die letzte hatte sich 2006 geklärt, als wir den unfertigen Verbindungstunnel zwischen Tunnel und Fort de Tavannes fanden und so das Gerücht seiner Existenz bestätigen konnten; danach ließ mein Interesse am Fort de Tavannes merklich nach, und ich widmete mich anderen Festungsobjekten aus der Zeit zwischen 1848 und 1918.
Das größte Handicap war allerdings immer mein Beruf. Als Pharmazeut in der pharmazeutischen Industrie, das bedeutete viel Arbeit und wenig freie Zeit. Einem Forschungshobby nachzugehen, war unter diesen Bedingungen extrem mühselig. Jahrelang musste ich mich damit begnügen, einmal im Jahr für ein Wochenende auf Forschungsexkursion zu gehen; mehr war nicht drin. Meinen Blog konnte ich nur noch sporadisch betreiben.
Mittlerweile bin ich der Pharmabranche zum Glück entronnen und im Ruhestand. Es wird hier also zukünftig wieder mehr zu lesen geben.




