Sonntag, 29. März 2020

Das Fort IIIa bei Wettstetten

Die SARS-CoV-2-bedingte häusliche Absonderung hatte zwar zur Folge, dass die geplante Frühjahrsexkursion nach Antwerpen ausfallen musste, verschaffte mir allerdings genügend Muße, mich mal wieder der Festungsstadt vor meiner Haustür zu widmen: Ingolstadt.

Der heutige Blogbeitrag beschäftigt sich daher mit Fort IIIa bei Wettstetten, einem der beiden einzigen Ingolstädter Forts, die mit einer Panzerkuppel ausgerüstet waren.

Zur Lage: 
Zum Zeitpunkt seiner Erbauung befand sich das Fort ca. 950m südwestlich von Wettstetten. Die Ortserweiterung hat das Fort jedoch längst erreicht, und so ist das Kernwerk heute komplett von Wohnhäusern umgeben. Es liegt in einem Dreieck, das von der Josef-Fleischmann-Straße, der Max-Emanuel-Straße und der Straße „Am Fort“ gebildet wird; der einzige Zugang führt am Ende einer von der Max-Emanuel-Straße ausgehenden Stichstraße über die rechte Schulter ins Fort.

Zur baulich-technischen Ausführung:
Das relativ kleine Fort IIIa vervollständigte den nordwestlichen Abschnitt des vorgelagerten Festungsrings durch seine Position zwischen Fort III / von der Tann (Entfernung 2,90 km) und Fort V / Orff (Entfernung 2,04 km).
Es hatte einen fünfeckigen Grundriss und war ursprünglich in Ziegelmauerwerk mit Zementmörtel und Erdummantelung ausgeführt, umgeben von einem trockenen Graben.
Gegenüber den größeren Ingolstädter Forts wies es - genau wie Fort Va - einige konstruktive Besonderheiten auf:
- Die Kehlkaserne war nicht bastioniert und nur eingeschossig
- Der Kehlgraben wurde durch eine an die Kehlkaserne angebaute Kaponniere flankiert

Zur Flankierung des restlichen Grabens verfügte es über eine Saillant- und zwei Schulterkaponnieren.
Auf der Saillantkaponniere befand sich der manuell betriebene Gruson-Panzerdrehturm für zwei 15cm Ringkanonen (Nr. 17 oder 18) mit 4 Metern Durchmesser und 200 Tonnen Gewicht. 
Seine Versorgungsinfrastruktur bestand aus 4 Munitionsaufzügen, 2 Kartuschräumen, 2 Geschossräumen und einem Zündungsraum.

Schnittzeichnung eins Gruson-Panzerturms nach Herman Frobenius:

Schnittzeichnung eins Gruson-Panzerturms aus "Constructions-Details der Kriegsbaukunst", 1878:


Die beiden Geschossebenen der Saillantkaponniere von Fort IIIa:



Es gab außerdem 2 Pulvermagazine unter den Facen, 2 Geschossräume und einen Munitions-Arbeitsraum unter der rechten Face.

Im Hinblick auf spätere Ausführungen seien noch die 5 Hohlbauten / Hohltraversen auf dem Wall mit Wacht- und Bereitschaftsräumen erwähnt (im Werksplan die Nummern 36 bis 32 von links nach rechts). Nr. 35 über dem Kriegspulvermagazin, Nr. 34 über der Kaserne in der Spitze und Nr. 33 über dem Munitions-Arbeitsraum / Ladesystem.

Das Fort bot Unterkunft und Infrastruktur für eine Besatzung von 1 Kommandant, 50 Offiziere, 174 Mannschaften (Stand 1907).

Nachfolgend ein kurzer Abriss zur Historie von Fort IIIa:
November 1876:        Vorschlag zum Bau eines permanenten Zwischenwerks Nr. 3 auf dem Ochsenthomerberg mit 10 Geschützen und einem 
                                   Panzerdrehturm für zwei 15cm Ringkanonen auf der Saillantkaponniere
19.12.1878:                Genehmigung des Entwurfs durch das königlich-bayerische Kriegsministerium
06.03.1879:                Genehmigung des Vertrags zur Lieferung des Panzerdrehturms mit der Fabrik H. Gruson, Bruckau bei Magdeburg, durch das 
                                   königlich-bayerische Kriegsministerium. Mit der Lieferung der Minimalschartenlafetten C/72 wurde die Geschützgießerei 
                                   Spandau beauftragt.
15.08.1879:                Baubeginn
30.09.1882:                Abschluss der Bauarbeiten
19.10.1882:                Fertigstellung
30.10.1882:                Übergabe an das königlich-bayerische Festungs-Gouvernement
09.11.1882:                Umklassifizierung als „Fort IIIa“

Folgen der Brisanzmunitionskrise Mitte der 1880er Jahre:
03.04.1888 - 30.07.1889: Bau zweier permanenten Anschlussbatterien für je 4 Geschütze mit Munitions- und Untertreträumen
26.01.1889 - 25.01.1891: Verstärkung des Forts. Alle Hohlbauten mit Ausnahme des  Kriegspulvermagazins, der Saillant- sowie der beiden 
                                   Schulterkaponnieren wurden mit einer Zwischenschicht aus Granit-Zementbeton auf Sandpolster in einer Gesamtdicke bis zu 
                                   2,20m überdeckt. Das Konzept sah die Unterbringung der schweren Munition für die Anschlussbatterien in der Kehlkaserne, 
                                   der Munition für die Infanteriebesatzung im Saillantkasemattenkorps vor.
1890:                          Verbesserung der Sturmfreiheit durch Hindernisgitter auf der Kontereskarpe vor der Saillant- und den Schulterkaponnieren 
                                   und im Kehlgraben am Fuß der Kehlkontereskarpe
1893                           Einbau zweier Beobachtungsstände (splittersicherer Wachtturm 90 der Fa. Gruson) in den Schultern

Wachtturm 90 im Fort Prinz Karl:



01.07.1895 – 01.11.1895: Einbau von elektrischen und mechanischen Alarmierungseinrichtungen
1895/96:                     Umbau der Anschlussbatterien in eng traversierte Batterien (jedes einzelne Geschütz zwischen 2 Traversen)

Im ersten Weltkrieg diente das Fort als Kriegsgefangenenlager für Mannschaften und Offiziere, im zweiten Weltkrieg zur Herstellung und Lagerung von Muniton.
Im Frühjahr 1946 wurde das Fort durch US-Pioniere gesprengt. Im Anschluss wurde der Panzerturm verschrottet und das Fort als Steinbruch genutzt.

Mein bisher einziger Besuch des Forts IIIa fand im Juli 2004 statt. Da mir damals keine detaillierteren Informationen oder gar Pläne vorlagen und dichte Vegetation die Orientierung im Gelände extrem erschwerte, war nur eine kurze Stippvisite möglich. Hier ein paar Eindrücke: 

Die dicht bewachsene Werksoberfläche:


Hin und wieder ein paar Trümmerreste:


Ein Gewölberest:


Ansicht von innen. Standard-Ziegelsteine 29 x 14 x 7 cm ...


Ein größeres Beton-Trümmerstück:


Das nächste Foto dürfte einen Fenster- oder Türbogen mit vorspringendem Schlussstein zeigen:


Hier im Vergleich dazu eine ähnliche Struktur im Fort Bessoncourt bei Belfort:


Ein größeres Trümmerstück im Graben (wahrscheinlich im Saillantbereich):


Innenansicht:


Bevor ich nun wie angekündigt auf die Hohltraversen eingehe, ist es notwendig, sich mit der obligatorischen Reliefaufnahme des Forts zu befassen:


Da die Einbettung der Reliefkarte aktuell instabil ist, hier sicherheitshalber auch der direkte Link zur Seite.

Man kann deutlich das Ausmaß der Zerstörungen von 1945 erkennen, allerdings auch einige (halbwegs) intakt gebliebene Elemente. Dort, wo laut Werksplan die Hohltraversen 36, 33 und 32 (von links nach rechts) waren, sind deutlich rechteckige Strukturen zu sehen.

Hier ein vereinfachter Werksplan, in dem die sichtbaren rechteckigen Strukturen nummeriert sind:


1 = Traverse 36
2 = Traverse 33
3 = Traverse 32

Ein Bericht vom 14.04.1889 erwähnt, die Hohltraversen auf Flanken und Facen seien durch Splitterwehren ersetzt worden; das Reliefbild deutet allerdings eher darauf hin, dass sie verstärkt und die Infanteriefeuerlinie um sie herumgeführt wurde. Das folgende Luftbild von Google Maps scheint an der Stelle der Traverse 32 auf eine bauliche Struktur hinzuweisen:


Die Traverse über der Saillantkaserne (Nr. 34) wurde ziemlich sicher vergrößert und verstärkt, ist aber komplett zerstört. Auch von der Hohltraverse 35 (links daneben) ist nichts mehr übrig.

Aus all dem ergibt sich ein Erkundungsbedarf für eine weitere Exkursion zum Fort IIIa. Zunächst wäre die Frage zu klären, ob die Hohltraversen 36 und 32 verstärkt wurden oder tatsächlich abgerissen und durch Splitterschutzbänke ersetzt wurden. 

Hier die Grundrisse der ursprünglichen Hohltraversen:



Das Gebilde an der Stelle der Hohltraverse 33 ist zwar im Relief an einer Ecke zerstört, aber trotzdem erheblich interessanter, weil sich darunter das Ladesystem des Forts befand, das über eine Treppe mit der Traverse in Verbindung stand:


Sollte die Hohltraverse wirklich noch signifikant erhalten sein, wäre es durchaus möglich, dass auch vom Ladesystem zumindest noch Teile erhalten sind. Ich glaube zwar nicht, dass dieser Bereich zugänglich ist, würde mir das aber gerne vor Ort näher ansehen.

Letzter Agendapunkt für eine kommende Exkursion zum Fort IIIa: Beide Anschlussbatterien sind zwar überbaut, es fällt allerdings auf, dass das Areal, wo der Untertretraum der rechten Anschlussbatterie gewesen sein muss, nicht bebaut ist. Es wäre zu prüfen, ob sich dort noch erkennbare Reste finden.

Jetzt müsste nur noch das Corona-Virus besiegt werden ...

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